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Sierakowski, Wenzel 262 Sierakowski, Wenzel
Domherrenstelle an der Krakauer Käthe,
drale vertauschte. Ferdinand Kicki
Erzbischof von Lemberg und zugleich
Propst an der Krakauer Kathedrale, er«
nannte ihn zum Coadjutor seiner Prop
stei. zugleich mit der Anwartschaft au
dieselbe. I m Jahre 1776 wurde c,
Deputirter der Krone beim kön. Gerichts
Hofe. Als im Jahre 1797 Erzbischo
Kicki starb, übernahm er nun dessen
Krakauer Propstei in wirklichen Besitz
und behielt sie bis an sein Lebensende,
Wenzel S. war ein gelehrter und wür<
diger Priester, ein Freund der Armen
und die Musik erfreute sich seiner beson
deren Pflege. Zu Sandomir errichtet,
er im Jahre 1787 auS eigenen Mitteln
eine Apotheke, bestritt 'ans denselben
gleichfalls den Gehalt eines Apothekers
und Arztes, welche beide gehalten waren,
die Armen unentgeltlich mit Arzeneien zu
versehen und zu behandeln. Auch that
er Vieles zur Hebung des Gewerbsfleißes-,
so rief er in Krakau eine Leinwandma-
nufactur. dann eine Tuchfabrik m's ^eben.
welche er beide auS eigenen Mitteln er«
hicli. nur um den armen Leuten Arbeit
und Verdienst zu geben. Von einer
Reise nach Italien brachte er eine große
Vorliebe für Musik mit heim, nun stellte
er Nachforschungen nach armen Waisen,
kindern an. ließ sie auf seine Kosten im
Spiele verschiedener Instrumente und
'in Gesänge unterrichten und gab zu
ihrer höheren Ausbildung Concerte oder
ließ geistliche Oratorien aufführen. S.
unterhielt auf eigene Kosten in Krakau
eine Gesangschule, aus welcher später
namhafte Künstler hervorgingen. Aus
Prag wurden zu diesem Zwecke der Böhme
I . Golumbek als Gesanglehrer und
Professor Lang für den Unterricht auf
der Violine berufen. Dazu gesellte sich
noch der bekannte Mnsicus Franz X. Kratzer ^Bd. XI I I , S. 170, Nr. 1)
und die Leitung über das Ganze führte
Prälat Sierakowski persönlich. Es
wurden Preiscompositionen einstudirt,
Cantaten italienischer Meister, deren
Texte S. in's Polnische übersetzte, aufge«
führt. So gelangte diese Gesangsckule zu
immer bedeutenderem Rufe und außer
anderen tüchtigen Gesangskräften ging
namentlich die Sängertruppe deS Direc.
tors Boguslawski aus ihr hervor.
Wie oben bemerkt worden, war S. nach
verschiedenen Richtungen schriftstellerisch
thätig. Die Titel seiner durch den Druck
veröffentlichten Werke sind: „Hs^a
HlttHl//i?i ^a I/7o^H?'sS2/ ^'a/ons/" , d. i.
Die Kunst der Musik für die vaterlän-
dische Jugend. 3 Bde. (Krakau 1793
und 1796, Druckerei der hauptschule,
^s F>. ^. H>a?SS7-", 2 vol.
(ebd. 1803); —
o. I.); — „
. ^a)!/siatt)a") d. i. Cantate
zu Ehren des St. Stanislaus (o. I.).
Außer den vorgenannten hatte 2. noch
16 kleinere Schriften musikalischen In-
Haltes geschrieben, deren Titel nichi an»
gegeben sind; —
. . . " , d.i.
DeS seligen Thomas von KempiS Nach»
olge Christi, aus dem Lateinischen über»
setzt (Krakau l798. 12".); —
F. ci.", d. i. Kirchengeschichte oder Samm-
ung von Iebensgeschichten der Heiligen
auf daS ganze Jahr u. s. w.. 13 Bde.
ebd. 1789—1800, 8".); —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon