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Smetanü) Augustin 172 ) Augustiu
Verbreitung fand, welche S. selbst ge«
hofft hatte. — Wenige Jahre aber nach
seinem Ableben erschien, aus seinem Nach«
laffe herausgegeben: „Ncr Geist, sein Gnt-
stehen und Vergehen" (Prag 4863) svergl.
darüber Zarncke'S „Literarisches Cen«
tral-Blatt" 1863, Sp. 828^. Vielleicht
läßt sich Wesen und Bedeutung dieses
Werkes kennzeichnen, wenn daraus ein
Axiom herausgehoben wird, welches den
Selbstmord betrifft, worüber Smetana
den Ausspruch fällt: „Die Selbsttödtung
ist des Mannes einzig würdige Todes,
art sOatonis uodils Istuin)". Sonst
noch fanden sich unter seinen nachgelaffe«
nen Papieren Aufzeichnungen zu Denk-
würdigkeiten seines Lebens, worauS Alfred
Meißner „Die Geschichte eines Excom»
municirten (Leipzig 1863) herausgab,
welche von V. Bambas^ umer dem
Titel: „^apiä^ 2 oirl^vs
(Prag 1863) in's Oechische übersetzt
wurde. I n Betreff des literarischen Nach»
laffes erzählte der „Nas" seiner Zeit
folgende Geschichte. Bald nach dem Tode
S.'s. im Jahre 1831, hörte dessen Mutter
in der Nacht einen Lärm an der Haus-
jhüre. > Als sie dieselbe öffnete, stürzte
ein Haufe Bewaffneter in daS Haus,
deren Anführer erklärte, daß er den Auf»
Nag habe, alle Bücher und Handschriften
des Verstorbenen mit Beschlag zu bele«
gen. Diese nahmen denn nun alles, was
sie fanden und auch daS in Handschrift
befindliche Werk: „Der Geist, sein Ent-
stehen und Vergehen" mit, das auf das
sorgfältigste zu verwahren, Smetana
kurz vor seinem Tode die Mutter gebeten
hatte. Dreizehn Jahre später, im Jahre
1864, erhielt die Mutter das Werk ihres
Sohnes zurück, das nunmehr in Druck
gelegt wurde. Im Jahre 1869 theilte
die Zeitschrift „Der Sprudel" mit. daß der Dechant von Karlsbad eine Sckrift
über Smetana herauszugeben beab-
sichtige. Kaum war diese Nachricht in die
Oeffentlichkeit gedrungen, als von Seite
des Kreuzherreri«Generals Schritte gegen
dieses Vorhaben des KarlsbaderDechants
geschahen. Es war nämlich eine Mittels»
Person aus Prag bei dem Dechant in
Karlsbad eingetroffen, welche diesen zur
Ablieferung des Manuscriptes und zu-
gleich zur Erklärung aufforderte, daß er
nie daran gedacht habe, eine Schrift über
Smetana zu veröffentlichen. Ob der
Dechant dieser Aufforderung nachgekom-
men, ist dem Herausgeber dieses Lexikons
nicht bekannt. Zum Schlüsse sei als einer
literarischen Reliquie eines wohl längst
vergessenen, weil in einem nie viel ver-
breiteten und nun wohl auch versckolle-
nen Zeitschrift abgedruckten Aufsatzes ge«
dacht. Derselbe ist eine ausführliche An»
zeige des Werkes: „Anthologie aus
Schell ing's Werken. Von Wilhelm
Zermes" (Berlin 1844), welche im vier-
ten Quartal 1844 der „Oesterreichischen
Blätter für Literatur und Kunst". Her°
ausgegeben von Dr. Adolph Sckmidl .
Nr. 62, 63. 64, 63 und 68 enthalten ist.
Sein Biograph A. Spr inger meint
über Smetana, daß. während er der
großen Menge, wonack cr am wenigsten
gegeizt, als ein kühner Protestant gegen
die katholische Hierarchie und das zähe
katholische Dogma gelte, die Nacbwelt
in ihm den ernst gediegenen philosophi-
schen Forscher achten und aus seinen
Schriften erkennen werde, wie eine sla«
vische Natur, ein ursprünglich katholi»
sches Gemüth, den BefreiungSprocoß der
Menschheit auffasse, die Vergangenheit
erkläre und die Zukunft ahne.
Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. l<^.
im Feuilleton^ „Nnter'm Kirchenbann". Von
Alfred Meißner. — Fremd e n«B la tt.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon