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) Johann Nepomuk ^ Joseph
Der Sohn eines Müllers, besuchte er das
"Gymnasium in der Präger Altstadt und
übernahm nach den Eltern die Mühle.
Diests Geschäft ließ ihm genug Zeit übrig,
seinen nationalen Lieblingsideen sich zu
widmen; und so förderte er nicht nur vor
dem Jahre 1848 alle nationalen-Bestre-
bungen in Sprache und Literatur, son«
dern unterstützte auch Jeden, der in dieser
Richtung thätig und einer Förderung be>
dürftig war. So stand er namentlich dem
später als Reichstagsordner bekannt ge-
wordenen Alois Je len sBd.X, S. 132^
in dcr Leitung der Sophien-Akademie
hilfreich zur Seite,.insbesondere verdienst-
lich erwies er sich aber um die Prager
städtische Beseda, an deren Gründung er
in Gemeinschaft mit Pfarrer Arnold
unter den Prager Bürgern den wesent-
lichsten Antheil hatte. Im Bewegungs-
jahre 1848 wurde S. zum Gemeinde-
Vertreter der Stadt Prag berufen und in
dieser Stellung gerieth er mit Leo Graf
Thun in Conflict. Der Graf fungirte
im genannten Jahre als Gubernial-Pra-
sident in Prag. S lau ik colportirte
nun bei Erzählung der Verhandlungen,
welche in der ereignisreichen Psingstwoche
auf dem Prager Schlosse von den kaiser»
lichen Hof-Commiffären Gra'en Mens»
dorff und Ministerialrath Ritter von
Kleöansky mit den Deputationen der
Stadt gepflogen wurden, Aeußerungen,
die der Graf T h u n nicht gethan, sondern
Bürger S lav ik ihm in den Mund legte.
Graf Thun sah aus diesem Anlasse sich
genöthigt, öffentlich in der Presse gegen
die Lügen Slavik's aufzutreten und
ließ sein „Offenes Sä^reiben... an den
Prager Bürger Herrn Johann S
vik in' Betreff der Ereignisse in der
Psingstwocke 4848 zu Prag. Mit urkund
lichen Belegen" (Prag 5849. F. A. Cred
ner, 8".) im Druck erjcheinen, worin er die den wahren Sackverhalt,entstellenden
Angaben Slavik's durch Darstellung
der Thatsachen widerlegte. Dieß ist das
geschichtliche Moment, in Folge dessen
dem Bürger Slavik eine Sielle in die-
sem Lexikon eingeräumt worden, worauf
er sonst kaum einen Anspruch besäße. I n
Folge des freigebigen Gebarens, das S.
in früherer Zeit bei seinen nationalen und
anderen Passionen beobachtet, gerieth
er spater in bedrängte Verhältnisse
und zuletzt verarmte er ganz, so daß or
in seinen letzten Lebenstagen von der
Unterstützung einiger Freunde sein Dasein
fristete und das Hospital der Barmher«
zigen Brüder sein Sterbehaus wurde.
slovnik U2,u6u)'. Ilsäaktoi'i Dr. I'lÄNt.
I^ 2.ä. Ki s^er a, ^. HI a I )'-, d. i Conver»
sations'Lerikon. Redigirt von Dr. Franz Lad,
Rieqer und I. Mal)'(Prag 1872. Kober.
Lex. 8".) Bd. XI, S. 6l2.
Ellllvik, auch Slllwjk und Slavtk,
Joseph, n. A. Wenzel (V io l in-Vi r -
tuos und Tonsetzer, geb. zu I inec
(Ginetz) im Berauner Kreise Böhmens
I.Mai. n. A. I.März 1806, gest. zu
Pesth 30. Mai 4833). Sein Vater
Anton ^vergl. die Quellens in seinen
jüngeren Jahren Musiklehrer in Wien,
erhielt später, auf Fürsprache des dama»
ligen Oberstkämmerers Seiner Majestät,
des Grafen Rudolph Wrbna. die Schul«
lehrerstelle zu Iinec in Böhmen. Sein
erstgeborener Sohn war unser Joseph.
Dieser zeigte in frühester Jugend Talent
für die Musik, und das Spielzeug des
vierjährigen Knaben war eine kleine
Violine, auf welcher e-r unter Anleitung
des übrigens nichts weniger als nachsich-
tigen Vaters alsbald und ziemlich gut
spielen erlernte. Zum Unterrichte des
Violinspiels gesellte sich bald iener im
Gesänge, Clavier und Orgelspiel. Der
Secretär des Grafen Wrbna. Namens
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon