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Schwenda 374 Schweuda
eingeäschert wurde, mußte der damals
breits 73jährige Erjesuit einen neuen
Wohnort suchen, welchen er auch auf der
sogenannten Kydliner Mühle in der
Nähe von Königgrätz fand, wo er seine
historischen und antiquarischen Arbeiten
fortsetzte. Vom Jahre 1817 nahm seine
Schwäche bereits so zu. daß er nicht
mehr das Zimmer verlassen konnte und
er mit Erlaubniß des Bischofs die tag'
liche Messe in seiner Wohnung laS. Im
Jahre 1820 beging er noch sein fünfzig,
jähriges Priesterjubilaum. zwei Jahre
später- starb er, 8l Jahre alt und in
Böhmen das letzte Mitglied des vor
einem halben Jahrhunderte aufgehobe»
nen Jesuitenordens. Die Frucht seiner
oberwähnten historischen Forschungen ist
das Werk: „Z^
"^ d. i. Ge»
schichte von Königgrätz. Fünfzehn Theile,
betitelt: Gemälde der Stadt Hcadec an
der Elbe (Königgrätz 1788—4853. 80.).
S. theilt seine Gemälde nach den Metal-
len ein, und die erste Abtheilung seines
Werkes, welche bis 1418 reicht, heißt
daS goldene und silberne Gemälde
der Stadt Königgrätz (1788); die fol-
gende daS eiserne, welche fünf Ab«
theillingen bildet und in diesen die Zeit
von 14l9—1618 umfaßt (1800 bis
1804); die dritte das kupferne, in
vier Abtheilungen, die Zeit von 1619 bis
1703 umfassend (1807—1812); die
vierte daS thönerne. wieder in fünf
Abtheilungen, die Zeit von 1706 bis
1800 schildernd (1813-1818). Der
wissenschaftliche Werth dieser Geschichte,
die ganz im Chronikstyle gehalten, ist
bei dem Mangel aller Kritik ein gerin-
ger, aber sie enthält für einen späteren
Geschichtschreiber dieser durch den Krieg
1866 so denkwürdig gewordenen Stadt reiche Materialien rein geschichtlichen und
culturgeschichtlichen Inhalts, die um so
wichtiger, da sie aus Büchern, Urkunden,
Flugschristen und Blattern geschöpft,
welche durch die im Jahre 1814 stalt-
gehabte Feuersbrunst unwideibringlich
verloren gegangen sind. Außer diesem
gedruckten Werke hinterließ S. in Hand.
schrift mehrere Predigten, welche in der
Bibliothek des theologischen Seminars
zu Königgrätz aufbewahrt werden, und
Vooi63i3.6 L. N. V. HtariaH st
8oo. ^ssu Reginas
welches Dechant Ziegler
im Jahre 1830 dem böhmischen Museum
übergeben hat.
8Iov2ik nauön?. Nsä^tar Dr. ^rant.
kaä. li isgsr, d. i. Conversatiyns-Lerikon.
Redigirt von Dr. Franz Iadislaus Rieger
(Prag 1860. I . L. Kober, Lex. 8".) Bd. IX,
S. 223.
Schwenda, Julius lSchriftstel-
ler. Geburtsort unbekannt, geb. im
Jahre 1823, gest. zu Weinhaus bei
Wien 3. August 1862). Ueber seine
Jugend und seinen Bildungsgang ist
nichts Näheres bekannt. Nach Allem,
was von ihm vorliegt, hatte, er eine
gute Ausbildung genossen und war auch
später — immer sich sortbildend — nicht
stehen geblieben. War es angeborner
Unabhängigkeitstrieb, waren es Miß»
erfolge in seinen Bewerbungen um eine
öffentliche Anstellung, war es Vorliebe
zum Lehrfache, wir können es nicht sagen,
aber im letzteren war er mehrere Jahre
thätig, während er nebenbei für belle«
tristische Blatter Novellen und Gedichte
schrieb, die eben kein ungewöhnliches,
aber ein angenehmes, lyrisches und Erzäh»
lertalent bekundeten. Anfangs Mai 1860
nahm er seine Stellung bei dem von den
Fürsten Georg und Konstantin
Czartoryski begründeten „Recenfio-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon