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Schwaner 337 Schwayer
seinen Sohn als Standartenträger im
Regiments Sparr eintreten, welches da«
mals zu Stralfund in Garnison lag.
Während des Krieges, den damals
Schweden, unterstützt von Frankreich,
gegen den König von Preußen führte,
rückte der junge Schwarzer allmalig
zum Capitän der Jäger zu Pferde vor.
Im Jahre 1739 gerieth er in Kriegs-
gefangenschaft, wurde nach Stettin ge>
bracht, wo ihn der damalige Prinz-Re«
gent Friedrich Eugen von Würt«
temberg kennen lernte. Der Prinz lag
in Stettin an einer im Kriege empfari«
genen Wunde, deren Heilung er dort
erwartete, darnieder und fand in Sch.
einen Gesellschafter, zu dem er hingezogen
sich fühlte. Nachdem Schwarzer aus
der Gefangenschaft entlassen ward, begab
er sich zunächst nach Wien und dort
lernte er den Dichter und Jesuiten Mich.
Denis kennen, mit dem er sich bald
innig befreundete und dessen Einfluß auf
Sch. bald so überwog, daß er ihn bere»
dete, zum Katholicismus überzutreten,
ja noch mehr, den Waffenrock, den er
bisher getragen, mit dem Friedensge«
wände des Priesters zu vertauschen. Die
Kaiserin Mar ia Theresia, welche
dem feierlichen Uebertritte Sch.'s bei-
gewohnt und, wie bekannt, für Con»
vertiten eine fast mütterliche Sorgfalt
hatte, verlieh ihm sofort ein Canonicat
in Gran, dann eine Pfarre in Tyr«
nau und 1779 die Propstei in Neutra
mit der Anwartschaft an den dortigen
Bisckofsitz. AlS im Jahre 1783 der
Herzog von Württemberg Wien besuchte,
erneuerte er mit Sch. die in Stettin
angeknüpfte Freundschaft und nahm ihn
mit sich in seine Staaten mit. Nach seiner
Rückkehr nach Wien übertrug ihm der
Kaiser eine Mission nach Portugal; als
aber der Prälat in Behandlung der ihm übertragenen kirchlichen Angelegenheiten
in einer Weise auftrat, welche mit den
Ansichten des Kaisers in diesem Puncte
nichts weniger als übereinstimmte, fiel
er in Ungnade des Monarchen. Die re>
gierende Königin von Portugal, eine
Fürstin von tiefster Frömmigkeit, versuchte
den in Ungnade gefallenen Bischof nach
ihrer Weise zu entschädigen und machte
ihm reiche Geschenke. Nun begab sich
Sch. nach Marocco, wo er mit den ihm
zur Verfügung gestellten Geldmitteln
mehrere Christen aus der Sclaverei er»
löste, worauf er nach Spanien sich
begab
und dort von König Kar l IV. eine
Pension erhielt. Der ihm verliehenenkirch»
lichen Würden wurde er, weil er nach
seiner Abreise aus dem Kaiserstaate nicht
mehr zurückkehrte und auch nach beende»
ter Mission keine Anstalten zur Rückkehr
machte, für verlustig erklärt, später aber
wieder in Gnaden aufgenommen und
1794 zum Domherrn in Waitzen ernannt.
Von ihm ist eine bei Antritt des Bisthums
durch Anton Grafen Rsvay gehaltene
lateinische Rede gedruckt erschienen:
?s?)2
I n letzter Zeit lebte Sch. in Cadir, wo
er im Alter von 36 Jahren starb. Der
Papst hatte ihm die Erlaubniß gegeben,
Ablässe zu ertheilen, und der König
von Schweden, trotz Sch.'S Uebertritte
zum Katholicismus, die Erlaubniß er>
theilt haben, den im Kriege erkämpften
Schwert-Orden zu tragen.
4856 äia 31. H.U3U2U eonLselstae (?S2tk
1856, 5. Vsiinsl, schm. 4°.) z>. 172.
Noch sind anzuführen: l . Guido von Schwär-
zer (geb. am 5. Februar 1834). Cin Sohn
Ernst's von Schwarzer, dessen ausführ,
liche LebenssNzze S. 328 mitgetheilt wurde.
v. Wurzbach , biogr. Lexikon. XXXII . sGedr. 52. Juli ls76 22
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon