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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
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Smolka . 200 Smolkll den Haufen hinweggedrängt worden. Dieser aber schob den Grafen immer vorwärts, bis er in die Nähe des Brun nens gelangt war, wo die lechzende Meute den gehetzten Greis überfiel und die Schandthat beging. Smolka kehrte nach seiner gescheiterten Mission in den Sitzungssaal zurück. Dort hatte indessen Strobach den Präsidentenstuhl bestie. gen, um die Erklärung abzugeben, daß er es, da nach Zählung des Secretärs nur 120 Mitglieder anwesend seien, mit seiner Pflicht und seinem Gewissen für unvereinbar halte, die Sitzung zu eröffnen, aber seinen Platz dem Vice-Präfidenten abtrete, zu dem Smolka früher schon gewühlt worden war. So trat Smolka an Stiobach's Stelle, und nahm, nachdem er von seiner gescheiterten Mission in den Reichstag zurückgekehrt war, den Präsidentenstuhl ein. Ueber seine Thätig, keit daselbst bis zur Uebersiedlung deS Reichstages nach Kremsier. über die von ihm am 6., 7. October und den folgen» den Tagen erlassenen Aufrufe, Kundma- chungen, Adressen und sonstigen öffent» lichen Acte erhalten wir den besten Auf» schluß im Anhange zu Widmann's Schrift über Franz Smolka. Sein ganzes Verhalten während dieser ver» hängnißvollen Periode war ein mann» Haftes und in den zahllosen Verwicklun- gen durch und durch verfassungsmäßiges. Mit Unerschrockenheit und selbst von sei« nen Feinden anerkanntem Tacte hatte er die Sitzungen dieses Rumpfparlamentes — denn nur ein kleiner Rest der Abge« ordneten war in dem durch Latour'S Mord gebrandmarkten Wien geblieben — bis zur Verhängung des Belagerungs« zustandes geleitet. Am 12. October 1848 fand mit einer Majorität von 186 unter 200 Stimmen Smolka's Wahl zum Präsidenten des Reichstages Statt. Er behielt diesen Posten während der ganzen Zeit, in welcher der von Wien nach Krem- sier verlegte Reichsrath tagte. Die ge- heime Geschichte dieser denkwürdigen Periode — Herausgeber dieses Lexikons hat sie vom ersten bis zum letzten Tage in Kremsier und Olmütz miterlebt — ist noch ungeschrieben. Nur Einzelnheiten gelangten aus Privatbriefen, Mitthei- lungen von Augenzeugen u. s. w. in die Öffentlichkeit. Es erhellet daraus, mit welcher Umsicht und mit welchem energi- schen Tacte es Smolka verstanden hat, das Ansehen des in den höheren und höchsten Kreisen voll Mißtrauen ange» sehenen, geradezu perhorrescirten Reichs» tages, der sich oft genug der wenigst ent- sprechenden Bezeichnungen zu erfreuen hatte, zu wahren, was noch schwieriger dadurch wurde, daß man in Smolka selbst nichts anderes als den „Präsiden- ten der Revolution" erblickte. Als bei Gelegenheit desThronwechsels am 2. De- cember 1849, auch der Reichstag durch eine Deputation die Huldigung dein neuen Monarchen dardringen sollte und Smolka als Präsident des Reichstages naturgemäß der Führer der Deputation war. bemühten stch die öechiscden Al> geordneten Palacky und Nieger,, welche später so „verdienstlich" zur Sprengung des Reichstages mitgewirkt. Smolka zu bestimmen, daß er nicht nach Olmütz gehe, sondern in Kremsier ver^ bleibe und einer der Vice Präsidenten die Führung der Deputation übernehme, da S.'s Erscheinen am Hoflager dort einen „üblen Eindruck" machen würde, und die Begrüßung deS jungen Monarchen durch eine „mißliebige Person" nicht gut an- gehe. Aber Smolka hörte die „6ecki« schen Patrioten" ruhig an und erklärte ihnen eben so ruhig, er werde als „miß- liebige Person" seine Pflicht thun und
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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