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Schwär;. Wilhelm 312 Schwan, Wilhelm
Weltausstellung auserwählt worden.
Sobald die Ordnung in Paris — es
hatte die Commune die Greuel der Neun-
ziger-Iahre um das Zehnfache überboten
— hergestellt war, eilte S,, dem Rufe
des Monarchen folgend, nach Wien.
Nachdem die von ihm gestellten Bedin»
gungen genehmigt worden, erfolgte im
August 1871 seine definitive Ernennung
zum Leiter der Wiener Weltausstellung.
Die Presse dieser Periode, von August
1871 bis Ende 1873, gibt ausführliche
Nachricht über die Thätigkeit des Gene
ral'Directors. Sie böte mit dem ver>
dienten Lobe, das ihm wurde, und mit
dem hämischen Tadel, der ihn meist
unverdient traf. Stoff zu einem statt«
lichen Folianten. Freilich hatte S. die
ihm bewilligten 6 oder 7 Millionen um
ein Gewaltiges überschritten und es wur«
den zuletzt 17 Millionen verausgabt.
Aber S. hatte dann auch dafür die Maß«
nahmen eines planlosen Regimes in bit»
terster Weise zu erdulden. Nachdem man
die Millionen verausgabt und die erwar«
teten Einnahmen ausgeblieben waren,
da mit einem Male war das Mißtrauen
gegen die Administrationstalente des Lei»
ters erwacht, und nun erst, nachdem man
ihn controlelos 17 Millionen hatte aus.
geben lassen, hatte man ihm. an dessen
Rufe kein Makel haftet, eine Regierungs-
Commission an die Seite gesetzt, welche
die Verausgabung der paar Gulden, die
noch zur Verfügung waren, in verletzen«
der Weise zu controliren hatte! Und jetzt
zeigte sich der unsterbliche Byzantinismus
in seiner ganzen Scheußlichkeit. Die talent«
losen, beutegierigen Satrapen, die bisher
nicht genug Athem schöpfen konnten, um
für ihn in die Posaune zu stoßen, und
darunter die Hauptträger feiner Reclame,
kehrten dem unter Sequester gestellten
Manne nunmehr den Rücken. Und nun erschien S., der von einer wenig umsichti«
gen Gebarung mit den Millionen nicht
ganz freizusprechen, wenn er auch durch
den Drang der Verhaltnisse gar leicht zu
entschuldigen ist, in einer Art Märtyrer»
licht, und wenn es vorher an viel Oppo»
sition nicht fehlte, wendeten ficb ihm nun
die Sympathien des Publicums so warm
und allgemein zu, daß es fast, wie Je-
mand treffend bemerkte, den Charakter
einer öffentlichen Stimmung mit einem
Anklange von politischer Färbung er»
hielt. Nun aber. die Ausstellung war-
in's Werk gesetzt worden und hatie trotz
alledem und alledem alle bisherigen weit
überholt. Freilich hatte sie durch die
gerade zur Zeit ihrer Eröffnung einge»
tretene Geldkrisis einen furchtbaren Stoß
erlitten, denn unter anderen Umständen
wäre sie sonst ein unvergleichliches Völ<
kerfest' geworden. Als sie am 2. Novem-
ber geschlossen worden, veröffentlichte
das „Journal von St. Petersburg" das
folgende, ihr von Wien eingesandte
Parte: „N. äo 3oKvf3.l2-8oQdoi-u. a
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". Ist doch in den Worten: „sa
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für beide Theile, den Ausstellungsleiter
und das Publicum, Alles gesagt. Denn,
wahrhaftig, die Ausstellung war S.'s
einzige Tochter, und nun „zahlt für sie"
ist nach den 13 Millionen, die man ver-
ausgabt, auch eine genug bittere Wahr«
heit. Einige Monate nach der AuSstel«
lung, um die Mitte deS Jahres 1874,
wurde S. zum Gesandten in den Ver«
einigten Staaten ernannt und hatte der-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon