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Zieberer, Jacob (Vater) 239 Sieberer. Jacob (Vater)
und fand nicht eher Zeit für die Trauer
um seinen gefallenen Bruder, bis er den
Gegner nach allen Seiten geworfen.
Auch später nach dem unglücklichen
Gefechte bei Salzburg bewahrte S. wie
bisher seinen Muth und seine Umsicht.
I n Würdigung alleS dessen wurde ihm
die große goldene Ehrenmedaille ver«
liehen. Die kaiserliche silberne und stän-
bische Tapferkeitsmedaille hatte er sich
bereits früher erkämpft. Nicht minder
zeichnete er sich im Jahre 1893 aus, in
welchem er am 6. November bei dem
Paffe Höchag ein starkes französisches
Corps nach einem fünfstündigen hart»
nackigen Gefechte zum Rückzüge zwang.
Große Thätigkeit sollte er im denk-
würdigen Jahre 1809 entfalten. Tr
wurdezumLandesschützen'Major ernannt,
führte in den Monaten April, Juni
und Juli neben S p eckbache rdas Com-
mando bei der Blokade von Kufstein.
Mit drei Kanonen, welche auf den
höchsten, die Stadt völlig beherrschenden
Punct des Stadtberges gebracht worden,
wurde die Festung am 23, 24. und
23. April mit glühenden Kugeln be»
schössen, und mit so glücklichem E^
folge, daß das in den Festungswerken
aufgehäufte Brennholz in Brand gerieth.
Die Fortsetzung dieser Beschießung hätte
zuletzt der Festung wirklich gefährlich
werden können, aber eine feindliche
Bombe fiel in den oben angelegten
Pulvervorrath der Belagerer und ging
in die Luft. So nahm die Beschießung
der Festung wegen PuluermangelS ein
Ende. — Am 13. Mai stand S. an den
Paffen Hörhag und Kiechelsteg einem
weit überlegenem Feinde von 4 Uhr
Morgens bis 12 Uhr Mittags im hart-
nackigsten Kampfe standhaft und unbe«
zwungen gegenüber, und erst, nacddem
der von Major Margre i ter schlecht vertheidigte Posten am Thierberg ver-
loren war, mußte er, der Nothwendigkeit
weichend, seine Position aufgeben. Sie-
berer, dessen Einsicht und ruhige Be.
sonnenhell ihn besonders zu Verhand»
lungen geeignet machten, stand viel dem
wackeren Andreas Hofer zur Seite, und
wurde auch sonst zu wichtigeren Missionen
verwendet. So wurde er gegen Ende
Mai g. I . in das Hauptquartier des
Erzherzogs Johann nach Körmend in
Ungarn abgeordnet. Als dann in Folge
deS Znaimer Waffenstillstandes die kais.
Armee in den letzten Tagen deS Juli daS
Land verließ, folgte auch Sieberer mit
mehreren Landes-Eommandanten der»
selben. Sieb er er war es auch, der am
14. September 1809 in Gemeinschaft
mit den beiden Landcsvertheidigungs«
Ofsicieren Ios. Eisenstecken >M. IV,
S. 17^ und Frisch mann von Kaiser
F ranz den ehrenvollen Auftrag erhielt,
3000 Stück Ducaten als Unterstützung
für daS Land und die große goldene
Ehrenmedaille sammt Kette an Andreas
hofer zu überbringen. Letzterer erhielt
dieselbe am 4. October an dem Namens«
feste deS KaiserS in der Hofkirche zu
Innsbruck in festlichster Weise. Nach dem
unglücklichen 1. November 1809, als
durch Fir ler 's unglückselige Anord«
nungen die Tiroler von den beiden
bayerischen Divisionen Kronprinz und
Werde total geschlagen und entmuthigr
worden, war es Sieberer. der allent«
halben darauf hinwirkte, die Ordnung
und Ruhe herzustellen, und die schwer
erregten Gemüther zu beschwichtigen.
Mit dem von Hormayr schwer uer-
dachtigten. in der Folge von allem Ver-
dachte gereinigten Priester Donay
Md. I I I , S. 336^j ging Sieberer aus
Hofer's Hauptquartier Steinach nach
Villach, wo sich eben der Vice»König
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon