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gesammelte Schriften begannen in der von
Kober in Prag im Jahre 4868 heraus-
gegebenen, von Nebesky redigirten:
.,Lid1iote^2. n^roäni") d. i. National«
Bibliothek, welche eine Sammlung der
Werke der hervorragendsten oechoslavi»
schen Schriftsteller umfassen soll, zu er-
scheinen. Nach allem zu schließen, möchte
der Poet in der Mitte der Fünfziger
stehen.
^uinii> (uechisches Unterhcilmnqsblatt) 1563,
Nr. 1, S. t^: ^spiä5 d^Lnickö .^.uär^H
6!<<.äivovi<:^", d. i. „Dichtungen des Andreas
Lladkoviö.
Porträt. Dasselbe befindet sich in dessen
k^ Karl (Publ ic ist. geb.
zu Prag nach dem »äiovnik nauöii^
am 22. Februar, nach anderen Quellen
am 22. Juni 1823). Sechs Monate alt,
verlor er seinen Vater, der Schneider in
Prag war. Seine Mutter heirathete (zum
zweiton Male) den Schneidermeister Io>
Harm Trnka f^iehe Näheres in den
Quellen). Lladkovsk)> besuchte zu»
nächst die Pfarrschule bei den Maltesern
und dann die Hauptschule auf der Präger
Kleinseite, worauf er daä Gymnasium
daselbst bezog. Um die Studien fonzu°
setzen, begab sich der damals 22jayrige
S. nach Wien, wo er dag Rechtsstudium
beendete. 1846 trat er zu Wien er» Neu-
stadt in dic richterliche Praxis, während
derselben unterzog er sich den Rigorosen
zur Erlangung der Doctorwürde, mackte
die politische und RichteramtS-Prüfung
und bereitete sich zum Eintritt bei der
Finanz.Procuratur vor. Die Verheira»
thung seiner Schwester rief ihn von Wien
.nach Prag. und diese Rückkehr m die
Heimat sollte für ihn ebenso verhängniß»
als bedeutungsvoll werden. Schon sein
oberwahnter Stiefvater Tcnka, ein
Vollblutöeche, hatte im Kreise seiner Fa> milie durch Erzählungen aus der Ver.
gangenheit seines Volkes.die Theilnahme
des Stiefsohnes für die Geschicke seiner
Heimat frühzeitig zu wecken verstanden.
In Wien. wo S. viel mit seinen Lands-
leuten verkehrte, und in den Versamm-
lungen der öechischen Beseda nationale
Empfindungen gehegt und genährt wur-
den, wurde S. mit den Endzielen der
Nationen immer vertrauter und die Be-
wegung deS Jahres 1843, in welche Zeit
eben seine Reise zur Hochzeit seiner
Schwester nach Prag siel, genügte, um
den Geist der Freiheit in dem jungen,
wissenschaftlich unterrichteten Manne
vollends zu wecken und ihn in die erste
Linie der Männer zu stellen, welche da>
mals das große Wort führten, und nur
der Leidenschaft gehorchend, die herrliche
Bewegung in Bahnen lenkten, welche
die Völker Oesterreichs um alle Früchte
bringen sollten, die ihnen vom goldenen
Vaume der Freiheit winkten. Jenes
Gegnergefühl gegen alles, was nicht
slavisch, und das am mächtigsten durch»
brach, als in Frankfurt die Frage wegen
des Einflusses Böhmens in den dcutschen
Bund als selbstverständlich bchandelt
wurde, und das in der Jugend unbewußt
in S. genährt, spater im Verkehre nnt
seinen Landsleuten immer wieder belebt
wurde, erwachte nun vollends in ihm,
und als begabter Redner trat er bald in
den Versammlungen auf, welche zu Prag
im Mai im St. Wenzelsbade Statt hat-
ten. und aus jenen Tagen datirte der
Ruf Sladkovsk^ 's in der Fremde,
insbesondere aber unter der Prager Stu-
dentenschaft, als eines entschiedenen De»
mokraten. Am 12. Juni 1848 brach der
Aufruhr in Prag aus. wie überall, >fo
auch hier führten die Studenten das
große Wort, die Jugend regierte, da das
Alter eS nicht mehr verstand, zu regieren.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon