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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
Seite - 321 -
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Schwarz, Louis 321 Schwär). Simon an der Wien, damals unter des Grafen Pälf fy Leitung, war; aber mehr als in dieser Eigenschaft war er als der größte Wein« vectilger seiner Zeit bekannt, und Seyfried nennt ihn. weil er das Getränk systematisch, d. i. pfiffweise (Pfiff im Wiener Jargon ein halbes Seitel) vertilgte, treffend einen „Pfifft» cus". Schwarzböck's Sohn war Louis, der eine gute musikalische Ausbildung erhal- ten hatte, und mit Weglassung der zweiten Hälfte seines Namens, als Loui s Schwarz, sich der Bühne, und zwar bei seinem Talente zum komischen Fache, als Komiker zuwandte. S. wanderte von Bühne zu Bühne, dann übernahm er die Direction kleinerer Bühnen, sogenannier „Schmieren", bis er die Leitung stabiler Provinzbühnen, darunter Agram und Villach, erhielt. In letzterer Stadt lernte er m Jahre 1850 einen Viehhirten von zwerg. hafter, possierlicher Gestalt kennen, dessen aus- gesprochenes Darstellungstalent Schwarz auf den Gedanken brachte, den Zwerg für die Bühne und im Gesänge auszubilden. Der Zwerg, Namens Johann Wohlge- muth, wurde nun Jean Piccolo ge» tauft und S. ging mit ihm auf Reisen. In Nestroy'schen Stücken machte Jean Pic« colo geradezu Aufsehen. Auf einer Gastspiel» tour in Karlsbad entdeckte S. in Asch im Egerlande einen zweiten Zwerg, Namens Johann Wunderlich, der dort als Ge» meindeschreiber bedienstet war. Mit diesem ging es ebenso, wie mit I ean P i ccolo, er wurde für das komische Fach in Rollen des Wenzel, Scho lz ausgebildet, erhielt den Namen Jean Pet i t , und mit diesen beiden Liliputkünstlern bereiste S. den Continent, Rußland, den Orient und kehrte, nachdem er die mannigfachsten Abenteuer zu bestehen gehabt, nach Oesterreich zurück. Auf einem Be. suche Ungarns entdeckte S. noch einen dritten Zwerg, Namens Joseph Scheid er, einen Bauernsohn, der sich auch anwerben und für das Treumann'scheFach ausbilden ließ, so daß nunmehr KiS Ios i , Jean Piccolo und Jean Petit das in der Theaterwelt bis dahin nicht dagewesene ZrvergeN'Trifo, lium bildeten, welches die Rollen Nestroy'S, Scholzen's und Treumann's mit unver- wüstlicher, durch ihre Zwergengestalt nur noch mehr gesteigerten Komik spielte. Mit diesem ZwergeN'Trias bereiste S. die halbe Welt und gewann Unsummen, welche aber, durch Spiel gewonnen, wieder im Spiele, da S. ein leidenschaftlicher Kartenspieler war, v. Würzbach. biogr.Lerikon. XXXII. <Mdr. aufgingen. Auf diesen Reisen, auf welchen der gegenwärtig als Secretär am Joseph» städter Theater in Wien angestellte Sänger und Schauspieler Emerich Slama als Reisemarschall fungirte. besuchte Schwarz mit seinen Zwergen, für welche er zum Ueber« flusse von dem als Bühnenbearbeiter bekann» ten Friedrich Blum ein eigenes Gelegenheits« stück: „Die Aufsindung der Zwerge", hatte schreiben lassen, auch Paris, und seine Zwer. geN'Trias, welcher er auch französische Chan« sonetten eingelernt hatte, spielte vor Kaiser Napoleon. Im Sommer 1863 kam S. mit seinen Zwergen nach Wien und gastirte im Treuman n'schen Quai.Theater. Am 8. Juni spielten sie in der Operette: „Zehn Mädchen und kein Mann". Eine halbe Stunde nach beendeter Vorstellung wurde das Theater ein Raub der Flammen und Schwarz verlor seine ganze, ziemlich werthvolle Garderobe. Im folgenden Jahre übernahm S. die Di. rection des Preßburger Theaters, während die Zwerge mit seiner Frau, einer ehemaligen Schauspielerin. Namens Glocke, herum» reisten, später aber sich von Schwarz und seiner Frau freimachten und auf eigene Rech» nung das Geschäft fortsetzten. Schwarz führte indessen das Preßburger Theater bis 1869 fort, wurde nun Geschäfteleiter bei Betti Weiß. welche da5 Linzer Theater dirigirte, dann Mitdirector des (zweiten) Pesther deutschen Theaters am Herminen-. platze, 1873 und 1874 Ob erreg isse.ur des Io< ftphstädter Theaters in Wien und ist nun in gleicher Eigenschaft am Thalia-Theater in München bedienstet. Die Zwergen>Compagnie, welche, nachdem sie selbstständig sich organisirt. ihre Reisen bis nach Amerika ausgedehnt, löste sich 1869 auf, nachdem jeder Zwerg ein Ca- pital von 6000 Dollars sich erspielt. Johann Wohlgemuth (Jean Piccolo) lebt jetzt wieder zu Hermagor in Kärnthen als Advo» catenschreiber, Johann Wunderlich (Jean Petit) ist, nachdem er in seiner Vaterstadt Asch sich angekauft, daselbst gestorben, und Joseph Scheid er (Kis Iosi) lebt, nachdem er sein Vermögen in unglücklichen Specu» lationen verloren, in schr ärmlichen Verhält» nissen in seiner Heimat Buda-Käsz in Ungarn. s^Seyfried (Ferdinand Ritter v.), Rückschau in das Theaterleben Wiens seit den letzten fünfzig Jahren (Wien 1864. 8".) S. 283: „Ein ganz origineller Trias'Virtuos". — Handschriftliche Notizen des Herrn 1. Wimmert — 17. Simon Schwarz 2. Juli 1576.) 21
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schrötter-Schwicker, Band 32
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Schrötter-Schwicker
Band
32
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1876
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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