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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
Seite - 332 -
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Schwarzer 332 Schwarzer bewegten, von stetem Wiffensdrange be- seelten Leben in der mannigfaltigsten Richtung gewonnen, das unleugbare Geschick, womit er die wichtigsten Fragen der Zeit erfaßte und fie auf den für ihre naturgemäße Entwickelung passenden Bo« den der Journalistik verpflanzte, der Feuereifer, mit dem er sich auf alle neuen Erscheinungen in Kunst und Literatur und überhaupt iln Leben stürzte, die Leichtigkeit, mit der er, ohne zudringlich zu erscheinen, mit Persönlichkeiten aller Stände und Fächer sich bekannt zu machen und durch die lebendige Weise seines Verkehrs anzuregen, nicht selten dauernd zu fesseln verstand, sein aus gesprochenes, fast dioinatorisches Talent in der Wahl der Personen für seine Zwecke, seine Vorliebe für gefällige Form. Alles das zusammen mit seiner im hohen Grade einnehmenden und trotz ihrer Im petuosität doch nichts weniger als ab< stoßend wirkenden Persönlichkeit machte ihn, wie ihn einer seiner Freunde treffend nannte, zum Journalisten pg.r sxeeiisnoe. Als im 1.1848 vom deutschen Fünfziger- Ausschuß die Wahlen ausgeschrieben wur- den, fiel neben Andr ian, Schuselka u. A. auch auf Schwarzer die Wahl zum Mitgliede; aber er ging nicht per« sönlich nach Frankfurt, sondern ließ sich von dem Statistiker Otto Hübner ver> treten. Dann wählte ihn die Vorstadt Gumpendorf zum Abgeordneten in das constituirende österreichische Parlament, an deren Debatten er sich aber kaum bemerkbar betheiligte. Er hatte auf der Linken gleich hinter der Ministerbank in der ersten Bankreihe, zwischen Neuwal l und einem galizischen Cameral.Iustitiär, Namens Macieszkiewicz, einer ihm nichts weniger als sympathischen Nach- barschaft, seinen Platz. I n der (von Adolph Neustadt herausgegebenen) „ReichStags-Gallerie", deren erstes Heft auch sein geschriebenes Porträt bringt, kommt S. ziemlich schlecht weg, und diese Darstellung ist ganz das Ergebniß jener Stimmung, die sich kundgab, als Schwarzer wider alles Erwarten am 17. Juli 1848 als Minister für die öffentlichen Arbeiten Mitglied des Cabi- nets Doblhoff 'Wessenberg wurde. Schreiber dieses gedenkt noch wie heute der Aufregung, welche bei Lesung der Ministerliste im Cafö Da um entstand, als S.'s Name genannt wurde, welche sich noch steigerte, als ein paar Tage darnach die als „Oesterreichifcher Cou» rier" travestirte Bauerle'sche „Theater. Zeitung" den sarkastischen, in seiner Schlußpointe überraschenden und scharf treffenden Artikel: „Die Fliege in der Melange" brachte, in welchem das ganze Ministerium mit einer wohlgerathenen Melange verglichen wird, in die mit einem Male eine häßliche Fliege (Schwär» z er) gefallen ist. Ueber seine Ernennung zum Minister und über die Dauer seineS Portefeuilles äußert sich einer seiner Bio- graphen wie folgt: „Die sich auS jener Zeit an seinen Namen knüpfenden ge> schäftlichen Erinnerungen find nicht ge» eignet, seine Wahl zum Minister als eine glückliche bezeichnen zu lassen. Uebrigens hätte sein Schicksal auch jeden Anderen getroffen. I n jenen Tagen der Reizbar, keit eines freiheittrunkenen, seiner Fesseln kaum entledigten Volkes, mußte jede, ob auch noch so gerechte Maßregel zurQuelle Mlßuc-rgnügens werden, sobald sie nach irgend einer Seite der politischen und naturrechtlichen Anschauung der Maffe zuwiderlief. Diese nun hatte S., als einen ihrer Meinung nach socialisti- schen Agitator, in die Höhe gehoben, um ihn bald darauf wieder in selbstverschul- deter Enttäuschung fallen zu lassen.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Schrötter-Schwicker, Band 32
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Schrötter-Schwicker
Band
32
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1876
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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