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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 168 -
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Smetana, Augustin 468 ) Augustin nes FacheS in nähere Verbindung getreten, auch hatte er von dem wissenschaftlichen Treiben außerhalb Oesterreich durch eigene Anschauung Kenntiliß gewonnen. Das« selbe sofort auf österreichischen Boden zu verpflanzen, dazu reichten S.'s Stellung und Einfluß nicht aus, wohl aber konnte er mit einem kleinen Kreise von Berufs» und Meinungsgenoffen sich berathen, die Ansicdten austauschen und so den Boden für die spätere Arbeit vorbereiten. So wurde seine katholische Klosterzelle als> bald der VereinigungSort für philosophi» sche und politiscke Discussionen. In den- selben wurden die Hauptwerke der neue» ren deutschen Philosophen und mit be- sonderem Fleiße die Hege l'schen Scdrif« ten durchgenommen, alles dahin Ein- schlagige gelesen, besprochen, aber auck die politischen Zeitverhältnisse, deren Gährung keinem aufmerksamen Auge entging, in Betracht gezogen. Die Idee einer literarischen Zeitung wurde gefaßt, aber die Polizei, die jchon dafür sorgte, daß die Bäume nicht in den Himmel wuchsen, hatte einfach die Bewilligung verweigert. Unter solchen inneren und äußei en Kämpfen kamen daS Jahr 1848 und die Märztage heran. Mit Enthu- siasmus schloß er sich den Ereignissen an, ohne jedoch persönlich an der Bewegung sich zu betheiligem' nur als die Präger Studenten den Wiener März»Opfern eine Todrenfeier veranstalteten, hielt er die Kanzelrede und als Mitglied des Ratio» nal-Comitüs hatte er einigen Sitzungen desselben beigewohnt. Im Nebligen bll> ben seine Verhältnisse ungcändert. er hörte Beichte, las Messe, mußte im Chöre das Brevier mitbeten, daheim aber arbei- tete er an einer systematischen Darstellung seiner Ansichten, wahrend er sich selbst in daS Studium der Philosophie vertiefte. Aber seine Stellung im Kloster selbst. durch die Conflicte der früheren Zeit schon erschüttert, wurde nicht besser, und sein ganzes Dichten und Trachten war darauf gerichtet, aus diesen unerquickli« cben, ihn in seiner Geistesarbeit lahmen- den Verhältnissen herauszukommen. Mit Freuden nahm er demnach im Herbst 1848 eine provisorische Lehrerstelle mit einer Remuneration von 300 Gulden an dem neu errichteten Neustädter Gymna» sium in Prag an. Er vertauschte nun das Kloster mit einer Privatwohnung und erblickte schon in dieser Aenderung seines bisherigen Verhältnisses eine Bes. serung seiner Lage. Ader das sollte nicht lange dauern. Das Gymnasium kam an die Pianisten und S. mußte sein Lehramt ausgeben. Einer seiner Biographen will jedoch wissen, daß ihm wegen seiner miß- liebigen politischen Gesinnung diese Stelle entzogen wurde. Es kann sich auch so verhalten haben, da bald darauf ihm seine Vortrage aus der Geschichte der Philosophie an der Universität, die er als Supplent zu hallen berechtigt wal, untersagt wurden. Der Aufforderung, in seine Klosterzelle zurückzukehren, Folge zu leisten, weigerte er sich, und bestand dar- auf, in seiner Studirstude außerhalb deS Klosters wohnen zu dürfen. Da ihm alle Subsistenzmlttel waren einzogen und die Möglichkell, im Lehramie zu wirken, war benommen worden: nahm er einen ihm im Herbste 184!) gestellten Antrag der Redaction eines politischen Blattes, der „Union", an. Einige Zeit schien eü, als lollie er unbehelligt bleiben, da kam mit einem Male uon Seile des Klosters an ihn dle Aufforderung, in dasselbe zurück» zukehren. Anfänglich glaubte S. mit einer einfachen Ablehnung genug zu thun, als aber mit der beginnenden Reaction im ganzen Staatsleben auch die durch die I848ger Ereignisse eingeschüchterte
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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