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Zickel 218 Sickel
Schooß ihrer Mitglieder aufnahmen,
mehrfach gewürdigt; so wurde S. um
1864 correspondirendeS Mitglied der
kaiserlichen Akademie philosophisch-hifto«
rischer Elaffe. 1870 ordentliches Mitglied
derselben. 4869 Mitglied der Enquete-
Commission für Reorganisation der Ar-
chive in Oesterreich. 1872 Mitglied der
Gymnasial«Prüfungs«Commission, 1873
der Central-Commission zur Erhaltung
der Alterthümer, der historischen Com-
mission in München. Sonst noch hatten
ihm 1866 die Münchener Akademie der
Wissenschaften, 1868 die Göttinger ge.
lehrte Gesellschaft. 1876 die Berliner
Akademie der Wissenschaften und 1876
die D6xnt2.2ion6 per Ia storia Veneta
u. m. A. ihre Mitgliedschaftsdiplome
schickt. Auch wirkte S. mehrere Jahre
hindurch alS Presbyter und Mitglied des
Lchulvorstandes der evangelischen Ge
meinde in Wien. S. ist mit der Tochter
des berühmten Architekten Gottfried
Sem per (s. d. S. 93) verheirathet.
Freiherr von Dumr eicher in dem in
den Quellen bezeichneten Werke widmet
der wissenschaftlichen und Lehrthätigkeit
S.'S eine eingehende Darstellung, insbe
sondere bezeichnet er S. in den Gebieten
der Chronologie, Diplomatik und Paläo«
graphie als einen sicheren, verläßlichen,
seine Schüler wohl oisciplinirenden
Lehrer, wie sich wohl ein zweiter in
Deutschland kaum hätte finden lassen.
Sein Einfluß als trefflicher Zuchtmeijter,
welcher vor aphoristischer, sogenannter
Geschichtsphilosophie und unkritischer
Quellenbehandlung schirmt und in falsche
Richtungen Gerathene zurückzuführen
vermag, kann gar nicht hoch genug ange-
schlagen werden, und es tritt denn auch
die ausgezeichnete Technik der Forschung,
welche auS seiner Methode zu gewinnen
ist, bereits in den Arbeiten unserer Hist» er — von denen einzelne freilich über
den Lehrer hinaus und weiter gehen, als
vielleicht recht und gut — deutlich genug
hervor. Darum hat auch S.'s Schule
für die Wissenschaft und speciell für die
Wiener Universität so große Bedeutung,
weil sie eine große Anzahl von Historikern
zu eindringendem methodischen Verstand«
niß mittelalterlicher Geschichtsquellen und
zur correcten Behandlung der Ueber«
lieferung anleitet. Seine Abneigung
gegen alles nicht ganz Begründete und
sein Haftm am Detail, wie sein Dringen
auf wohldocumentirte Darstellung sind
von unschätzbarem Werthe für die Zög«
linge des Instituts für österreichische Ge.
schichtsforschung. S. selbst vereinigt in
sich die Vorzüge zweier Schulen, da er
einerseits aus solider deutscher Fach.
bildung emporgewachsen, anderseits sich
den merkwürdigen Kennerblick für die
Echtheit oder Unechtheit von Diplomen
in einer Praxis erworben hat, für welche
ihm die reichen und gut geordneten
französischen Archive unerschöpfliches
Materials lieferten. Durch sein Werk
^lonnrQSnta. ^rg-p^io«. 3>Ie<1ii a.6vi", daS
S. mit Unterstützung deS österreichischen
Unterrichtsministeriums herausgegeben,
hat er die Leistungen der Franzosen und
Italiener und selbst die Kopp'schen
Tafeln weit überholt, und indem er die
Photographie feinen Zwecken dienstbar
gemacht, sind die mühsamsten und noch
so genauen Facsimilirungen in den Schat«
ten gestellt. Als besonders für die Wis-
senschaft wichtig ist seine Urkundenlehre
der Karolinger hervorzuheben, in welcher
er gründliche und umfassende Forschun«
gen über die Echtheit der karolingischen
Diplome, über die Einrichtungen der
Concilien u. A. niedergelegt, und mit
welchem Wcrke ihn die oben benannte
Quelle den beiden Meistern historischer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon