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chen S.'s Eidesverweigerung, gegen
welche auch noch die folgende Flugschrift:
„Ein Heftlein an den großen Heftmacher
der Staatsanzeigen, Tit. Herrn Prof.
Schlözer zu Göttingen" (1783) er>
schien. Der zweite Vorfall, der sogar
auf nichtdeutschem Gebiete die Aufmerk,
sainkeit der betheiligten Kreise auf sich
zog und woran S. wesentlichen Antheil
hatte, war die Berathung der Freiburger
Geistlichkeit über' die Eidesleistung der
französischen Priester auf die Verfassung,
worüber sich die Berathenden nicht nur
billigend, sondern im vollen Maße aner«
kennend aussprachen. Die Sache machte
großes Aufsehen und fand bald Nach»
ahmung, insbesondere in Italien, wo
viele Bischöfe und Priester dem Freibur«
gischen .und französischen Clerus bei-
stimmten. Ueber Schwarzl selbst, nach»
dem er die Rechtfertigung des franzöfi»
schen Clerus den Zeloten gegenüber über-
nahm, äußerte sich eine französische
Stimme: „ Ootts
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3.FFiom.6i6g autoul ä'6u.x". Einen an«
deren Beleg seines männlichen Freimuthes
bildet sein Verhalten in den Verhand«
lungen, welche gegen den Servitenmönch
Karl Fieiherrn von Güntherode
s^Bd. V I , S, 43^ von einer eigens zu
diesem Zwecke eingesetzten Commission
eingeleitet wurden, und in welcher man
Güntherode verschiedener Ketzereien
angeklagt und zuletzt verurtheilt hatte.
Nun, Schwarzl war es, der, als Asses.«
for dieser Commission beigezogen, fest
zum Angeklagten stand und entschieden
seine Partei nahm. Ob Schwarzl schon in Innsbruck Mitglied einer der
dort tagenden drei Freimaurerlogen:
„Zu den drei Bergen", „Symbolischer
Cylinder" und „DreiFlammen" gewesen,
kann ich nicht sagen, weil ich die Perso»
neN'Verzeichnisse genannter Logen nicht
kenne; wohl aber war S. wirkliches Mit»
glied der St. Iohannes-Loge „zur edlen
Aussicht" in Freiburg und im Jahre
1786/87 sogar Meister vom Stuhle die-
ser Loge. Noch sei bemerkt, daß S. wäh-
rend seiner Wirksamkeit als Lehrer an
der Innsbrucker Universität wesentlich
zur Vermehrung der dortigen Universi-
täts'Bibliothek beitrug, weil er, wie eine
unserer Quellen berichtet, auf einen an-
sehnlichen Bücherschah, meist aus Jesuiten-
vorrath, der ohne ihn vielleicht versteckt
geblieben wäre. aufmerksam machte, wel«
cher dann der dortigen Bibliothek ein»
verleibt wurde. S. besaß viele Feinde
und Widersacher, was aus dem Vorher-
gehenden sich von selbst versteht und leicht
begreift. Man griff ihn und seine Schrif»
ten an, ohne jedoch ein wirksames Resul»
tat zu erzielen. Als diese Wächter des
allein seligmachenden Glaubens endlich
inne wurden, daß auf diesem Wege nichts
zu erreichen sei, so schlugen sie, wie dieß
bei ihnen Brauch, den andern sichereren
Weg ein, sie griffen seine Ehre, seine
Sitten an, hatten jedoch auch da keimn
bemerkenswerthen Erfolg.
(De Iuca) Journal der Literatur und Sta»
tistik, <. Stück. S. 20. — Gradmann
(Job. Iac.), Das gelehrte Schwaben u. s. w.
(Ravensb. 4803. gr. 8".) S. 604. — Oester.
reichischeNational-Encyklopädievon
Gräffer und Czikann (Wien t837, 8°.)
Bd. IV, S. 6l3.
Schwarzmann, Joseph (Decora.
tionSmaler, geb. zu Prutz in Tirol
am 1. Februar 1306). Sohn mittelloser
Eltern;, kam, dritthalb Jahre alt, zu
Verwandten nach Nauders, von dort
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon