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Smetana, Augustin 163 ) Augustin
wurden und auch größere Orchester- und
KircheN'Tonwerke geschrieben. S.'s Bio»
graph rühmt diesen Werken nicht unbe«
deutendes Ersindungstalent und einen
reichen Melodienfluß nach. Besonders
glücklich nennt er ihn in komischen Lie»
dern, deren Neiz aber auch vornehmlich
in seinem eigenthümlichen Vortrag lag,
der nie seine Wirkung auf die Zuhörer
verfehlte. Im Guitarrespiel war S.
Meistor, und wenn er, vertieft in dasselbe,
dem Instrumente seine anheimelnden Töne
entlockte, dann vergeistigte sich seine sonst
nichts weniger als einnehmende Gestatt,
welche aber seinem ausgesprochenen Ta«
lente für komische Darstellung, worin er
Meister war, vollkommen entsprach.
Wiener al lgemeine Musik-Zei tung.
Herausgegeben von Dr. August Schmidt
(4o.) l841, S. 432. in dcn „Geschichtlichen
Rückblicken". — Recensionen und Mit»
thcilungen über Theater und Musik (herausg.
von den Fürsten Cz a rto ry s ki) (Wien)
Redaction, Druck und Verlag v. I . Löwen,
. lhal, 4".) IX. Iahrg (1863). Nr. 44, S. 691:
„Zwei Dilettanten" sder eine ist Anton
Scherrer, Bd. XXIX, S. 203, der an-
dere I . Smegkal j .
Smetana. Augustin (Kreuz Herr
mit dem rothen Sterne und philoso'
phifcher Sch r i f t s te l l e r , geb. zu
Prag 1o. Juni 1814, gest. im Kirchen-
banne ebenda 30., n. A. schon am
29. Jänner 1831). Sohn armer Eltern
— sein Vater war Kirchendiener bei
St. Heinrich— besuchte er daS Plansten»
Gymnasium in der Prager Neustadt und
spater die Präger Hochschule, bis er in
seinem l8. Jahre Aufnahme in das
Kloster des Kreuzherren-Ordens mit dem
rothen Sterne fand. So war der Lieb»
lingswunsch feiner Mutter, einer alten
Frau, die in der Kirche Wachslichter ver»
kaufte, und deren Ideal es immer war,
ihren schwächlichen Sohn dereinst als Priester zu sehen, erfüllt. Ob dieser aber
Beruf zu dem ihm eingeredeten Stande
hatte, das kam nicht in Frage. Jeden«
falls war ihm von Kindheit an die Rich»
tung dazu gegeben und ihm nie Zeit ge»
lassen worden, über dessen Bedeutung
nachzudenken. Nur in der Wahl, welche
Art Geistlicher erwerben sollte, schien ihm
volle Freiheit geblieben zu sein, denn daß
er gerade den Kreuzherrenorden wählte,
darauf machte ebenso das Ansehen und
die Achtung, in welcber der Orden stand,
als das schmucke Aussehen der Ordens»
brüder, welche in ihren kleidsamen falti»
gen Talaren mit den rothen Kreuzen
vorn an der Brust ganz staatlich aus»
sahen. Einfluß gehabt haben. Er selbst
erzählt, kurz vor seinem Eintritts in das
Kloster, laglich in dessen Nähe geweilt zu
haben, „um nur einen oder den anderen
seiner künftigen Brüder mit dem Auge
berühren zu dürfen". So war er denn
vollkommen mit sich und seinem Stande
einig, von den Versuchungen der Welt
noch unberührt, von den Foltern des
Zweifels noch ungequalt, in das Kloster
getreten, in welchem erst nach und nach
dasStudium der neueren philosophischen
und theologischen Werke und eigene Er»
lebnifse in sein Inneres jenen Gahrstoff
werfen sollten, welche den Zwiespalt seiner
Seele fertig brachten und so widrig in
die Gestaltung seines Lebens eingriffen.
Er hatte die theologischen Studien be«
gönnen. Aber schon wahrend derselben
waren jene Kämpfe eingetreten, die
später sein Inneres vollends zerrissen.
Das Studium der theologischen Schriften,
die vorgeschrieben waren, hatte zuerst
seinen Zweifel wachgerufen. Das, was
ihm ursprünglich reine Herzenssache, eine
unaufgeklärte Schwärmerei seines Ge-
müthes war, sollte er nun durch die
scharfen Schlüsse des Verstandes, durch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon