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Seyfried) Joseph Senfried) Joseph
der des CompositeurS IgnazsS.
Unterricht und spater die wissenschaftliche
Ausbildung erlangte er in Wien, wo er
im Jahre 1801 die juridischen Studien
beendet hatte. Wahrend sein Bruder, der
nachmals als Musicus rühmlich bekannte
IgnazS. . dessen Lebensskizze voranging,
sich ausschließlich der musikalischen Lauf-
bahn zuwendete, sollte I osep h, wie es
anfänglich bestimmt war, die staatsdienst.
licheLaufbahnbetreten. als ein Zufall diese
Absicht vereitelte. E>n naher Verwand«
ter der Seyfried'schen Familie war der
Kaufmann Zit terb arth, der im Jahre
1801 das Privilegium des neu erbauten
Theaters an der Wien von dem damali-
gen Director Schikaneder <M.XXIX,
S. 299) käuflich an sich gebracht. In
Theatergeschäften wenig bewandert,
wünschte er den jungen Sey fried als
Secretär und Theaterdichter an seiner
Seite zu haben. Vater und Sohn waren
damit einverstanden und so eröffnete S.
seine Laufbahn als Theaterdichter mit
einer Uebersetzung von Mozart 's „Ti.
tus", dem bald viele ändere Werke, theils
Originalarbeiten, zum größeren Theile
aber Bearbeitungen und Uebersetzungen
französischer, englischer und italienischer
Dichterwerke folgten. Schon damals,
wie noch heut. wendete sich der Geschmack
des Publikums mit Vorliebe den franzö»
fischen Operetten zu und so fand denn
S. bald ein ergiebiges Feld für feine
Uebersetzungsthätigkeit, deren nächste
Früchte die bald beliebt gewordenen
Operetten: „Die beiden Füchse" — „Der
Schatzgräber"—«PächterRobert"u.s.w.
waren. Die erste der genannten Operet«
ten hatte einen so durchschlagenden Erfolg,
daß sie bald ein Zugstück anderer Buh«
nen wurde und als sie in St. Petersburg
gleichfalls mit entschiedenem Beifall auf-
geführt worden, erhielt S. im Jahre 1804 einen ehrenvollen Ruf an das
deutsche Hoftheater in St. Petersburg
als Theaterdichter und Secretär unter
Miric's Direction. Die angenehmen
Verhältnisse aber. in welchen er sich in
Wien befand, bestimmten ihn. den sonst
so vortheilhaften Antrag abzulehnen. Als
dann Freiherr von Braun daS Privile»
gium des Theaters an der Wien ange-
kauft hatte, blieb Seyfr ied bis 1806 in
seiner bisherigen Stellung; erst als eine
Gesellschaft von Kavalieren die Leitung
des genannten Theaters übernahm, gab
S. seinen Posten an dieser Bühne, aber
nicht auch seine bisberige Thätigkeit auf.
indem er immer neue Arbeiten für dieselbe
lieferte, von denen beispielsweise: „Nie
Bestalln" — „Nas keimte Jerusalem" —
„Mc>5l5" — „Zlrmida" — „Nie vornehmen
Wirthe" — „Johann van Paris" — „Hu-
rande" — die biblischen Dramen „Sanl"
und „Namll" genannt seien, welche von
Wien aus, wo sie zuerst aufgeführt wuc>
den, die Nunde über alle Bühnen der
Monarchie und auch über mehrere deS
Auslandes machten. Bisher beschränkte
sich S.'S Thätigkeit vornehmlich auf Ge>
schäfte deS Theater«SecretariatS und die
Bearbeitung fremder Opern für die Wie«
ner Bühne. Im Jahre 1811 betrat er
das journalistische Gebiet, auf welchem
er bis an sein Lebensende thätig blieb.
Als im Jahre 1811 Castell i, welcher
bis dahin die zunächst das Theaterwesen
behandelnde Zeitschrift „Thalia" redigirt
hatte, als Theaterdichter bei dem k. k.
Hofoperntheater eingetreten war, über«
nahm Joseph S. die Redaction, der
Thalia" und führte
sie
durch zwei Jahre,
bis ihm (1813) der Wiener Buchdrucker
Strauß den Antrag machte, die Re-
daction deS 1809 begründeten, anfäng-
lich von Caftel l i , dann von Porten-
chlag redigirten „Sammler" zu über-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon