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igl) Georg 243 ) Georg
nach Frankreich, der Schweiz, nach Nord»
Amerika (l) und nach Abyssinien (1);
nebenbei wurden von beiden Fabriken
an 2000 Handpressen, Glättpackpreffen
und Glättwalzwerke geliefert. Im Jahre
183t übersiedelte die Wiener Fabrik in
das von einer Actiengesellschaft als Ma«
scdinenfabrik erbaute und eingerichtete
Gebäude nahe der Währingerlinie und
da wurde der Bau von stabilen Dampf»
mascbinen begonnen, der bald einen groß»
artigen Aufschwung nahm. Die Erzeu-
gung der zahlreichen Maschinen von
geringer Kraftäußerung (2 bis 20 Pferde-
kraft) abgerechnet, sei hier als besonders
bedeutender Erzeugnisse gedacht, jener für
die Kaiser Ferdinands.Wafferleitung in
Wien, und für die Wasserleitung zu Na»
brefina, welch' letztere noch deßhalb beson-
ders bemerkenswerth erscheint, weil kaum
irgendwo eine solche Hubhöhe (600 Wie»
ner Fuß) und solch' ein Druck auf die
Ventile (20 Atmosphären) vorkommen
dürfte. Im Jahre 1837 begann S. den
Bau von Lokomotiven. Im genannten
Jahre wurde die erste „Gutenberg" voll.
endet. Zwei Jahre hindurch, es wollte
eben Niemand es mit dem Erstlingswerke
versuchen, harrte sie des Kaufers. Nun
aber war das EiS gebrochen. Eine neue,
nur zum Baue von Locomotiven be«
stimmte Fabrik wurde in Wiener» Neu-
stadt errichtet, und in drei Jahren vom
Baue der ersten Locomotive bis 1. Iän«
ner 1861 waren in Wiener» Neustadt
nahezu 100 Personen« und Lastenzugs.
Locomotive hergestellt worden. Nebenbei
lieferte die Wiener Fabrik innerhalb der
Jahre 1860 und 486! noch den Bau von
fünf SchiffSmaschmen zu je 230 Pferde»
kraft für die k. k. Kriegsmarine. Wir
lassen uns nicht ein in eine Darstellung
der mit diesen Fabriken zur Herstellung
so großartiger Leistungen nothwendigen, vorhandenen Werksvorrichtungen, so
z.B. der Gießerei, welche Gußstücke
von 3—400 Centner Schwere liefert,
der Schmiede mit den großartigen
Dampfhämmern, der verschiedenartigsten,
durch eine Dampfmaschine von 60 Pferde-
kraft in Thätigkeit gesetzten Arbeits-
Maschinen, der Model l .Tischlerei
mit Circular« und endloser Säge u. s. w.,
nur die merkwürdige Modellen »Samm»
lung sei noch erwähnt, welche nach
nur oberflächlicher Schätzung mindestens
20.000 Stück Gußformen aller Art ent-
halt. So gediehen denn unter der Leitung
des werkthätigen Meisters die Fabriken
zu immer größerer und wichtigerer Thä«
tigkeit und am 1. März 1870 fand zu
Wien ein großartiges Fest Statt. Die
Vollendung der tausendsten Locomotive
sollte festlich begangen werden. Diese
festlich geschmückte Maschine, welche den
Namen unserer Kaiserin in ungarischer
Sprache trägt: ^Lr^sobst", war im Hof-
räume der Wiener Fabrik aufgestellt.
Den Tag vorher wurde S ig l und feiner
Familie von seinen Arbeitern ein Fakel-
zug mit Serenade dargebracht; im Zeich«
nensaale fand die feierliche Enthüllung
der Büste S ig l'S Statt und ihm selbst
wurde von seinen Arbeitern ein silberner
Pokal überreicht. Auf einer im Hofraume
errichteten Rednertribüne hielten der
Gemeinderatd Schrank, der Landtags«
Abgeordnete Dr. H o ffer. der Ingenieur
Manhard t und der Arbeiter Man»
ganast Reden, welche die Bedeutung
des Festes und die vielfachen Verdienste
des Festgebers schilderten, und Bürger«
meister Felder überreichte S. das kunst-
voll ausgestattete Ehrenbürger-Diplom.
S ig l aber beantwortete diese wohluer-
diente Auszeichnung damit, daß er dem
Bürgermeister 10.000 Gulden übergab
zurErrichtung von Kindergarten, u. z.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon