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Sich ermann Sichra
Debatte; wißbegierige Landwirthe und
bedeutende Vertreter dieses Zweiges
menschlicher Thätigkeit auS dem Adels-
und bürgerlichen Kreise nahmen Sicher-
mann'S Musterwirthschaft in Augen»
schein und gestanden ihr einstimmig diesen
Namen zu. Dabei ermüdete S. nicht,
seine Verbesserungen immer weiter auS«
zudehnen. Die Baumpflanzungen liefer»
ten — den bedeutenden Obstertrag ab-
gerechnet — bereits hinlängliches Mate-
riale für die nothwendigen Ockonomie-
Baulichkeiten, was bei der holzarmen
Gegend von unberechenbarem Nutzen war
und ist; durch eine landwirtschaftliche
Bibliothek, welche S. gründete, wurde
die entsprechende Fortbildung deS Be<
triebspersonales eingeleitet und vermit-
telt; Hoffmann's Futterbausystem in
Anwendung gebracht; das starke Be>
triebspersonale — außer den Taglöhnern
über 1t)0 Diener — bei der wechselnden,
durch die Umstände der Jahreszeit gebo»
tenen Beschäftigung immer in Thätigkeit
erhalten und so durch daS Ineinander«
greifen eineS vielhundertarmigen Schaf»
fens eine Musterhaftigkeit des Betriebes
durchgeführt, die Jedem, der in die Nähe
der Sichermann'schen Wirthschaft
gerieth, alsbald auffiel, und den Namen
deS Gebieters als eines Musterwirthes
weit über die Grenzen seineS Vaterlands
bekannt machte, denn im Jahre 4837
schicktedieNew YorkerStaats.Agricultur-
Gesellschaft an E man nelSichermann
das Diplom eines correspondirenden
Mitgliedes dieser Gesellschaft. Einerseits
durch die Zeitverhältnisse, andererseits
durch das Mißlingen einiger zu kühn an»
gelegten Speculationen gerieht auch S.'s
Betrieb in's Schwanken, woraus ihn
aber die Hilfe der Wiener Creditanftalt
alsbald befreite, so daß diese Musterwirth«
schaft fortblüht und neue Industrien — so Anlagen großer Tabak-Plantagen nach
holländischem Plane — auszuweisen hat.
Noch ist aber eines bemerkenswerthen
Umstandes zu gedenken: wahrend daS
Maschinenwesen mit und ohne Dampf'
kraft auf S.'s Besitzungen in großartigem
Maßstabe durchgeführt ist, die Säe»
Maschine ist streng ausgeschloffen und
das Samenkorn muß nach alter Juden«
sitte mit der Hand breitwürfig angebaut
werden. Auch an humanistischen Momen-
ten fehlte es in Kotaj nicht. Der Sterbe-
tag des Großvaters, deS eigentlichen
Begründers deS landwirthschaftlichen Be-
triebes. wird durch Almosenspenden festlich
begangen; auch werden die Zinsen eines
von demselben gegründeten auf defsen
Gütern priino loao intabulirten Aus-
stattungsfonoes für arme weibliche
Iudenwaisen bei dieser Gelegenheit fest'
lich verabfolgt.
Reich (Ignaz), Beth'El. Ehrentempel ver.
dientec ungarischer Israeliten (Pesth 1863,
Bu dinsky 4v) Heft 5, S. 6l.
Sichra. auch: Sychra, Mathias (öechi.
scher Schriftsteller, geb. zu Wilden-
schwerdt in Böhmen, 21. December
1776. gest. 19. März 1830). Er wid.
mete sich dem geistlichen Stande, trat
nach beendeten theologischen Studien in
die Seelsorge, wurde dann Pfarrer zu
Iimramow und kam von dort in gleicher
Eigenschaft nach 2äar in Mähren. Er
war ein ziemlich fruchtbarer Schriftsteller
und auf den Gebieten der Volks, und
Iugendschriften und seines geistlichen
Berufes thätig. 5 ie Titel seiner Schriften
find: ^/^asam/na nss«?^ ns^s/s", d. i.
Predigten auf alle Sonntage. 2 Theile
(Brünn 1814, 8".): —
. ?. H.«) d. i. Der Erzähler oder
Sammlung verschiedener Denkwürdig.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon