Seite - 342 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Schrötter-Schwicker, Band 32
Bild der Seite - 342 -
Text der Seite - 342 -
342 Schrvüy!
dl5 nenrn OestamintZ nnch Zeinrm bnch5täülichen
und llillraliächrn Iuhlllte", 6 Bände (Ulm
4802 — 1803), eine ungemein verdienst-
liche Arbeit, welche jedoch weder bei den
Katholiken noch den Protestanten die der-
diente Würdigung fand; für diese steckte
S. noch immer zu tief in den Fesseln des
alteren Kirchensystems, für jene doch war
er in seinen Auslegungen zu frei, gab
mehr der Stimme seiner Vernunft, als
der strengen Ueberlieferung Gehör; —
t>i? Authmndigkeit ürr katholischen
nnü uun
si'äp5tlichen l5lln-
(Augsburg 1807. Doll. 8".);
— „Aum GelegenheitZreilen, über uiichiige (Or-
genZtllnde der Nriigian nnii Sittcnlehre" (ebd.
1808. Kranzfelder. gr. 8".); — „Versuch
eim5 ücutIchen Aitnllls mit Neibetialt. des reli-
M m IlterthninZ" (ebd. 1809). dessen
vollständigen Abdruck er nicht mehr er-
lebte. S. war ein Priester ganz im Geiste
der Iosephinischen Periode, als Theolog
und Gelehrter gleich verdienstlich, obgleich
er in beiden Eigenschaften kaum einer
besonderen Aufmerksamkeit würdig befun-
den worden wäre. wenn sich an seinen
Namen nicht Ereignisse knüpften, die iu der
katholischen Kirchengeschichte als bedeut»
sam bezeichnet werden müssen. Er war die
unmittelbare Veranlassung, daß der Eid
äe innQÄQuIata oonoeotioüo in allen
deutschen Erbländern ein für alle Mal
abgeschafft wurde. Der Hergang dieser
Angelegenheit ist folgender: Am 8. De>
cember 1731, am Festtage der unbefieck«
ten Empfängniß Maria, fattd nach altem
Herkommen die Feierlichkeit in der Uni«
versitätskirche in Innsbruck Statt und
bei dieser Gelegenheit schwuren älteren
Constitutionen der Päpste Paul V. und
Gregor XV. gemäß, insbesondere aber
auf Grund eineS besonderen Statutes
der InnsbruckerHochschule, welches wört»
lich lautet: „Dies Lsatas
I12.0 , ^adita.
inia Im1n3.Qui2.ta6O02-
", die Professoren der Theologie
den Eid auf die unbefleckte Em>
pfängniß der hei l igen Mut te r
Gottes. Professor Schwarz! weigerte
sich bei dieser Gelegenheit, den vorge«
schriebenen Eid zu leisten, und statt des»
selben soll er nach seiner Angabe blos
auf die „katholische! Empfängniß" —
jedenfalls ein verzweifelter Ausweg —
den Eid geleistet haben. Darüber wurde
sofort an den Fürstbischof von Brixen.
als den O3.llQ6i1iN'Iu3 ^si'pstnuL der
Innsbrucker Hochschule, Bericht erstat.
tet und Schwarzl in erster Instanz
verurtheilt. Das Gubernium in Inns«
hruck. vom Geiste Iosephinischer Reform
gestreift, ließ es bei dieser Verurtheilung
nicht bewenden, sondern schickte die Pro-
ceßacten an die k. k. Studien-Hofcommis«
sion nach Wien und dort bekam die An-
gelegenheit eine andere Wendung. Das
unter dem 3. Juni 1782 gefällte kaiser»
liche Urtheil lautet: „Man solle dem
Professor Schwarzl allergnädigst zu
erkennen geben. daß er besser gethan
haben würde, wenn er gar nicht ge»
schworen, sondern seine diehfalls gefaßten
Bedenken der Behörde angezeigt hätte;
seinen Klägern hingegen soll man einen
scharfen Verweis geben und die»
ser Eid äs. immHouiHtg. Oouo6V5ioiiö
sei hinfüro in allen deutschen Erb«
ländern ganz abzuschaffen". Die
ganze Angelegenheit machte in jenen
Tagen nicht geringes Aufsehen. Mehrere
periodische Blatter, unter anderen die
Kirchenzeitung von Utrecht", der ,Göt«
tinger Staatsanzeiger" u. s. w., bespra«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon