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in Joseph 434 ik) Joseph
P i l l . war ein häufiger Gast im S la
v ik'schen Hause und hatte so Gelegenheit
das ungewöhnliche Munktalent des Kna
ben kennen zu lernen, den er nun auch zu
seinen Quartett-Abenden in's Haus lud
bei welchen derselbe den Violoncell-Part
übernahm. Slawik zählte damals acht
Jahre und spielte schon Quartette von
Pleyel und Rode , Duetten von
Krammer u. A. mit einer Sicherheit
und Gewandtheit, welche Aller Erstaunen
erregte. Alles drang nun darauf, der
Vater solle den Sohn in das Conserva
torium nach Prag zur künstlerischen Aus
bildung schicken. Das Verlangen war
gerecht, aber dem Vater fehlten die Mit-
tel und nun trat wieder Graf Wrbna
hilfreich ein und schickte 1816 auf seine
Kosten den Knaben nach Prag. Als er
daselbst vor dem damaligen Director des
Conservatoriums Dionys Weber Probe
spielie. legte ihm dieser eine der schwierig'
sten Etüden von K reu hervor. S. spielte
sie vom Blatte weg mit solcher Correct-
heit, daß er sofort in den zweiten Jahr«
gang aufgenommen wurde. Unter Pixis
letzte nun S. das Violinfpiel fort lind
galt bald als einer d^r begabtesten Schü»
ler, trug auch in den Akademien, die jähr«
lich Statt fanden, jedesmal ein Solostück
vor. Im dritten Jahre seines Aufent-
Haltes im, Konservatorium componirte S.
ein Quartett in F-H«?- und schwere Va«
riationen in ^-^?-. Als ihm in einiger
Zeit ein Freund Paganin i'sche Nebungs«
stücke gab, vertiefte sich S. vollends in das
Studium derselben und nahm -o den Geist
seines Vorbildes in sich auf, daß er nach
demselben ein Concert schrieb, worüber
sein Lehrer förmlich ungehalten in die
Worte ausbrach, „wie man so närrische
Dinge componiren könne, die kein Mensch
zu spielen im Stande sei". Nachdem seine
Lehrzeit im Konservatorium beendet war, erhielt er von mehreren Cavalieren An^
träge, als Musikmeister in ihre Dienste
zu treten. S. aber, um in seiner weiteren
Ausbildung nicht gehemmt zu sein, schlug
jedes Anerbieten aus und unternahm auf
den Rath seines Vaters zunächst eine
Neise nach Wien. Dort fand er im Hause
verschiedener Musikfreunde, unter ande-
ren auch in jenem des Paters des Schrift»
stellers Dr. August Schmid die zuvor-
kommendste Aufnahme. Am 9. April
4826 gab er sein erstes Concert im land-
ständischen Saale. Der Erfolg war ein
unerwartet großartiger. Man verglich den
zwanzigjährigen Geiger mit Lipii^ski
XV, S. 217^, und Paganin i ;
.XVl I .S. 193) ersuchte
den Virtuosen, das Concert, das er in
^-?no^ begonnen und in /''-c^?- geendet,
ihm noch einmal vorzuspielen, als sollte
dieser zweite Vortrag ihn erst von der
Möglichkeit dieser außerordentlichen Lei-
stung überzeugen. S. nahm nun seinen
bleibenden Auftnthalt in Wien und lebte
von den Einnahmen seiner Concerte. Als
im Jahre 1828 Paganini nach Wien
kam und S. den Wundermcmn geigen
hörte, da ließ es ihm keine Ruhe mehr.
Wie schwer zugänglich Paganini war,
ist bekannt, aber Slawik gelang eö, sich
Zutritt zu dem berühmten Meister zu ver-
'chaffen, der sich selbst zu der verwandten
Künstlernatur mächtig hingezogen fühlte.
Nach Paganini 's Abreise folgte er die-
sem nach Paris, wo ihm dieser gestattete,
an seinen Privatübungen Theil zu nehmen,
während er zugleich die Spielweiie ande-
rer VioliwVirtuosen, unter Anderen des
berühmten, durch sein großartiges und
ergreifendes Spiel anerkannten Bai l lo t ,
ennen lernte. Noch während seines Auf-
enthaltes in Paris, im April 1829, er»
hielt S. ein Schreiben des Grafen Har-
ach aus Wien, das ihn aufforderte, die.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon