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Sladkovsk)' 126 Sladkovskj-
viele Renegaten und unlautere Elemente
verfügt, wie S ladkovsk^ daS selbst
offen aussvricht. Als die Polemik zwischen
den beiden Parteien einen mehr als feino«
seligen, einen geradezu unanständigenCha«
rakter annahm, erklärte Sladko v skF
zuletzt, daß er sein Gehalt als Mit-
glied des LandeS-Ausschuffes, bis er auS
demselben ausgetreten sein werde, dem
Baufonde des Nationaltheaters widme.
Darauf trat er nach einervon den böh«
mischen Abgeordneten abgegebenen De«
claration, welche auch S. unterschrieben
hatte, aus dem Landtage und aus dem
Landes-Ausschuffe.- Indessen dauerie der
Kampf zwischen den beiden Parteien, den
Altäechen und Iungäechen, immer fort
und wurde nur einmal unterbrochen, als
der Betrugsproceß S krejsovs k^'s
zur Verhandlung kam. bei welcher Gele»
genheit die Altöechen ihren Führer Franz
Palacky an die Häupter der Jung«
öechen abordneten, um in den Blättern
der letzteren glimpfliche Behandlung für
den des Betrugs und der Unterschlagung
ärarischer Gelder angeklagten Skrej»
sovSky zu erbetteln, da die Altöechen
damit umgingen, den einfachen Betrug
in eine nationale Heldenthat umzuwan«
deln, und so den Betrüger zu einem poli«
tischen Märtyrer zu machen. Besonders
entschieden trat S ladkovsk^ im Jahre
1872 wider Rieg er auf, als damals
der Kampf wegen den Schulrathswahlen
ausgekämpft wurde, und Sladkov s k^ -
einen aus diesem Anlasse veröffentlichten
Brief Rieg er'S in der „^Hroäni list?"
in entschiedenster, rücksichtsloser Weise
beantwortete. Diesen Brief in wortge»
ireuer deutscher Uebersetzung theilte die
„Neue freie Presse in ihrer Nummer vom
23. November 1372 in einer Corresvon«'
denz aus Wien ääo. 23. November mit.
ES ist bekannt, wie thatig FranH Pa» lacky in Abfassung politischer Testa<
mente war und wie gleich in dem ersten
derselben 1873 die im „Schimpfen so
geübten Deutschen" zu nichts Geringerem
als einem Räubervolke gestempelt wor-
den. Als dann im Frühjahre 1873 P a-
lacky's Nachtragstestament durch die
Journale colportier wurde und die Blat«
ter der Ilmgöechen ein'längeres Schwei«
gen darüber beobachteten, so daß es schien,
als waren ste von Palacky getroffen
worden und gingen reuig in sich. da mit
einem Male brach die „Aaroäni list^"
das Schweigen und veröffentlichten ein
„Eingesendet" S l adk o v sk^'S. Da
dieses „Eingesendet" mit den einfachsten
und präcisesten Worten S lad ko v s kv-'s
politische Stellung kennzeichnet, folgt es
hier als charakteristische Ergänzung sei«
nes Lebenslaufes, nach seinem vollen
Wortlaute: „Herr Pala cky". schreibt
Sladkovsk^- in diesem „Eingesendet",
„beschwert sich in seinem Pokrok-Artikel
darüber, daß ich ihn nicht als politische
Autorität anerkenne, und weil dem wirk«
lich so ist. will ich kurz die Gründe dafür
auseinandersehen. Als eS sich im Jahre
1861 um die Beschickung des Reichs-
rathes handelte, war Palacky bis zum
letzten Augenblicke entschieden gegen die
Reichsrathsbeschickung. Als aber gerade
im letzten Moment der Erzbischof im
Club erschien und für die Reichsraths«
beschickung sprach, war auch Palacky
plötzlich dafür. Handelt so eine politische
Autorität? — Als im Jahre 1868 der
Antrag auf Verlassen des Landtages ge»
stellt wurde, packte sich Palacky mit
beiden Händen am Kopfe, rufend: „Ich
kann mir einen 3andtag Böhmens nicht
vorstellen ohne die Üechen". Als aber
nach vierzehn Tagen Zei thammer als
Sendling des historischen Adels die be-
stimmte Botschaft brachte. Clam-Mar-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon