Seite - 148 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
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Slomsek.
dem Sprachencodex streichen möchten. Im
Gegentheile, allen Nationalitätenhader
aus dem Innersren seiner milden Seele ver-
abscheuend, wollte er die deutsche Sprache
nicht nur nicht verbannt, sondern vielmehr
emsig gepflegt wissen. So vertheidigte er
muthvoll gegen exclusive Slovenen, die
den toleranten Kirchensürsten so gern in
ihr Fahrwasser gezogen hätten, die zwei»
sprackigen slovenisch-deutschen Volks»
chulen, und rief noch ein Jahr vor seinem
Ableben seinem Clerus die denkwürdigen
Worte zu: „Unsere Aufgabe ist nicht, an-
dere Sprachen zu vertilgen, sondern un-
sere Muttersprache zu Ehren zu bringen",
und wenige Tage noch vor seinem Tode
erklärte er feierlich vor den sein Sterbe-
lager umstehenden Priestern: „Ich hasse
das Idol der heidnischen Nationalität
und verehre die natürlichen Charakter»
züge jedes Volkes, somit auch die Mutter-»
spräche, als daS erste Mittel seiner Bil-
düng. Alle Extreme sind des Guten
Feind, auck eine zu große Vorliebe für
unsere Muttersprache, insofern sie auf
Geringschätzung oder Vernachlässigung
anderer in einem Lande nothwendigen
Sprachen, bei uns der deutschen, fußt".
Und in der That hatSlom 3 ek für Ver»
breitung deutschen Wesens unter den Slo»
venen mehr gethan, als viele eifrige
Deutschthümler, und wenn Slomsek
„der Apostel der Slovenen" und mit
Recht genannt wird, so wurde er es na-
mentlich dadurch, daß er ihnen deutsche
und damit moderne Bildung vermittelt
^ hat. Das aber genügte, daß ihn die na>
! lionalen Heißsporne im slovenischen Lager
einen Abtrünnigen, einen. Verräther an
! der angeblichen Naiionalsache nannten!
^ Soll doch thatsächlich von solchen fana»
tischen Zeloten irgendwo über Slom»
äek nach seinem Ableben buchstäblich der
Psalm UiLärers gesungen worden sein. Slomsek
Aber auch die Einseitigen unter den Deut-
schen haben sich an dem edlen Kirchen,
fürsten versündigt, indem sie ihn in Un«
kenntniß seiner Leistungen und die Auf.
gäbe eines Seelsorgers verkennend. a!s
Gegner ihrer Sache betrachteten, dcr er
nie war. Hatte er doch so viele deutsche
Predigten gehalten, seine Hirtenbriefe
ebenso in deutscher, wie in slovenischer
Sprache erlassen, die Exercitien mit sei»
nem Clerus in einem und oemselben'Vor-
trage abwechselnd in deutscher, sloveni«
scher und lateinischer Sprache durchge-
führt und sich im geselligen Verkehre mit
seinen Landsleuten immer ebenso der slo»
venischen wie deutschen Sprache bedient.
Wie sehr er die deutsche Sprache kannte
und liebte und seinen slovenischen Lands-
leuten ihre Meisterwerke zu vermitteln
suchte, beweisen seine häufigen Ueber-
setzungen auS dem Deutschen, unter An«
deren jene der „Glocke" von Schil ler.
Was er aber als Pädagog in deS Woi>
teg eigenster Bedeutung war, davon mag
die Liebe und kindliche Verehrung, womit
Alt und Jung an ihrem Vater — er hieß
allgemein „der geistliche Vater" ^ato^
LviMuHiig) — hing, Zeugniß ablegen.
Das beredteste bleibt aber doch die That«
sache, daß, als ein heißblütiger Südslave,
dem S l o msek als Spiritual eine wohl-
verdiente Uüge ertheilt hatte, ihm voll
Grimm zurief: „ich hasse Sie", ihm
S l 0 m 6 e k mit Ruhe und Milde erwic»
derte: „ich aber liebe sie". Dieser, wir
möchten fast sagen, evangelische Zug, ken'.>
zeichnet sicherer, als Worte es vermögen,
Herz und Charakter dieses Priesters.
Schwierig war Slom«ek's Stellung
als Kirchen für st, aber voll Segen
auch in dieser seiner Wirksamkeit. Wie
an Slomsek diese von ihm unge«
suchte Kirchenwürde herankam, wurde
bereits oben berichtet; wie er sie versah,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon