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) Heinrich 244 ) Heinrich
verstanden, gelang es ihnen vereint, den
Baron Ealomon Nothschild dafür
zu interessiren und fo wurde das damals
für ganz abenteuerlich gehaltene Unter
nehmen in's Werk gesetzt. Nun befand
sich S. im eigentlichen Fahrwasser. Tag
und Nacht widmete er den darauf bezüg
Uchen sorgfältigsten Studien; um sich mi
dem Detail des Betriebes vollends ver
traut zu machen, unternahm er wieder.
Holle Reisen nach England und mackti
an Ort und Stelle seine Beobachtungen
Dann wurde zur Sicherstellung der
Schienen und des Brennstoffes das Wit<
kowitzer Eisenwerk und der Steinkohlen«
bau in's Leben gerufen, nach Beseitigung
mancher Hindernisse die Baudewilligung
der Regierung erworben. Es war daS
keine geringe Aufgabe, denn wie einer
seiner Biographen berichtet, stieß S.'s
Gedanke, in Oesterreich eine Eisenbahn
zu gründen, auf gewaltige Hinderniss
bei den obersten Leitern der Regierung
und es ließen s^ch aus gewissen Sphären
die possierlichsten Thatsachen mittheilen,
welche bei den einschlägigen Bestrebungen
S.'s zum Vorschein kamen. Bei allen
diesen vorbereitenden Schritten war S.
wenn nicht die Seele, doch einer der
wichtigsten Motoren derselben. Auch
gehörte er seit Gründung der Nordbahn
derselben, zuletzt in der Stellung als
General'Secretär, an und seine Energie,
sein Einblick in den vielverzweigten' Ge-
schaftSgang und sein eigenes Fortschreiten
mit dem Fortschritte der Zeit auf dem
großen Gebiete der Erfindungen trugen
wesentlich zur Solidität bei. welche diese
Erste Bahn der Monarchie bis auf den
heutigen Tag zu bewahren gewußt. „Die
Nordbahn", schreibt einer seiner Biogra«
phen, „war ihm das Alpha und Omega
seines Lebens". Dabei hatte sein ge-
schäftlicher Eifer niemals die humanen Regungen feiner Seele übertäubt: er
war gütig gegen seine Untergebenen, ja
er konnte weichherzig sein. wenn er irgend»
wie Noth und Jammer in der Beamten»
Republik entdeckte, deren Präsidenten er
darstellte. Wie beliebt er bei seinen
Beamten war, dafür spricht die That«
sacde. daß ihm dieselben im Jahre 4845
anläßlich seines 30. Geburtstages als
Zeichen ihrer Verehrung eine prächtig
gearbeitete silberne Locomotive, mit einem
goldenen Kranze und einer Widmungs-
schrift geschmückt, überreichten. Parallel
mit diesem gemeinnützigen Wirken S.'s
für die Allgemeinheit ging seine Thätig»
keit in seinen verschiedenen Eigenschaften
bei der israelitischen Gemeinde Wien's.
Seit 1819 war S. Vorsteher der Oksbra-
X5.äiLok2.. im Jahre 4823 betheiligte er
sich lebhaft bei den Berathungen über
den Tempel und über die neuen Ein-
richtungen in demselben; im Jahre 1830
wurde er Bethausvorsteher, nach dem
Tode Biedermann's. 1843, Vertreter,
welches Amt er bis 1860. trotz ander-
weitiger Geschäfte, die seine Thätigkeit
außerordentlich in Anspruch nahmen, be-
kleidete. Sein Wirken auf diesem Ge>
biete in's Einzelne zu schildern, verbieten
Raum und Zweck dieses Werkes, aber
allgemeine Andeutungen seien gestattet:
er erwies sich besonders thätig bei der
Ausarbeitung der neuen Statuten für
die „Fromme Bruderschaft"; bei der Or-
ganisirung des LeichenhofamteS; bei jener
des CaffawesenS der Gemeinde und dann
bei dem Bau dcS neuen Tempels, denn
n sein Ressort als Vertreter fiel eben das
Bauwesen. Nach Kräftigung, Hebung,
Verbesserung allseitig wirkte er in diesem,
und ein schönes Wort enthalt sein Nach-
uf, der von ihm sagt: „Die Armen, die
Witwen und Waisen erblickten in ihm
inen Anwalt seltener Art". Dabei beklei»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon