Seite - 151 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
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Slomsek
früheren einfachen Residenz zu St. An
drä. das mitten in einer herrlichen Al
venuatur gelegen, dem beschaulichen Ki!>
cheniursten mehr als anderes paßte, sich
glücklich fühlte, da er von den Störungen,
welche ' das gesellschaftliche Leben der
Städte unvermeidlich mit sich bringt, un>
beirrt ganz den Pflichten und Sorgen
seines bischöflichen Hirtenamtes leben
konnte. Das war in Marburg schon an»
ders, und so äußert er sich hinsichtlich der
ibm bevorstehenden Ortsveränderung:
„Ein Trost, daß der Mensch nur ein
Fremdling hienieden ist, sonst könnte man
sich sckwer vom schönen Lavantthale tren»
nen", und ein anderSmal: „was uns in
Marburg erwartet, wissen wir nicht; das
Schöne des Lavantthales finden wir nickt.
Wir hoffen dafür leichter zu sterben".
Was sein bischöfliches Verhalten gegen-
über sziner Geistlichkeit betrifft, so war
äs vc.m Geiste der Milde beseelt, wie
gegenüber Andersgläubigen von jenem
der evangelischen Duldung. Einem Pfar-
rer, der seinen Caplan verklagt hatte,
schrieb er: „Mein Bester, warum durch-
seihen sie Mücken und fangen Fliegen wie
Maikäfer groß und das im Winter? Viel
Lärmen um ein kleines Ding. Sie redcn
von Strafen, worin bestehen sie denn?
Bin ich denn ein Strafbischof?" Slom-
sek wollte fromme, bescheidene, aber zu»
gleich fröhliche und heitere Priester. Er
haßte den Pietismus. die Muckerei und
daS Zurschautragen der Demuth, was er
im beiligen Zorn als „bucklige Demuth"
verdammte. Gegen Andersgläubige kam
nie ein hartes Wort über seine Lippen.
Den Protestanten die neue Freiheit gön>
nend, beanspruchte er dieselbe nur auch
für die katholische Kirche. Brieflich äußerte
er sich. daß er keineswegs an den Bestim-
mungen des Concoidates hange, und sich
nicht ärgern werde, wenn es gelinge, eine Form zu finden, es ohne Rechtsverletzung
zu modisiciren, wenn nur dabei das auch
dem Protestantenpatente zu Grunde lie«
gende Princip kirchlicher Freiheit gewahrt
werde. Gegen den Aberglauben trat er
mit aller Entschiedenheit auf. Den großen
Schaden, der daraus für Sitte und Sitt-
lichkeit erwuchs, erkennend, litt er keine
Spiegelfechterei, die dann von gewissen-»
losen Mystikern, meist aber Betrügern,
ausgebeutet wurde. So wurde im Jahre
1831 in der Weitensteiner Pfarre die
Nachricht von einer wunderbaren Erschei.
nung der Mutter Gottes auf einem Fich-
tenbaume verbreitet. Fürstbischof S lo m-
3ek wohl wissend, daß ein bloßes Ver-
bot die Sache nicht beseitigen, sondern
vielmehr steigern würde, ließ sofort die
sorgfältigsten Erhebungen anstellen, die
natürlich den ganzen Schwindel bloßleg«
ten; nachdem dieß geschehen, veröffent-
lichte er das Ergebniß, knüpfte aber daran
die Androhung der schwersten Kirchen»
strafen für Jene, die nun, nachdem die
kirchliche Autorität die völlige Grund»
losigkeit jener Nachricht dargethan, es
dennoch wagen würden, an derselben fest-
zuhalten und was immer für Andachten
damit zu verbinden. Mit seinem Clerus der
— einige Heißsporne abgerechnet — an
ihm mit aller Liebe und Verehrung hing
und ihn in allen Nöthen, Kümmernissen
und Zweifeln um Rath fragte, mit seinen
Nachbarbischöfen, mit dem damaligen
Cultusminister Leo Grafen Thun. der
ihn wegen seinen Schulbüchern oft zu
Rathe zog. und mit anderen Laien
stand er
unausgesetzt im lebendigen brieflichen
Verkehr. Diese Corresvondenz enthalt so
viele Perlen der herrlichen Sinnes- und
Dsnkunguart dieses Kirchenfürsten, daß
eine Veröffentlichung derselben, wenn auch
nur in einer Auswahl, nicht blos seinen
Freunden, sondern vom historischen Gc-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon