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Sluchersk^ Franz Zdenko 113 Skuhersk^ Franz Zdenko
dete. Nun hörte er gleichfalls in Prag
die Philosophie, bildete sich aber, und das
geschah über Geheiß des Vaters, in der
Musik, die er mit großer Vorliebe und mit
Erfolg betrieb. Der Director der Prager
OrgelschuleKarlFranz Pitsch ^Bd.XXII,
S. 37(H war sein Lehrer und unter sei«
ner Leitung erlangte S. jene Tüchtigkeit
in der Kunst, die er später offenbarte.
So steigerte sich nur orffen Vorliebe für
die Kunst und S. gerieth mit dem väter-
lichen Willen, sich dem ärztlichen Berufe
zu widmen, in nicht geringen Widerstreit.
I n solchem Kampf mit sich selbst, begann
er im Jahr 1848 die medicinischen Stu-
dien. Zwei Jahre hatte er dieselben mit
Widerwillen nur auf das Geheiß des
Vaters fortgesetzt; nun schickte ihn der»
selbe 1839 an die Wiener Hochschule, wo
eben damals der medicinische Unterricht
im höchsten Flor stand. Im October
1830 ging S. nach Wien. aber kaum
dort angelangt, gab er das ärztliche Stu»
dium gegen den Willen und ohne Wissen
des Vaters auf, und ganz der Musik sich
zuwendend, nahm er die Stelle eines
Musiklehrers in der Familie des Grafen
Hardeggzu Seefeld in Niederösterreich,
unweit der mahrischen Grenze, an. Als
der Vater Kenntniß von diesem Schritte
erhielt, kam eS im Anbeginn zu einer
Spannung zwischen Vater und Sohn,
endlich aber siegte der unüberwindliche
Entschluß des letzteren, und als der Vater
darin den Beruf des Sohnes erkannte,
kehrte dieser nach erfolgter Versöhnung
nach Prag zurück, wo er unter dem da»
maligen Director des Konservatoriums
I . Friedr. K i t t l ^Bd. XI, S. 340) seine
musikalische Ausbildung vollendete. Schon
damals hatte sich S. in mehreren kleine»
ren Eompositionen versucht, welche, wie
z. B. einige Lieder der Königinhofer
Handschrift in Concerten aufgeführt, bei» fällige Aufnahme fanden. Auch hat er
in jener Zeit die Comvosition eines grö-
ßeren Werkes, der Oper „Samo". Tert
von Stanek, begonnen, die aber des
unvollendeten Libretto's wegen auch Frag»
ment geblieben. Der vortheilhafte Ruf,
dessen
sich S. damals bereits in den mufi»
kalischen Kreisen erfreute, veranlaßte 1834
seine Berufung nach Innsbruck, um die
Direction deS dortigen Musikvereins zu
übernehmen. Zwölf Jahre, bis 1866,
wirkte S. in dieser Stellung, welche er
mit liebevollem Eifer versah, und wäh-
rend welcher er mehrere größere Werke
vollendete. Von diesen sei erwähnt seine
Oper „Ner NicbeZring", nach des Dr.
Schmidt preisgekröntem Llbretto, welche
im Februar 1861 im Innsbrucker Thea>
ter zur Aufführung kam und sehr gefiel
ch Anderen wäre I . N. skroup der
Compositeur der Oper „Liebesring");
dann zwei andere : „Mabimir" und
„Vora". Im Jahre 1866 erging an S.
der Ruf zur Uebernahme der Direction
der Orgelschule in Prag an Krej ci's
Stelle, welchem S. auch folgte. Bei sei.
nem Abgänge aus Innsbruck erhielt S.
von Seite des dortigen Musikvereins eine
goldene Medaille. S. trat in Prag seine
neue Stelle an, und wurde dann nock im
Jahre 1868 auch Chordirector an der
Kirche St. Castulus in Prag. Von an-
deren Werken S.'s sind zu erwähnen eine
komische Oper: „NerNekrnt", welche S.
im I . 1866 der Direction des deutschen
Theaters zur Aufführung übergab, und
zwei andere Opern nach vaterländischen
Stoffen: „Tlld di5 Rönig5 Wenzel" und
„IllllllZlam nun Zternberg", deren Aufführung
aber bisher nicht erfolgt ist. Von S.'s
bisher im Stich erschienenen Compositio-
nen sind mir bekannt: „HnaiT-s L^nssss
ckn 6o?>". Für das Pianoforte; — „Stn-
dien iiir die Orgel". 0p. 13 (Prag, Schind-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon