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Schwarzer 331 Schwarzer
der Gesellschaft, in deren Dienste er thätig
war, sehr angelegen sein ließ. Als Lieute-
nantW a ghorn das bekannte großartige
Project einer deutsch-ostindischen Ueber«
landspoft in Anregung brachte und den
Versuch mit fast haarsträubender Bra-
vour ausführte, war es Schwarzer,
der diesen Gedanken mit Begeisterung
aufgriff und in Person drei der bekann-
ten Weltreisen mitmachte, auf deren einer
er den Weg von Trieft nach London in
93 Stunden zurücklegte. Es ist dabei
nicht zu vergessen, daß das heute beste-
hende Eisenbahnnetz Deutschlands damals
. erst in seinem Entstehen begriffen war
und daß heute noch, trotzdem dasselbe
vollendet ist, eine Dampfschnellreise von
Trieft nach London nicht weniger Stunden
betragen dürfte. Unter allen Umständen
aber wird diese Fahrt Schwarzer's
culmrhistorisches Interesse behalten. I m
Auftrage des „Oesterreichischen Lloyd"
befand sich Schwarzer nun fortwäh.
rend auf Reisen und machte auf denselben
Bekanntschaften mit wissenschaftlichen und
politischen Notabilitäten aller Farben in
und außerhalb Oesterreichs. Vornehmlich
in Berlin schien ihn der Verkehr mit den
Jüngern der Hegel'schen Schule, die
dort in allen Nuancen vertreten waren,
anzuregen. Manchem derselben würde er
naher getreten sein, wenn ihn damals
nicht andere Ausgaben beschäftigt hätten,
die ein tieferes Sichversenken in die phi«
lofophischen Aufgaben der Gegenwart,
die eben dadurch, daß sie viele waren —
statt der einen und einzigen, dem „ Stre«
ben nach absoluter Wahrhen" — dem
vorherrschend derZebenspraris zugekehrten
Manne nicht gestatteten. Wichtiger aber
für seine künftige Lebensstellung und er>
klarend seine damals AlleS in Erstaunen
versetzende Berufung auf einen Minister-
posten im Jahre der Freiheit und all« gemeinen Verwirrung, war sein Verkehr
mit dem Fürsten Metternich, mit
Brück, dem Grafen Stad ion und
anderen bedeutenden Männern jener
Tage, der sich in seiner Stellung als
Chefredacteur eines im Vormärz bedeu»
tenden politischen und commerciellen
Organs und als Repräsentant einer
Geldmacht erster Größe, wie es der
„Lloyd" war, in ganz natürlicher Weise
entspann. Kaum war der Rausch der
Märztage vorüber und nach dem Schreck
die Ernüchterung so stark wieder über
die leitenden Kräfte der Staatsmaschine
gekommen, daß man an einen „Oesterrei»
chischen Beobachter", freilich unter einer
den neuen Verhältnissen angepaßten Form,
zu denken im Stande war, übernahm
Schwarzer die Leitung des Pilat«
schen Blattes, welches — man steht,
Schwarzer ging systematisch vor —
unter dem Namen der „Allgemeinen
österreichischen Zeitung" erschien. Die
Augsburger „Allgemeine Zeitung" war
bis dahin durch Dick und Dünn für und
mit Oesterreich gegangen; man besorgte,
und nicht mit Unrecht, daß unter den
veränderten Verhältnissen sich unvermeid»
lich ein anderer, nicht minder machtiger
Einfluß auf das berühmte Weltblatt
werde geltend machen, und da wollte
man an Stelle des alten, von allen Par«
teien bereits mit Achselzucken angesehenen
„Beobachters" ein Blatt für sich allein
besitzen, das dem Augsburger ebenbürtig
zur Seite stand und, wenn nicht über
ihm stehen, doch mit Anstand an seiner
Seite gehen konnte. Und wenn eS einen
Mann gab. der diese an sich keineswegs
so leichte Aufgabe zu lösen vermochte,
weil er ihr gewachsen schien, so war es
Schwarzer. Sein reiches, encyklopa»
disches Wissen, die bunten, dabei gehalt«
vollen Erfahrungen, die er in einem viel»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon