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Sequenz Joseph 134 Serafin-Luftmann
Rechtsstudien beendet, wendete er sich
dem Lehramte zu und wurde Professor
der unteren Lateinclaffen an dem im
Jahre 1807 neu errichteten Gymnasium
zu NeuhauS in Böhmen und blieb in
dieser Stelle bis zum Jahre 1811. Nun
legte er das Lehramt nieder und trat am
3. October 1813 aus Patriotismus in
die kaiserliche Armee, wurde Officier.
tral aber nach beendetem Kriege wieder
aus und ging nach Spanien, wo er sich
verheirathete. I n kurzer Zeit begab er
. sich nach Amerika, kämpfte dort unter
Bo l ivar . darauf nach Frankreich, wo
er deutschen Sprachunterricht ertheilte,
bis er seine Heimath wieder aufsuchte, in
welcher er zu Pilsen im Französischen,
Italienischen. Spanischen und Englischen
Unterricht gab. Nun ging er nach Wien,
von da als Secretär des Prinzen Fer»
dinand von Sachsen-Coburg nach
Portugal und wurde nach seiner Rückkehr
Privatsprachlehrer zuBöhmisch-BudweiS.
Im Jahre 1838 erhängte er sich in einer
Ziegelei zu NeuhauS zwischen Kru-
mau und Netolicz. Im Jahre l834
schricb er für das Unie-rhaltungSblatr
„Oeska vöeia", d. i. Die böhmische
Biene. Wahrend seines Aufenthaltes in
Pilsen erweckte er mit seinen ungewöhn«
lichen Sprachkenntnijsen unter den wohl»
Habenderen Studirenden das Verlangen,
sich in lebenden Sprachen auszubilden,
und so soll es geschehen sein, daß auch
der berühmte Sinologe August Pfitz-
meier Md.XXII , S. 193).'der eben zu
jener Zeit in Pllsen studirte, die große
Vorliebe für Sprachwissenschaft faßte, in
welcher er spater zu so bedeutendem Rufe
gelangen sollte.
Die Künstler al ler Zeiten und Völ-
ker Begonnen von Prof. Fr. Mül ler.
fortgesetzt und beendigt von Dr. Karl K l u n<
zinger und A. Seubert (Stuttgart 1864,
Ebner und Seubert, gr. 8«.) Anhang 2. 397. Serafin - Luftmann, Elise
le t in, geb. in Krakau 4. October
1820). Dieses wegen ihrer außerordent»
lichen Körperkraft und Muskelfülle merk«
würdige Weib zeigte schon in frühester
Jugend eine ungewöhnliche Körperkraft.
Bereits im kindlichen Alter hob sie schwere
Lasten und im Alter von l3 Jahren
führte sie mit Gewichten uon 23 Pfunden
Exercitien aus, welche allgemeines Stau»
nen erregten. Um ihre Naturgabe zu
verwerthen, schloß sie sich einer Gesell»
schaft Akrobaten an. mit welcher sie zu»
erst Polen bereiste. Als sie im Jahre
1838 mit ihrer Gesellschaft nach Lemberg
kam, sah sie dort den bekannten Karl
Rap'po, einen geborenen InnSbrucker.
Die Krafte.rercitien dieses berühmten
Athleten ließen El i se erkennen, daß sie
noch Manches zu lernen habe und sie
nahm nun auf zwei Jahre Engagement
bei ihm und eignete sich unter dessen An»
leitung nunmehr eine Kunstfertigkeit an,
die allgemeine Bewunderung erregte.
Sie führte nun mit Centnergewichten die
schwierigsten Aufgaben auS, sie spielte
mit ihnen wie mit gewöhnlichen Fang»
ballen. Unter Anderem hielt sie einen
mit zwei Centnergewichten beschwerten
Tisch, auf welchem überdieß noch ein er-
wachsener Mann auf einem Stuhle saß.
frei auf den Zähnen und balancirte diese
Last mit großer Sicherheit längere Zeit
in der Luft. Von der Muskelkraft ihrer
Hände und Arme gab sie die erstaunlich»
sten Proben. Nachdem die zwei Jahre
vorüber waren, trennte sie sick von
Rappo und trat eine Reise an, auf
welcher sie in Troppau. Olmüh, Brunn
Vorstellungen gab. In den Monaten
Mai und Juni 1840 eröffnete sie i,n Wien
im Iosephstädtertheater einen Cyklus
von Vorstellungen, welche damals daS
Tagesgespräch bildeten. Das besonders
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon