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Schwenda 372 Schwendenwein
nen und Mittheilungen über Theater,
Musik und bildende Kunst" ein und
blieb an diesem bis zur Stunde nicht
ersetzten Theater». Musik, und Kunst,
blatte bis an sein im Alter von erst
39 Jahren erfolgtes Lebensende thätig,
Bald nach Uebernahme dieser Stelle bei
dem genannten Blatte erhielt er auch
noch die Professur über mündlichen Vor«
trag am Conservatorium der Musik in
Wien. Der warme Nachruf, den ihm
die „Recensionen" in'S Grab mitgaben,
schreibt über ihn: „Sch. war kein Schrift»
steller von hervorragender Bedeutung,
aber ein mit sich einiges Talent, gebildet,
warm fühlend und streng gewissenhaft.
Er schrieb am liebsten und am besten,
wenn er, nicht gedrangt durch Zeit und
Umstände, freien Geistes und gesund, mit
voller Muhe einen genauen Einblick in
den Gegenstand gewinnen konnte. Galt
es einer ästhetischen Abhandlung, einem
musikalisch oder theatergeschichtlichen
Stoff, so war ihm die genaueste Quellen»
erforschung Bedürfniß; galt es der Be>
sprechung eines Buches, so konnte er es
nie oft genug durchlesen, galt es endlich
einer Theaterkritik, so zog er es bei wei-
tem vor. nicht unter dem ersten unmittel«
baren Eindrucke zu schreiben. I n seinem
Urtheile strebte er nach bewußter, maß-
voller Gerechtigkeit, ohne Schwache, aber
mit jenem Wohlwollen und jener Ein«
Haltung guter Sitte, die freilich mitunter
dem Tadel seine vernichtende Spitze ab»
bricht, die aber allen Aeußerungen nebst
dem wohlthuenden Ebenmaße auch ein
von jedem Unbefangenen respectirteS Ge»
wicht gibt. Der Hauptaccent darf dabei
wohl auf die seltene Eigenschaft gelegt
werden, daß kein Ausdruck seiner Feder
je einen verletzenden Anstrich trug.
Und doch war kein Ausdruck eine Con»
cefsion. kein Wort eine Gefälligkeit." Als er die Haupt-Mitarbeiterschaft bei
den „Recensionen", welche eine gute
Sache würdig verfochten, übernahm,
hatte S. für sie seine beste Kraft ein-
gesetzt. Sein reiches Wissen, seinen heili-
gen Eifer für Künstlerthum und künst«
lerische Tüchtigkeit. WaS kann, fragt sein
Nekrologist, der Höchstbegabte mehr?
Vor seinem Eintritte bei den „Recensio-
nen" hatte S. fieißig am „Figaro" und
an den im Waldheim'fchen Verlage
herausgegebenen „Mußestunden" mitge.
arbeitet, welche viele Novellen und Er«
zählungen aus seiner Feder enthalten.
Bei den „Recensionen" besorgte er einen
großen Theil des eigentlich redactionellen
Geschäfts, überdieß schrieb er dafür meh-
rere größere dramaturgische Artikel, von
denen hier erwähnt seien: „Kleist's
Prinz von Homburg" (1860, S. 632);
— „Hebbel'S Michael Angelo" (1861,
S. 230); — „Die Umgestaltung der
Hoftheater" (1861, S. 1. 17, 49, 63);
— „Das politische Tendenzdrama"
(!861, S. 463. 431; 1862. S. 193.
223); — „Die Fabier. Trauerspiel von
Gust. Freytag" (1861, S. 673); —
„Dramatische Hexen. Ein Studien »Frag»
ment" (1861. S. 803) und mehrere klei-
nere Recensionen. Selbstständig erschien
von ihm: „Schiller und THIank. Gine Dichter-
Parallele. Als Festgabe zur hundertjährigen
Schiller-Feier« (Wien 1860, Sallmayer.
8o.).
Recensionen und Mittheilungen über Thea»
ter und Musik (herausg. von Fürst Czarto»
ryski) (Wien. Redaction, Druck u. Verlag
v.J. Löwenthal, 4«.) VI I I . Jahrg. (l862),
Nr. 32. S. 497 u. 5l2.
Schwendenwein von Lanauberg,
August (Architekt, geb. zu Wien im
Jahre 1817. n. A. schon 1813). Der
Sohn mittelloser Eltern, welche gleich,
wohl Alles aufboten, ihm eine möglichst
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Band 32
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Schrötter-Schwicker
- Band
- 32
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1876
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon