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237 Siemii^ski
k. k. Akademie der bildenden Künste zu
St. Anna in Wien (80 ) 1838. S. 8 und 9.
Nr. 132. l33. 137. 140, 14!. 153 und 137.
Lucian (polnischer
Schrif tstel ler, ged. zu Kamiönna
Gora im Zollkiewer Kreise Galiziens
im Jahre 4809). Sein Großvater war
General, sein Vater Fahnenjunker in der
polnischen Armee. Nach dem Rathe
eines Freundes der Familie, des berühm-
ten Dichters Julian Ursin Niemcewicz,
sollte auch Lucian Soldat werden; aber
seine schwächliche Leibesbeschaffenheit ver-
anlaßte die Eltern, den ursprünglichen
Plan aufzugeben, und da der Junge Lust
und Liebe zum Lernen zeigte, wurde er
auf die Schule nach Lubelsk geschickt.
Als er 48 Jahre alt war, hatte er die
Gymnasialclafsen beendet, nun, 4827,
kam er in die Ukraine nach Odeffa, wo er
den höheren Curs im O0IISA6 Ricksiien
durchmachte, zugleich aber das Studium
der orientalischen Sprachen betrieb. Zur
Zeit des November Aufstandes ergriffauch
ihn der nationale Aufschwung und nun
kämpfte er in den Reihen der lithauischen
Legionen und gerieth in Gefangenschaft.
Frei geworden. begab er sich nach Gali-
zien. wo er aber auch in Haft genommen
wurde und das Jahr 4834 in derselben
zubrachte. Darauf arbeitete er in Lern-
berg bei Redactionen polnischer Blätter,
wurde aber bald von der Behörde aus-
gewiesen und mußte das Land verlassen.
Nun ging er nach Frankreich, iu Straß-
bürg besuchte er die Universität, hörte
dort Geschichte und Literaturwissenschaft
und trat in freundschaftliche Beziehungen
zu verschiedenen gelehrten Männern wie:
Bergmann und Cuvier ; dort knüpste
er auch enge Freundschaftsbande mit
Adam Mickiewicz. Im Jahre 4843
begab er sich nach Großpolen, wo er sich
einige Zeit in Miloslaw im Posen'schen
v. Würzbach. biogr. Lexikon. XXXIV. ^E bei seinem Freunde, dem Grafen Severin
Mie lzynsk i , aufhielt. Dort schrieb
er auch in vier Wochen sein später so be«
rühmt gewordenes Buch. die „Mende
nnter den Nndrn". Von Posen aus be»
suchte er ^iuch öfter Berlin. Im Jahre
4846 reiste er nach Brüssel, wo er zwei
Jahre zubrachte und als dann im Jahre
4848 in Galizien die allgemeine Amnestie
proclamirt wurde, kehrte er sofort in seine
Heimat zurück und ließ sich nun in
Krakau nieder. Daselbst gab er sich nun
ganz schriftstellerischen Arbeiten hin und
begründete das große politische Journal
„O23.3", d. i. Die Zeit, welches sich bald
zu einem der bedeutendsten und emfluß-
reichsten polnischen Blatter entwickelte,
wirklich aber auch mit Geist und Ge»
wandtheit redigirt war. Zu gleicher Zeit
übertrug ihm der Senat der Krakauer
Iagellonischen Universität die Lehrkanzel
der polnischen Literatur; aber kaum ein
halbes Jahr hatten S.'s Vorträge ge-
dauert, als er auf obrigkeitlichen Befehl
diese Stelle, auf welcher er bald ein großes
Publikum um sich zu versammeln verftan»
den hatte, niederlegen mußte. S. lebt
seither in Krakau mit schriftstellerischen
Arbeiten beschäftigt, in welchen sich seine
tüchtigen Kenntnisse in den verschiedensten
wissenschaftlichen Disciplinen kundgeben.
Die Zahl seiner Schriften ist ziemlich
groß; ihre Titel sind in chronologischer
Folge: „/^T'n^exIl^oT'sA/ 7'6^c^)?'H?)l", d. i.
Die Königinhofer »Handschrift (Krakau
4836); — „^Vossmni'A ^uc?o«)", d. i.
Volksliederbuch, 2 Hefte (Posen 1842
und 1843); —
d. i. Switezianka, eine Phantasie (Posen
^sz/ Fnes^s ksz'^z/ea" , d. i. Musa merit
oder Erzählungen beim Mondenschein
(ebd. 1843); — „^>66«?oc?niA Tn^s?/-
a" , d. i. Wegweiser des Jägers
19. Juni 1877.) 17
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon