Seite - 229 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Seidl-Sina, Band 34
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Franz Wilhelm 229 Sieber, Franz Wilhelm
im Jahre 1816 wieder die Wanderlust
er war damals 27 Jahre alt. Zum
Reisegefährten wählte er einen Gattner^
Franz Kohaut auS Neuhaus, und am
22. December 1816 trat er nun sein«
zweite Reise an. Sein nächstes Reisezie!
war Ccmdia oder Kreta. Am 9. Jänner
1817 landete er daselbst. Er unternahm
nun eine allseitige Durchforschung des
Landes, er maß, nahm geometrisch auf.
zeichnete Prospecte, Trachten, Pflanzen,
und berichtigte in wesentlichen Puncten
die Karte von Kreta. Zugleich arbeitete
rc an seinem Reisewerke (die Titel seiner
schriftstellerischen Arbeiten folgen auf
S. 233). Von Kreta schiffte sich S. nach
Egypten ein, wo er am 3. December
181? landete, und dann weiter in's
Innere vordrang, Tentyra. Theben,
Palästina besuchte, und einen von seinem
Biographen „als wahrhaft einzigen"
bezeichneten Original'Grundriß von
Jerusalem (40" — 1') entwarf. Ueber
zwei Jahre war S< auf Reisen gewesen,
auf denen er mit großer Mühsal und
nicht geringen Geldverlegenheiten zu
kämpfen gehabt. Er war mit nicht
geringen Sammlungen heimgekehrt. Am
12. April 1819 war er in Prag ein-
getroffen, wo er nun sein egyptischeS
Cabinct eröffnete, worüber ein besonderes
Verzeichniß im Drucke erschien. Die
Sammlung, wenn man die gleichzeitigen
Berickte darüber, z. B. im „Conver.
sationsblatte 1819, Nr. 30 u. f.. lieSt.
war wirklich großartig, und wohl die
erste dieser Art. welche nach Oesterreich,
vielleicht nach Europa gebracht worden.
Sie enthielt n. a. drei große Mumien
aus der NekropoliS in wohlerhaltenen
Sykomorus»Sargen, mit bemalten
Reliefs und Porträts an der Außen- und
Innenseite der Deckel; 23 kleinere Sar>
kophage und Mumienbruchstücke nebst 196 anderen, in den Katakomben von
Theben aufgefundenen Alterthümern,
mehrere hundert griechischer Cameen und
Münzen, eine Masse ethnographischer
Gegenstände, bestehend in technischen
Arbeiten für den Hausbedarf u. s. w.,
mancherlei religiöse Merkwürdigkeiten
aus Palästina, denn aber zahlreiche
Vogelbalge. Amphibien, Insecten. Mine-
ralien und lebende Pflanzen. DaS
Herbar der kretischen Flora allein bestand
aus 430, das der egyptiscben aus 230,
das von Palästina aus 43 verschiedenen
Arten. Die Samen-Collection betrug
136 Species. Man hatte den Werth der
ganzen Sammlung auf 13.000 fl. an-
geschlagen. Sieb er bot, als er die
Sammlung Anfang 4820 nach Wien
gebracht, dieselbe der österreichischen
Regierung zum Kaufe an. Diese lehnte
jedoch ab, wofür S. sich durch Schimpfe»
reien rächte. Nun befand er sich in
Folge der für die Reisc und die Anschaf-
fung der Objecte gemachten Auslagen
tief in Schulden, und in nicht geringen
Geldverlegenheiten, aus welchen ihn
der bestimmt erwartete Verkauf seiner
Sammlung reißen sollte. Von Wien
ging S. nach Tyrol. wo er alpine
Pflanzen sammelte, und darauf nach
München, wo er mit der k. k. Akademie
der Wissenschaften den Verkauf seiner
Sammlung um den Preis von 6000 ft.
abschloß, der ihm wohl auS den drin»
gendften Verlegenheiten riß, aber feine
Passiven lange noch nicht deckte. Um
ieses zu ermöglichen, verfiel er auf fol«
gende zwei Ideen: erst wollte er eine,
alle Welttheile umfassende, naturhisto»
ische Reiseanstalt gründen, dann gab er
lor, ein Radicalmittel gegen die Wasser»,
'cheu zu besitzen. Für die Neiseanstalt
zewann er wohl etliche junge Manner,
on denen einige später in der Wissen-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon