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Sickel 2l6 Sickel
nardirector in Erfurt und als vädagogi«
scher Schriftsteller bekannt. Der Sohn be-
suchte daS Gymnasium seiner Vaterstadt,
dann die Klosterschule Unserer lieben
Frau in Magdeburg. In den Jahren
1845 und 1846 studirte er Theologie in
Halle und Berlin, seit 1847 unter Lach-
mann's Leitung Philologie in Berlin.
wandte sich aber endlich im letzten Uni-
dersttätSjahre dem Studium der Geschichte
zu. Nachdem er in Halle die Doctor-
wücde erlangt, begab er sich im Jahre
1850 nach Paris, um dort Vorlesungen
der Nools 6e5 Okarteä zu besuchen und
zugleich archivalische Forschungen zu
machen. Als Reisebegleiter eineS zungen
Polen. 1832—1834. fand er Gelegen-
heit, in Bibliotheken und Archiven Deutsch-
lands, Frankreichs, der Schweiz und
OberitalienS Material zu französisch-
burgundischer Geschichte zu sammeln.
Mittheilung von seinen Freunden lenkte
die Aufmerksamkeit des Oomir4 <1<3L
MsLious scientitiHueL und des dama-
llgen französischen Unterrichtsministers
Fortoul auf ihn. S. übernahm nun
im Jahre 1834 in deren Auftrag eine
planmäßige Durchforschung der Archive
von Mailand und Venedig, um die Be>
ziehungen Frankreichs zu den italienischen
Staaten im 13.Jahrhundert aufzuklären.
Zu gleichem Zwecke ward er 1833 nack
Wien gesand:. Als nach dem Tode
Fortoul 's die wissenschaftlichen Missio-
nen der französischen Regierung einge-
schränkt und auch S. seiner Auftrage ent»
hoben wurde, entschloß er sich. in Wien
zu bleiben. Hier war im Jahre 1833
an der k. k. Universität daS Institut für
österreichische Geschichtsforschung errichtet,
an dem zunächst nur A. Jäger wirkte.
Persönlich mit einigen Mitgliedern dieses
Instituts bekannt geworden, hatte S.
auf deren und auf Jäger's Wunsch ihnen in gan; privater Weise Unterricht
in der Paläographie ertheilt, dieß ver«
anlaßte das Unterrichtsministerium, S.,
nachdem seine Beziehungen zur fcanzöfi«
schen Regierung erloschen waren, eine
Docentur für historische Hilfswissenschaf»
ten an jenem Institute anzubieten. 1837
wurde er dann als außerordentlicher
Professor derselben Fächer an der k. k.
Universität angestellt. Hier wurde er,
1867, nachdem er einen Ruf nach Tübin.
gen anDuncker's Stelle abgelehnt hatte,
zum ordentlichen Professor der Geschichte
und ihrer Hilfswissenschaften ernannt.
Wenn auck S. von seinem Rechte, Vor»
lesungen aus der Geschichte zu halten,
zeitweise Gebrauch machte, so wandte er
doch seine Lehcthatigkeit jcnem'Institute
zu, dessen Leitung er nach dem Rücktritte'
Jäger'S übernommen hatte. Die wirk«
same Förderung, die ihm von Seite des
Unterrichtsministeriums zu Theil wurde,
bestimmte ihn auch, einen 1872 an ihn
ergangenen Ruf an die Berliner Univer»
sität abzulehnen. Jetzt konnte endlich
der dem Instirute gleich bei Erricktung
vorgeschriebene Lehrplan in seiner ganzen
Ausdehnung zur Ausführung kommen,
indem sich mehrere ehemalige Zöglinge
des Instituts, die Professoren oder Do>
centen an der philosophischen Facultät
geworden waren, an dem Unterrichte be-
theillgten. Sickel beschränkt sich seitdem
als Forscher und Lehrer fast ganz auf das
Studium der Urkunden. Seinen Lei-
stungen auf diesem Gebiete verdankte er,
daß er gelegentlich der Neugestaltung der
Direction der Nonumonta 6erlng,ni3.0)
über deren Fortsetzung sich die Regierun-
gen des deutschen Reiches und Oester-
reichs 1874 verständigt hatten, in die
Central-Direction berufen und von dieser
mit der Herausgabe der „Dip io^ta"
betraut wurde. A:i den Arbeiten für
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon