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Sieber, Franz Wilhelm 228 Sieber, Franz Wilhelm
veröffentlichte er während seiner sechs»
monatlichen Reise naturhistorische Briefes
welche in Andrö's „HesperuS". 1312,
Nr. 30—32, abgedruckt sind. Außerdem
zeichnete er in Rom 53 kleine und
14 große Prospecte. I n Neapel, wo er
vornehmlich seltene Gräser aufsuchte,
hatte er sein Herbar bereits au!
20.000 Exemplare gut getrockneter
Pflanzen gebracht, überdieß eine an>ehn»
liche Menge Insecten. Eonchylien und
Mineralien gesammelt. Auch halte er
dreimal den Vesuv bestiegen. Anfang
Juli war er von diesem Ausflüge wieder
in Prag angekommen. Außer dem per»
sönlichen Verkehr mit verschiedenen Fach
gelehrten, die ihn in seinen Arbeiten
ermunterten und förderten, war das Er>
gebniß dieses Ausfluges die Fortsetzung
der Herausgabe getrockneter Pflanzen,
und zwar folgten dem schon erwähnten
l. Fascikel das 2. und 3:
alxin2.s" zu 60 auf den Gebirgen KrainS,
Kärnthens und Tirols gesammelten
Arten; Fascikel 4: „^lant
et neopolitarn", 80 Species, und in den
folgenden Jahren Fascikel 3: ^klantas
N6a.9olit2.11a6 6t 2>i>ulÄ6", 80 Species;
Fascikels und 7: ^riantg.6 2.1x11126",
80 Species, wovon die Indices im
„Verzeichniß seiner Alterthümer und
Naturalien" (Wien 1820). x ^ . 78 u. f.
abgedruckt sind. Um diese Zeit erließ
Caspar. Graf S t e r n b e r g einen Aufruf
zu einer selbstständigen Flora Böhmens.
Sieb er griff diesen Gedanken mit dem
ihm eigenen Feuereifer auf. veröffentlichte,
zunächst im „HesperuS" 18t3, Nr. 30:
„Vorschlage zu einer Flora Böhmens",
welche sehr praktische Winke für die
Naturforscher und Landbewohner ent»
hält, und begann die Herausgabe wild.
wachsender Pflanzen seines Vaterlandes
unter dem Namen: „F7o?- nach drei Abtheilungen: a) ökonomische,
d) Forst, und 0) Medicinalgewächse in
Centurien. Dann legte er eine Samm-
lung europäischer GraSarten, „Ooiieotio
AraminuN 6u.l0M6()ruiii") in 8 Dekaden
an, wovon die erste Lieferung 80 Species
der seltensten süddeutschen, auf Ebenen
und Alpen vorkommenden Graser ent«
halt, aber nicht fortgesetzt wurde; und
noch gab er zwei Abtheilungen nord.
und süddeutscher Forstpflanzen, zusammen
260 Species, heraus. Diese Herbarien
Sieber'S, die seinerzeit sehr geschätzt,
und manche namentlich Geschenk-Erem»
plare mit besonderen handschriftlichen
Bemerken begleitet waren, kosteten ver«
hältnißmaßig wenig, so die 7 Fascikel
Alpinen 42 st., die Gräser 6 fl<, die Forst-
gewachse hingegen 80 fi. WW. Mit der-
gleichen Arbeiten, wozu noch 1813 seine
Classistcirung der Weinsorten Melnik'S
gehört — sie ist erst 7 Jahre später in
Andrö's „Oekonomischen Neuigkeiten"
Aahlg. 1820, Bd. XIX, S. 34) abge-
druckt — vergingen die Jahre, und S.
wurde immer mehr und mehr inne, daß
ihm zum gründlichen Naturforscher die
positiven Studien fehlten. So hörte er
denn in den Jahren 1814 und 1313 zu
Prag den ordentlichen LehrcurS der
Philosophie, trieb steißig neue Sprachen,
besonders italienisch und neugriechisch,
studirte auch unter I lg'S Leitung Ana«
tomie. und begann nun systematisch das
Studium der Medicin, in welchem er
aber damals die praktische Seite ver>
mißte, daher er nach eigenem Plane seine
Studien durchführte, in deren KreiS er
neben Medicin noch Oekonomie. Geo>
logie, technische Chemie, Feldmeßkunst,
Nautik und Pharmacie einbezogen hatte.
Einen akademischen Grad hatte S. nie
erworben, er selbst nannte sich scherzweise
nur einen „Barblerer". Da ergriff ihn
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon