Seite - 221 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Seidl-Sina, Band 34
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beweisen, war selbst reich genug, um
solcher Hilfe nicht zu bedürfen — sondern
nur um praktische Winke zu benutzen und
in seinen Entwürfen AlleS zu vermeiden,
was sich nicht bewährt hatte, was mit
der Zeit mehr oder weniger störend oder
ungeeignet befunden wurde. Im hohen
Grade uneigennützig hatte sich dabei der
Redacteur S a ldin i benommen, der den
Rest der Auflage- welcher nach Bethei
lung der Abonnenten seines Blattes
übrig geblieben, unentgeltlich der Familie
Sidol i 's überließ, da dieser selbst den
Triumph, den.seine Arbeit zuletzt feiern
sollte, leider nicht mehr erlebte. Im
Jahre 1847 nahm die Mailänder k. k.
Akademie der Künste S. unter ihre Mit-
glieder auf. im Jahre 1852 ernannte sie
ihn zum Adjuncten der Perspectivzeich«
nung. in welcber Stellung er bis cm sein
im schönsten Mannesalter von erst 43 Iah»
ren erfolgtes Lebensende verblieb. Nach
Anführung obigen Hauptwerkes S.'s, ist
wohl noch seiner sonstigen Thätigkeit —
und um so mehr — zu gedenken, als
gerade auch in seinem vielgeprüften Kunst«
lerleben die in demselben nicht seltene
Phrase non, miki ssä vobis leider nur
zu sehr zur Geltung kam. S. zeichnete
und entwarf noch eine große Anzahl von
Gebäuden und Monumenten aller Art,
welche sämmtlich groß und originell ge«
dacht sind und den Ruhm ihreS AutorS
weit über die Grenzen des Landes, dem
er angehörte, getragen haben würden,
wenn fich auch immer die reichen Mittel
zu ihrer Ausführung gefunden hatten,
oder wenn fie nicht von S. für Andere
wären entworfen worden, die als deren
Urheber galten. Nebenbei aber war er
— um den Hausstand dürftig zu erhalten
— m zahllosen kleineren, ja unbedeu-
tenden Arbeiten thätig, die aber alle und
immer den Stempel seines Genius an fich trugen. Namentlich wurde er, wie
der Maler Salvator Mazza an seinem
Grabe sprach, im Decorationsfache viel
beschäftigt, und vornehmlich strebte er
dahin, mit Vermeidung der Verirrungea
des 17. Jahrhunderts in dieser Richtung,
einen geläuterten Styl zur Geltung zu
bringen, worin er es geschickt verstand,
seine eigenen fruchtbaren Ideen mit den
besten Mustern eines guten Geschmackes
der Vergangenheit zu verbinden. Eine
bleibende Erinnerung gebührt ihm auch
in der Wiederbelebung der Holzschnitzerei
in Italien. Dieselbe war in künstlerischer
Beziehung ganz gesunken und erhob
sich kaum mehr zur handwerksmäßigen
Schablone. Da nahmS. dieSache in die
Hand, entwarf die Zeichnungen, über«,
wachte die Arbeit, trug Sorge für ihre
tüchtige Ausführung, bildete geschickte
Arbeiter heran, und wieder kam das
reichste Hausgerath mit den saubersten
Holzschnitzereien in Aufschwung, ein Um»
schwung, fast ausschließlich das Ergebniß
der Bemühungen S.'s. ,Wenn man",
schreibt Ravani in seinem kurzen Nach»
rufe S.'S. „sammeln wollte alle von
Sido l i für die Schnitzer, Stuccatorer,
Omamentisten und Prospectzeichner, fer«
ner für die Historienmaler entworfenen
Zeichnungen, seine Thätigkeit würde als
über die Kraft eineS einzelnen Menschen
hinausreichend erscheinen. Wollte man
die großartigen Entwürfe veröffentlichen,
welche seine Hand schufund womitAndere
Ehre und Geld gewannen, man würde
erstaunen über die erfinderische Frucht»
barkeit seiner Fantasie. So sind eS nur
wenige Arbeiten, die von ihm entworfen
und zugleich von ihm ausgeführt worden,
und diese selbst sind weniger in Mailand
als auswärts zu suchen, so z. B. die
Villa der Gebrüder Devecchi in Tar«
tavalle. das Gemeindehaus zu Brom in
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon