Seite - 146 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
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einen Bauer aus seinem Sohne machen
und so arbeitete derselbe zu Hause und
im Felde, erst die unausgesetzten Bitten
der Mutter und des Caplans hatten zur
Folge, daß der damals bereits lojahrige
S. nach Cilli in die Schule geschickt
wurde. Dort war es der Lehrer Zu-
panöic, der, durch und durch Slovene,
auch seine Schüler in dieser Richtung
führte, worin besonders S lo m 3ek vor
seinen Collegen sich hervorthat. In dieser
Zeit starb S.'s Mutter, und es war nahe
daran, daß der Vater seinen Sohn, deffen
er bei der Arbeit im Hause dringend be»
durfte, von der Schule abberufen hatte,
aber sein einstiger Lehrer, der Caplan,
bewahrte ihn vor diesem Geschick. Nach
beendeten Gymnafialclafsen ging er nach
Zengg, wo er die Philosophie hörte und
im Jahre 182l trat er zu Klagenfurt
in's Seminar. Im September 4824 er-
hielt er die Priesterweihe, bald darauf
trat er als Caplan zu St. Lorenzen in
die Seelsorge und kam 1827 in gleicher
Eigenschaft nach Neukirchen nächst Cilli.
Bereits im Seminar wurde S. wegen
seiner Kenntniß deS Slovenischen von
dem Seminars-Dircctor bei dem Unter«
richte der jüngeren Seminaristen verwen-
det und das dabei bekundete pädagogische
Talent mochte wohl zunächst veranlaßt
haben, daß er 1829 zum Spiritual im
Klagenfurter Seminar ernannt wurde.
Nun war S. in seinem Fahrwasser. An
Hilfsmitteln für einen Unterricht in slo»
venischer Sprache fehlte es damals ganz.
lich. So mußte 2. die Sache ganz von
vorn beginnen und unter seiner unmittel-
baren Leitung ließ er die Alumnen klei-
nere Geschichten und Fabeln in's Stove-
nische übersetzen, welche er, als von den
jungen Alumnen verfaßt, in fünf Hesten
gedruckt herausgab. Mehrere derselben
erfuhren in kurzer Zeit wiederholte, eines die siebente Auflage. Und nun hatte
das slovenische Volk einige gute Lese»
bücher in einer Sprache in Händen, in
welcher bis dahin außer etlichen Andachts«
büchern nicht Lesbares vorhanden war.
Da es zu seiner Zeit mit den Schulen auf
dem Lande schlecht bestellt war, regte S.
in den Alumnen den Gedanken an, sobald
sie in die Seelsorge getreten waren, die»
sem Mangel an Schulen dadurch zu be»
gegnen. daß sie an Sonntagen die Kin-
der aus den umliegenden Gehöften um
sich versammelten und mit ihnen in der
Muttersprache über Gegenstande des tag«
lieben Lebens in belehrender und unter»
richtender Weise sich unterhielten. Dieß
ist der Ursprung der Sonntagsscbulm in
der bis dahin nahezu schullosen Lavanter
Diöcese, welche wahrend ihrer ein halb
Jahrhundert langen Dauer unter dem
Landvolke ihre wohlthätigen Folgen bald
äußerten. Nach achtjähriger Wirksamkeit
im Diocesau-Seminar wurde S. Pfarrer
in Saldenhofen, wo er bis 1844 seine
segensoolle Wirksamkeit in Schule und
Kirche fortsetzte. Darauf in das Dom-
capitel nach St. Andra berufen, ward er
daselbst mit der Oberaufsicht der Diöcesan«
schulen betraut. Zwei Jahre blieb L.
in dieser Stellung. I m Jahre l846
starb der Lavanter Fürstbischof Franz
Xaver Kutn ar, von Geburt ein Kral-
ner. An K utna r's Seite hatte S l o m°
«ek in der Diöcese gewirkt und den sehr
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in seinem oberhirtlichen Amte unterstützt.
Durch K u tn a r's Schilderungen wurde
die Aufmerksamkeit dcs damaligen Salz»
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S ch w arzenb e r g ^Bd. XXXII I , S.38)
f S lo m«ek gelenkt, den überdieß per»
sönlich kennen zu lernen und in seinem
Schaffen unmittelbar zu beobachten der
Erzbischof bei seinen eigenen Besuchen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon