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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 170 -
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Seite - 170 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35

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^ Augustm 170 Smetana^ Augustin Altona eine Zufluchtstatte anbot. War das ein Lichtstrahl in seine Seele, so sollte ihm von anderer Seite eine unter solchen Verhältnissen doppelt fühlbare Enttäu- schung nicht erspart werden. Ein Werk, sein Hauptwerk, so zu sagen, sein Ver> mächtniß an die Nachwelt, welches um diese Zeit bei Hoffmann und Comp. in Hamburg herausgekommen war, hatte kaum die Aufmerksamkeit der Wissenschaft» lichen Kreise auf sich gezogen. Lag es in der eiwaS eigenthümlichen Behandlung des Gegenstandes, lag es in den Ver- hältnissen der von den Wehen einer bei- spiellosen Aufregung noch nachzitternden, damals fast apathischen Zeit, es ist nicht zusagen. Smetana, der anderes er» wartet hatte, sah sich bitter enttäuscht — der körperlich Gebrochene war es nun auch geistig. Noth und Armuth waren über ihn hereingebrochen. „Es hatte ihn", schreibt Meißner, „aus dem Klo» ster. wo er gemachlich hätte leben kön- nen, aus dem Hause mit der schönen Aussicht auf den Strom, wo der Hum> pen nie leer ward, hinausgetrieben und nun sah er die hohlwangige Sorge Tag um Tag in seiner engen Studirkammer sitzen. Mußte er nicht oft die rothberock» ten Pfleglinge beneiden, die in den Mauern deä alten HospitalitenhauseS be- häbig umhergingen? Warum war er nicht bei bequemer Versorgung geblie« den? Wie viele Glaubenslose — man denke nur an das jetzige Italien — tragen ' die Clerica und verkünden die Wunder, an die sie nicht glauben!" Auf diese Flagen gibt es nur eine Antwort. Es hat auch einen Christus, einen Sokra. tes, einen Giorvano Bruno, einen Seruet und noch Andere gegeben, welche für die innerste Neberzeugung ihrer Seele nicht nur die ßreuden deö Lebens, s ondern ihr Leben selbst zum Opfer ge- bracht haben. Am 17. October 1830 war S. nach Altona gereist, um dort Zu» flucht gegen die Verfolgungen zu suchen. Es litt ihn nicht lange dort. Schon am am 3l . December desselben IahreS war er nach Prag zurückgekehrt, um dort zu — sterben. Gebrochen hatte er die Mol« daustadt verlassen, ein Schatten, war er, in sie zurückgekehrt. Bald konnte er nicht mehr das Bett verlassen. Nun aber wurde eS in seiner Krankenstube nie leer. „Hatte man ihn früher nicht ruhig leben lassen, so ließ man ihn jetzt nicht ruhig sterben", schreibt Meißner. Unablässig drängte man ihn zum Widerruf; zuletzt war als oberster Seelenhirt der Cardinal« Grzbischof selbst zu ihm gekommen, um ihn zurRückkehr in den Schooß der Kirche zu bewegen. „Wenn Sie sich bekehren", sagte der Kirchen fürst, „so ist es gar wohl möglich, daß Ihnen Gott Ihre verlorene Gesundheit zurückerstattet". Zu solcken Mitteln glaubte man einem Erleuchteten gegenüber, wie es der Sterbende war, greifen zu müssen. Smetana wußte, daß eine zerstörte Lunge nicht wieder athmungSfahig zu machen sei, und bat nur mit gebrochener Stimme — ihn ruh^g sterben zu lassen. Aber so gut sollte es ihm noch nickt werden. Die geistlichen Besuche mehrten sich derart, daß der Ltei.» bende besorgte, man könnte nach seinem Tode, der jeden Augenblick eintreten konnte, daS Gerücht von seiner Buße und seinem Widerrufe in Umlauf setzen. Das aber durfte nicbt geschehen, und so bat er einige Freunde, abwechselnd bei Tag und Nacht sein Krankenbett zu um» geoen, was auch geschah. So schlief er am 30. Jänner ruhig ein, um nicht mehr zu erwachen. Die Nachricht von seinem Ableben hatte sich mit Blitzesschnelle ver« breitet. Am 1. Febr. fand die Beerdigung Statt. War schon unter den geschil»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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