Seite - 175 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Seidl-Sina, Band 34
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Seyfried) Ferdinand 173 ) Ferdinand
siebt man in Blau drei, 2 über 1, sechs»
strahlige silberne Sterne; die linke Hälfte ist
von Silber und Vlau der Länge nach ge-
theilt und mit drei, 2 über l , goldenen Lilien
belegt.
Seyfried,Ferdinand Ritter (Schr ist-
steller, geb. in Wien, Geburtsjahr
unbekannt, gest. ebenda 9. Ocl. 4863). Er
war ein Sohn des ehemaligen Redacteurs
Joseph Ritter von S. ^S. 188) und
ein Neffe des bekannten Componisten
Ignaz Ritter von S. >^S. 176^>. slleber
die Familie im Allgemeinen virgleiche die
Quellens Wie fein Oheim, besaß auch der
Neffe reickes musikalisches Talent.aber von
Jugend auf kränklich, konnte er es nicht
im Spiel eines Instrumentes, etwa Piano
oder Violine, zur Geltung bringen und
so warf er sich auf die Kritik, die er
neben seinem dienstlichen Berufe — er
war Beamter in der k. k. ersten österrei»
chischen Sparcafse — mit einer seltenen
Ausdauer, und wir glauben das rechte
Wort zu gebrauchen, Harmlosigkeit ohne
Gleichen, Jahre lang ausübte. Er redi«
girte nämlich das aus dem Besten, was
ausländische Blätter brachten, zusam«
mengesetzle Journal „Sammler" und
seit dem Jahre 1844 den „Wanderer",
der auS einem belletristischen Blatte vor
1848 nack oder richtiger schon im Jahre
1848 in ein politisches Blatt sich ver<
wandelte und in der nun folgenden
Periode politifcherseits verschiedene Pha»
sen durchmachte, wahrend er in jenem der
Theaterkritik eine Stabilität bewahrte,
wie eine ähnliche kein zweites Wiener
Blatt aufzuweisen hatte. Und daS kam
daher, weil Ferdinand S. die Seele
dieses Theiles des Blattes war. Aus
seiner Feder stammten die zahllosen grö>
ßeren Theaterkritiken und daS Feld der
Theaternotizen wurde von S. wahlhast
mit dem Fleiße einer Biene gepflegt und immer wohl versorgt. S. war darin
geradezu eine Specialität, und mit Necht
nennt ihn einer seiner Biographen, im
Hinweis auf die Biene, welche auf dem
Frontispice des Wiener Sparcaffegebäu-
des auf dem Graben, in welchem Sey-
fried bedienstet war. sichtbar ist, die
„Theaternotizen-Biene" Wien's. Dabei
war der Charakter dieser Notizen, im
Gegensatze zu dem in anderen Journalen,
immer im hohen Grade wohlwollend.
Als nomineller Redacteur des Blattes
war er aber, nachdem dasselbe ein poli-
tisches geworden, auch für den politischen
Theil des Blattes verantwortlich und
hatte, obgleich er sich weder um Deak
oder Eotvös, es hätte denn Einer
oder der Andere ein Stück geschrieben,
weder um Centralisten, Dualisten noch
Förderallsten kümmerte, in Folge seiner
Stellung als genannter und verantwort-
licher Redacteur manche unangenehme
Situation, in welche ihn Andere verfetzt
hatten, zu überstehen. Aber bei seiner
harmlosen, ungemein gutmüthigen Weise
verwand S. alles Ungemach, das über ihn,
als politischen Strohmann, unverschulde-
ter Weise hereinbrach. Nur eine Entrü>
stung Sey fr ied's ist in den betheiligten
Kreisen bekannt worden und dieser hatte
er rückhaltlos Worte geliehen, als man
ihm nämlich — wie allen Redactionen der
Wiener Journale —den sogenannten. be>
kannllich unentgeltlichen Redactionssitz iln
Hof-Operntheater entzogen hatte. „Seit
30 Jahren" rief er aus, „ging ich täglich
in dieses Theater, ich setze fortan keinen Fllß
mehr hinein." Sprach's und wir denken,
er hat es gehalten. Seit dem Jahre 1849
war S. einseitig gelähmt, dessenungeach»
tet aber arbeitsfähig; seit dem Jahre
1339 unausgesetzt an das Krankenlager
gefesselt. Nachdem sich S. krankheits-
halber von der Redaction des „Wen-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon