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setlik 462 Kettele
bei Popp das Modelliren zu erlernen.
In den nächstfolgenden Jahren unter»
wies er außer den bereits genannten
Gegenstünden noch in der Mechanik und
beschreibenden Geometrie. Im April
4836 legte er in Wien die StaatSprü-
fung ab, und erhielt darauf das Lehramt
in Klagenfurt, wohin er sich nock im
October desselben Jahres mit seiner eben
erst geehelichten Gattin Beatr ix, eine
Tochter des I)r. Wenzel Stanek, begab.
Im Jahre 1838 nahm er zur weiteren
Ausbildung einen einjährigen Urlaub
und reiste mit seiner Frau nach Paris,
wo er den Studien der höheren Mecha-
nik oblag. Die politischen Wirren, da
zwischen Frankreich und Oesterreich die
Feindseligkeiten begannen, unterbrachen
seine Studien, und nöthigten S. Paris zu
verlassen Er machte nun Reisen durch
Belgien und Deutschland mit nächstem
Hinblick auf seinen Beruf und seine
Studien. Auf seiner Heimreise hielt er
am 2. September 1839 auf einer Ver«
sammlung des Prager Gewcrbevereines
cinen Vortrag über die Ergebnisse seiner
Reise, und kehrte dann nach Klagenfurt
zurück, um sein Lehramt wieder zu über»
nehmen. Daselbst hielt er am 27. No>
vember im Gewerbeverein auch einen
öffentlichen Vortrag, gleichfalls über seine
Reisen, und die auf denselben gewon»
nenen Resultate, welcher in den Verhand-
lungen deS Vereines abgedruckt steht.
Nun erfolgte seine Ernennung für das
Lehramt der beschreibenden Geometrie
und Mechanik in Brunn. Mittlerweile
aber trat ein Leiden hervor, in Folge
dessen ihn die Aerzte m ein Bad schickten,
aber es kam gar nicht zur Badereise, denn
in Prag bereits starb S., 27 Jahre alt.
In Handschrift hatte er eine Mechanik, in
öechischer Sprache geschrieben, hinter«
lassen. I n S. ist in seinem Fache ein vielversprechendes Talent zu früh hinge-
rafft worden.
I>oL6i 2 ?i-ak7, d. i Der Bote aus Prag
(4°). i3l)U, Heft 8, S. 273.- ^
Eettele, Franz EraSmus (H u m a-
nist, geb. in Graz im Jahre 1804.
gcst. ebenda 1. August 1834). Sohn
geachteter Bürgersleute, betrat er die
kaufmännische Laufbahn, und stand als
Handelsmann in Gratz seiner reellen
Eigenschaften und seines WohlthätigkeitS.
sinnes wegen in allgemeiner Acktung.
Das Jahr 1848 gad ihm aber auch
Anlaß seinen Patriotismus in werk-
thätigster Weise zu bekunden. Eine seiner
Handlungen in jenen Tagen wirft ein
volles Licht auf den wackeren Mann.
Als bald nach Beginn der Stürme des
Jahres 1848 die Entwerihung deS Pa»
piergeldes in schreckenerregender Weise
üderhand nahm, trug Settele achtzehn-
tausend Silberzwanziger in die Gratzer
Verwechslungscaffe. dieselben mit Ver«
zichtung auf jedes Agio zur Disposition
des Staates stellend. Für die durch den
Druck der Zeiten nöthig gewordenen
Staatsanlehen wirkte S. mit allen
Kräften; so hatte er für daS 4i/2percen-
tige Staatsanlehen die ansehnliche
Summe von 410.000 fl., für jenes im
Jahre 1831 133.000 fi. gesammelt, und
auf die ihm gebührende Provision zu
Gunsten wohlthätiger Zwecke verzichtet.
Dem steiermärkischen Franz Ioseph-In'
validenfonde übergab S. einc namhafte
Summe als Geschenk und machte noch
überdieß mehrere andere Widmungen für
im Dienste des Kaisers invalide gewoc«
denen Krieger. Als die Kämpfe in Ita«
lien und Ungarn die werkthatige Hilfe
des Staates und seiner Bürger in allen
Richtungen beanspruchten, vermittelte S.
die Sendung von über hundert Kisten,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon