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denn zwölf Stück Geschütze erbeutet. Im
Jahre 1801 stand S. als BataillonSch
in der Schweiz und Italien, später focht
er auf der Insel Elba und ging dann nach
Paris, von wo er mit einer wichtigen Mis-
sion der französischen Regierung nach Po
len betraut wurde. Im Jahre 1803 war
er in Nürnberg bei der Organisation der
neuen Weichsel-Legion thätig. Im Feld
zug deS IahreS 1806 focht er unter Ge>
neral Dombrowsk i , wurde 1808
Oberst, zeichnete sich als solcher bei Ra<
dzimin und Pora aus, im Jahre 18l2 bei
der Belagerung von Bobraisk. bei Bon»
sow und an der Beresina-, wo er auf dem
Schlachtfelde General wurde. 1814 or>
ganisirte er zu TourS trotz aller Hinder»
niffe. die ihm der dortige Präfect in den
Weg legte, im Auftrage des Kaisers eine
neue polnische Legion. Aber der Ein»
marsch der Alliirten m Paris machte
Allem ein Ende und S. begab sich mit
den Trümmern der polnischen Armee uach
Warschau. Dort ernannte ihn Kail'er
Alexander zum Commandanten der
Garde zu Fuß. Seine patriotische Hal.
tung zog ihm aber bald das Mißfallen
des Großfürsten Constantin zu. Seiner
Bitte um Entlassung, um nach Amerika
zu gehen, wurde nicht willfahrt, sondern
S. als Commandant auf die Festung
Modlin geschickt, was ziemlich einer Ver-
bannung nach Sibirien gleich sah. Sein
Verhalten daselbst, veranlaßte seine Be-
rufung nach Warschau, wo er unter Po-
lizeiaufsicht stand und die mannigfachsten
Bedrückungen erdulden mußte. Am
denkwürdigen Tage des 29. November
1830, an welchem die in den Annalen
der Geschichte einzig dastehende erste pol«
nische Erhebung Statt fand, zuerst von den
Russen verhaftet, machte er sich nach dem
Tode des Generals S iem ontkow s ki
selbst frei und begab sich in die Reihen des nachmals so berühmt gewordenen
4. Linien-RegimentS. Nun schlug er vor,
den General Chlopicki an die Spitze
der Armee zu stellen, dann wurde er selbst
zum Commandanten von Warschau er«
nannt und traf als solcher seine Anord.
nungen. Mit Chlopicki gerieth er
bald in Zwiespalt und dieser schickte S.
nach Zamosc, damit er in dieser Festung
commandire. Im Zeitraum von sechs
Wochen setzte er diese Festung in Ver«
theidigungszustand und konnte noch
27 Kanonen nach Warschau schicken. Nun
übertrug ihm C h lopicki einCommando
in den Wojwodschaften Sandomir und
Krakan,, wo er mit den unzulänglichsten
Streitmittel Monate lang dem General
Kreuz entschiedenen Widerstand ent-
Zegenstellte. Dolt operirte er einige
Zeit in Gemeinschaft mit General Dwer«
nicki, später, als dieser nach Volhynien
marschirte, allein, und dann wieder ge-
meinschaftlich mit General Par. Am
17. April schlug sich S.. den man trotz
wiederholter Aufforderungen, ihm Kano«
nen und Munition zu senden. ohne die
erforderlichen Vertheidigungsmittel ge«
lassen, mit einem vierfach überlegenen
Feinde von früh Morgens bis Abends
Uhr. zog sich dann geordnet zurück,
vertheidigte am folgenden Tage dieStadc
Kazimierz und stieß auf seinem Rückzüge
am 19. auf den rechten Flügel der pol-
nischen Armee. Die Situation. in wel«
cher O. sich befand, war eine solche, daß
er nun, die gegen ihn erhobenen Vor»
würfe zu entkräften, sofort ein KriegSge«
richt verlangte. Generalquartiermeister
r odzii iSki gebot jedoch Namens deS
Generalissimus Stillschweigen über den
ganzen Vorgang. Da man ader den
erbitterten und argwöhnisch gewordenen
SierawSki nicht in unmittelbarer
Nähe des Centrums aller Geschäfte wissen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Band 34
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Seidl-Sina
- Band
- 34
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 402
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon