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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 166 -
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Seite - 166 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35

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Sm«t»n«, Auguftin 166 Smetana. Augustin die Beweise der trockenen Logik begreifen lernen. Ja, wenn es noch diese gewejcn wären! Aber welcher Verstand, welche Art Beweisführung traten ihm entgegen? „Sein frommer Sinn", schreibt einer seiner Biographen, defsen Schilderungen auf Smetan a'S eigenen Aufzeichnungen und mündlichen Mittheilungen fußen, „zitterte zusammen vor der Frivolität, mit welcher er die wichtigsten Glaubenswahr heilen behandelt sah; seine Vernunft empörte sich gegen den Schlendrian des mechanischen Auswendiglernens, welcher, wie in anderen geistlichen Seminarien, auch in jenem Prags heimisch war, und woran mit um so größerer Zähigkeit fest- gehalten wurde, als man dadurch den besten Damm gegen Selbstdenken und Seldsiforschen aufgerichtet zu haben ver- meinte". Dazu kam nocd, daß er durch die sklavische Unterwürfigkeit, welche er gegen seine Vorgesetzten zu beobachten hatte, in seinem natürlichen Zartgefühle lief verletzt wurde. Als er die oberwähn- Zweifel und Bekümmernisse seiner Seele eines Tages einem seiner Lehrer ver» trauensvoll mittheilte, fand dieser darin einen Anlaß, ihm als Grund semeS Grü« belns und Zweifelns eine — Liebschaft und in Folge dessen die Absicht zu unter- schieben, mit seinem Stande zu brechen und das Kloster zu verlassen. Smetana, der sich von Allem srei wußte, nur nicht von feinem Streben nach wirklicher Er» kenntniß, wollte beweisen, daß eS nicht sinnliche Motive waren, die ihn bestimm» ten, und legte im Alter von 21 Jahren (am 29. November 1835) das feierliche Ordensgelübde ab. Er war nun Mönch. Noch ein Jahr dauerten seine Studien, aber da er zum Empfang der Priester« weihe noch zu jung war, mußte er noch über ein Jahr warten und erst am 6. August 1837 wurde er zum Priester geweiht. Diese Frist, wie schon früher alle ihm nack Erfüllung seiner geistlichen Pflichten und Uebungen übrig bleibende Zeit benutzte er zum Studium philoso- phischer,. aber auch der neuesten natur- wissenschaftlichen Werke. I n seinen Be> dmfnissen, von früher Kindheit an Ent« behrungen gewöhnt, höchst genügsam, verwendete er, was er besaß, zum Ankauf von Werken, in denen er die Quellen des Wissens, Aufschlüsse über die Zweifel seiner Seele sucdte, und so kam eS, daß die Bücherschränke des jungen Kreuz» Herrn sich all mälig mit Werken füllten, welche sich in denselben genug absonder- lich ausnahmen , wie : Feue c b a ch, „Wesen deS Christenthums"', Strauß, „Dogmatik" ; Hegel , „Phänomeno- logie des Geistes"; Rüge und Eckter- mayer, „HallescheJahrbücher" u.dgl. m. Daß ihm nun nach aus solchen Werken gewordener Erkenntniß seine Standes- wahl bald mehr als eine dem damals geistig Unmündigen aufgedrungene, denn freiwillige erscheinen mußte, bedarf weiter keines Beweises, wie denn seine Vorliebe für ernste Studien, um sich mit der Un- Verträglichkeit seiner Lage zurecht zu fin- den, sich bald erklärt. Um sich aus dem Labyrinth, in das er gerathen, so weit als eS möglich zu retten, beschloß er. dem Lehrfncde sich zuzuwenden. Aber nicht was er wollte und plante, sondern was seine Ordensobern befahlen, muß:c geschehen. Den Ordensregeln gemäß mußte der junge Priester zunächst in die Seelsorge treten. So wurde er vorerst Caplan an der Stiftskirche zu Prag. er- hielt aber, wie einer seiner Biographen berichtet, plötzlich die Weislmg. in der» selben Eigenschaft nach Dovrichowic, einem kleinen, in der Nähe von Karl» stein gelegenen, dem Sprengel seines Ordens gehörigen Dorfe zu gehen. Die
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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