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Sigl, Georg 246 , Georg
die Hälfte der Summe für den berei
bestehenden im Bezirke Neubau und d
andere Hälfte für den zu errichtende!
Kindergarten im Bezirke Alsergrund,
welchem eben S ig l 'S Fabrik steh
Ueberdieß spendete S. den Arbeiter
25.000 Gulden, welche der Grundsto
eines Pensionsfondes sein sollen. Noc
einmal sollte Sigl 's Name hell aufleuch
ten als glänzender Stern der österreich
schen Industrie. Es war im Jahre 487Z
anläßlich der in Wien veranstaltetenWelt»
ausstellung. Schon in der Pariser Welt»
ausstellung 1867. in welcher S.
Locomotive ausgestellt hatte, hatte e
die große goldene und die silberne Me>
daille erhalten. Innerhalb der nächsten
sechs Jahre hatte der Aufschwung de>
Geschäftes zugenommen. Im Jahre 4873
wurde die WienerFabrik mit fünf Dampf»
Maschinen von 180 Pferdekraft, die Wie»
ner«Neustädter mir fünf Dampfmaschinen
von 190 Pferdekraft betrieben. Die Ge-
sammtzahl der Arbeiter betrug überdieß
3700, u. z. in Wien 1700, in Wiener-
Neustadt 2000 Arbeiter. Die jährlich
Erzeugung in beiden Fabriken umfaßt,
etwa230Locomotive, in der WienerFabrik
circa 80 Buchdruckpreffen, 40 Dampf»
maschlnen, 60 Locomobile und Dampf»
dreschmaschinen, sowie eine größere An
zahl anderer landwirtschaftlicher Ma
schinen. In der Wiener Weltausstellung
1873 war S ig l in der XII I . Gruppe
(Motoren, Kraftübertraglmgsmaschinen,
Maschinenbestandtheile) glänzend ver«
treten, und sah man in semem Ausfiel-
lungsraume: Eine Betriebsmaschine von
80 Pferdekraft, horizontale Dampfma»
schinen von 16, 30 und 100 Pferdekraft,
ein lpatentirtes) Root'fches Gebläse,
einen (gleichfalls patentirten) Mitrailleur.
eine lithographische Schnellpresse, zwei
Locomotive. ein completes Transmis. sions- und Krahngerüst, drei Dampf,
keffel (Gegenstromprincip) a 700 Qua<
dratfuß Heizstäche, zwei Dampfpumpen,
eine vollständige Stereotypie, bestehend
aus: Ofen zum Schmelzen der Schrift«
maffe, mit Platte zum Trocknen der
Matrizen, Matrizenpresse, drei Clichä«
Gießflafchen, drei Clichs-Adjustirmaschi-
neu, Clichö'Ausdrehmaschine und Band«
säge. eine große Druckmaschine für söge«
nanntes endloses Papier, womit per
Stunde 8000 biS 10.000 Zeitungsexem«
plare vom Formate der „Neuen freien
Presse" gefeuchtet, geschnitten, gedruckt
und gefalzt wurden. Die Betriebs»
druckerei und Stereotypie'Einrichtung im
Pavillon der „Neuen freim Presse" auf
der Wiener Weltausstellung, welche das
Staunen und die Bewunderung aller
Besucher erregt hatte, war Sigl'scheS
Werk. DaS war eine glänzende Ver-
tretung, die nicht ahnen ließ. welche
Folgen der im genannten Jahre einge-
tretene sprichwörtlich gewordene „Wiener
Krach" auch für Sig l's Fabriken haben
sollte. Die Eisen» und Maschinen-Indu-
strie lag mit einem Male darnieder und
auch an S., der die längste Zeit gegen
ie Unbilden einer täglich verzweifelter
"ich gestaltenden Sachlage mit einem
Heroismus ohne Gleichen Stand gehal«
ten und seine nach Tausenden zählenden,
'ast unbeschäftigten Arbeiter noch immer
licht entlassen hatte, trat die Nothwendig-
cit, die Arbeiten einzustellen, heran. Der
Gemeinderath vonWiener-Neustadt hatte
unter solchen Umständen in seiner Sitzung
om 20. April 1873 einstimmig beschlos-
:n, sich mit einer Petition an die Regie,
ung zu wenden, um der Arbeitseinstel«
,ng, wodurch gleich mehrere Tausende
Kaschinenarbeiter mit ihren Angehörigen
irbeits« und brodlos würden, mit allen
Kitteln zu begegnen. Wie schlimm dem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon