Seite - 230 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Seidl-Sina, Band 34
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Siebes Franz Wilhelm 230 Kieker, Franz Wilhelm
schaft sich einen Namen gemacht, wie
z. B. Franz Wrba, Andreas Döl-
l inger. Theodor Hi l jenberg. aber
Sieber'S Gemüthsart veranlaßte, daß
nach und nach Alle von ihm abfielen, ab.
gesehen davon, daß zuletzt zur AuSfüh.
rung deS übrigens höchst praktischen
Gedankens, dessen Hintergrund im
wahren Sinne ein weltumfassender.
Naturalienhandel bildete, alle Mittel
fehlten. Noch mißlicher aber staud eS mit
feinem Mittel gegen die Hundswuth, ?ür
welches er von der Frankfurter Bundes«
Hersammlung eine Belohnung von nicdt
weniger denn 1W.0W fi. CM. verlangte.
Es kann nicht die Aufgabe dieses Werkes
sein, die versckiedenen Stadien zu schil«
dem. welche dieses Project Siebec's
durchmachte, gewiß aber ist es, daß er in
diese Idee sich selbst so hineingelebt, daß
er daran glaubte, und daß der unheil«
bai'e Wahnsinn, in den er später verfiel,
theilweise damit im Znsammenhange
steht. Wahrend beide Projecte sich
zuletzt in NichIS aullösten, entwickelte S.
in den Jahren 1821 und 1822 ein lite-
ranscr-es Treiben, das zuletzt Alle, die an
ihn noch glaubten, schwankend machen
mußte, und zugleich die Frage anregt,
wie konnte ein Mann, wie O ken, sein
Blatt „Isis" solchen Scandalen. wie
Sieb er darin sie veröffentlichte, offen
hallen? Indessen rüstete sich S. zu
einer neuen Reise, zu welcher er die
Geldmittel in verschiedener Weise, theils
halb durch Zwang, dann durch Anleihen,
aber auch durch Unterstützungen zu»
sammenbrachte. Indem er kurz vor
seiner Abreise noch ein Pröbchen seiner
Gemüthsverfafsung gab, indem er am
hellen Tage vor dem Präger Gouverne-
mentshauft fluchend und schimpfend fein
eigenes Reitpferd erschoß (!), verließ er
am 14. März 1822 Prag, um seine Weltreise anzutreten. Er ging über Jena,
wo er Oken besuchte, Nürnberg. Carls'
ruhe, nach Paris, wo er mit I)r. G al l
verkehrte. Nach vierzehntägigem Aufent»
halte daselbst, während welchem er große
literarische Thätigkeit entfaltete, und in
dcr „Isis" zahlreiche Aufsätze, die neben
Invectiven und Angriffen auf einzelne,
ihm mißliebige Persönlichkeiten doch
wieder manches Neue und Zutreffende
enthalten, begab er sich nach Marseille,
wo er sich am 22. August 1822 einschiffte,
und nun seine Wettfahrt unternahm, von
der er am 14. Juli 1824 in London ein»
traf. (5r war nach dem Cap der guten
Hoffnung, von dort nach Neuholland
gesegelt, ging dann nach der Botany»
Bay, von da nach Sidney. wo er am
1. Juni 4823 für längere Zeit sich
niederließ, sieben Monate hindurch Neu»
Holland nach allen Richtungen durch,
streifte, und ein großartiges Material
von Natur» und ethnographischen
Objecten aufhäufte. Während seiner
Fahrt gab er wiederholt Beweise
seiner unverträglichen Gemüthsart, die
ibm schwere Mißhandlungen zuzog. Auf
dein Schiffe „venx ^anstt63" erhielt er
wegen gröblichen Benehmens gegen die
Schiffsmannschaft auf Befehl des Capi-
tänS eine Tracht Schlage, und mußte auf
den Knien Abbitte thun. Auf dem Schiffe
„Midas" wurde ei-, als er neuerdings
Aergerniß gab, mit einer Tonne Wasser
degoffen; ein andermal, an dieRaastange
gebunden, ins Meer.getaucht; auf dem
Schiffe „Berwick" aber, nachdem er
wieder seine ParoxiSmen bekam, wurde
er auf das haarsträubendste mißhandelt.
Als er dann in London daS Land bestieg,
und gegen die Seeleute, die ihn geradezu
mörderisch behandelt, Klage erhob,
wurde er von der Admiralität plötzlich
ausgewiesen, so daß er sogar einen Theil
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon