Seite - 193 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
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Smola, Karl 193 ) Karl
erwiederte, daß an unseren Geschützen meh-
rere Kanoniere und Pferde fielen. Smola
beschloß sofort das wirksame Feuer dieser
casemattirten Batterie zum Schweigen zu
bringen, und traf so entsprechende Anord-
nungen, daß die feindliche Batterie in
kurzer Zeit ihr Feuer einstellte, wahrend
von unserer Seite das Feuer gegen die
Stadt so lange fortgesetzt wurde, bis die
Abenddämmerung die genaue Richtung
unserer Geschütze unmöglich machte. Da
erhielt Oberstlieutenant Smola von
seinem Chef. dem Feldzeugmeister Grafen
Nugent, um 8 ^ Uhr Abends Befehl,
nach eingestelltem Feuer einen Parlamen-
tär gegen die Festung zu schicken. In-
dessen war die Dämmerung in Finster-
niß übergegangen; sogleich einen Parla-
mentär zu finden, war, wie die Sachlage
stand, nicht möglich, und daSmola eben
einen Trompeter bei sich hatte und nur
wenige hundert Schritte vor dem Stadt-
thore sich befand, so wollte er, um unnö-
thiges Blutvergießen und eine weitere
Zerstörung der Stadt zu verhüten, sofort
den Auftrag des Feldzeugmeisters selbst
ausführen, so wenig er als Generalstabs.
Chef dazu verpflichtet war. So rilt er
ganz allein, blos von seinem Trompeter
begleitet, ganz nahe an das Stadtthor.
Er ließ sich sofort als Parlamentär an«
melden, in diesem Augenblicke krachte ein
Flinten», dann ein Kanonenschuß, welcher
Smola's rechtes Bein zerschmetterte
und sein gleichfalls schwer getroffenes
Pferd zusammenriß, wobei es sich mit
ihm überschlug. Anderthalb Stunden
lagSmola unbeweglich in seinem Blute
und verlassen auf der Straße. Als er
nach einer Zeit erwachte, gewahrte er, wie
eine nächst der Siraße aufgefahrene Ra<
ketenbatterie, deren Mannschaft den so
schwer verwundeten Generalstabschef
gar nicht sah — ihr Feuer gegen dasselbe
v. Würzbach, diogr, Lexikon XXXV. lMd Thor wieder' eröffnete, vor welchem
Smola im Sterben lag. Nur durch
ein Wunder blieb Smolavon den Schuf»
sei), die sich nun folgten, verschont. Nach-
dem endlich das Feuer verstummt und
Smola aus seinem todtähnlichen Zu«
stände zu sich gekommen war, rief er so
laut als er im Stande war: „er wolle als
Parlamentär in die Stadt gebracht wer«
den". Endlich wurde sein Rufen ver.
nommen und er von den auf einem Noth-
stege aus der Stadt herbeigeeilten Sol.
daten auf einer Bahre in die Stadt ge-
! bracht. Dort entledigte er sich seines
! Auftrages. Die Leute, mit denen er ver-
handelte, beachteten gar nicht seine lödt-
liche Verwundung, u. z. umsoweniger,
alsSmola, um die Sache einem raschen
und gedeihlichen Ende zuzuführen, seinen
quälenden Schmerz verbiß. Die Belager»
ten wollten aber von einer Uebergabe
lange nichts wissen. Smola eröffnete
ihnen, daß ein Belagerungsheer von
13.000 Mann mit einem furchtbaren Ge«
schützpark vor den Thoren aufgestellt sei.
Aber alle Vorstellungen verhallten an
tauben Ohren. Endlich, auf sein zer»
schmettertes Bein und seinen Zustand
weisend, brach er erschöpft die weitere
Verhandlung mit den Worten ab: „daß
die Versicherung eines Sterbenden Glau-
ben verdiene". Jetzt wurde man auf
seinen Zustand aufmerksam und jetzt
schenkte man seinen Worten endlich Glau»
ben. Nun wurden auch die Aufrührer
nachdenklich und bald hatte man die Ca»
pitulationsbedingungen für die ganze
Provinz vereinbart. Smol a's schwin»
dende Lebensgeister waren durch einge-
flößte Arzneien aufrecht gehalten wolden^
mehr aber mochte der Erfolg seiner Sen°
düng ihn gestärkt haben. Er schickte den
Bericht an selnen Chef, den Feldzeug-
meister GrasenNugent, ab und empfahl
. 4, Ott.5877.1 llj
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon