Seite - 201 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Bild der Seite - 201 -
Text der Seite - 201 -
Smolka 201 Snwlka
persönlich die Deputation vor die Stufen
des Thrones führen. Daß man alles so
einzurichten verstanden, damit die Depu-
tation nicht an der kaiserlichen Hoftafel
erscheine — man hatte nämlich den Zug,
der- die Deputation bringen sollte, ab»
sichtlich verzögert — das alles focht den
Führer derselben nicht an. ferner die
Würde dcs Reichstages, wo sich Anlaß
fand, zu wahren. Und dieser fand sich
alsbald, als man Miene machte, derDe«
putation die militärischen Ehren zu ent-
ziehen. Als einem der obersten Factoren
der gesetzgebenden Gewalt gebührten dem
Reichstage und seinem Präsidenten jene
Ehrenbezeigungen, die den Erzherzogen
erwiesen wurden, und diese bestanden
darin, daß vor dem bei einer Hauptwache
vorübergehenden Präsidenten die Wache
iu's Gewehr zu treten habe, die Trom»
mcl zu rühren und die Fahne zu senken
sei. Kurze Zeit bevor die Deputation
vor den Kaiser geführt werden sollte,
sondirte ein damit beauftragter Beamter:
„daß es ja wohl nicht nothwendig sein
werde, der Deputation die militärischen
Ehren zu erweisen?" denn bei der da-
mals beginnenden Reaction und durch
die Siege in Italien herrschend gewor-
denen Sabelvartri erschien es als ein
Greuel unerhörter Art, dem — ja diesem
— Reichstage die militärischen Honneurs
erweisen zu sollen. Sm olka aber gab
dem mit dieser Mission betrauten Beam»
ten die Erklärung: „daß, wenn der Depu-
tation von Seite des Militärs nicht die
üblich:n Honneurs erwiesen werden soll-
ten, sich dieselbe nicht zum Kaiser begeben,
sondern die Adresse per Post übersenden
und sofort nach Prag abreisen werde, um
ihre Mission bei Kaiser Ferdinand
auszuführen". Diese energische Antwort
hatte ihre Wirkung nicht verfehlt und ^
der ReichStags'Deputation wurden alle ^ ihr gebührenden Ehren an diesem Tage
und an allen folgenden erwiesen. Seine
Energie setzte es auch durch, daß dieDepu«
tation. welche man um jeden Preis von
der Abreise nach Prag, wo sie dem Kai-
ser F e rd inand die ReichStags-Adresse
überreichen wollte, zurückzuhalten suchte,
persönlich vor dem Monarchen erschei-
nen durfte, obwohl derselbe wieder-
holt als krank ausgegeben und ihm der
Wille in den Mund gelegt wurde, die
Reichstags-Deputaiion nicht empfangen
zu können. Und sie wurde empfangen
ja sichtlich auf's huldvollste empfangen.
Nach der Auflösung des Kremsierer Reichs-
tages, gegen welche S. feierlichen Protest
erhoben hatte, wurde er von dem Mini-
ster des Innern aufgefordert, an der Fest«
stellung der Landesverfassung für Gali-
zien mitzuwirken. Smolka aber er«
klärte in einem Wien l9. März 1849
datirten, an den Minister gerichteten
Schreiben, daß, wie er die Auflösung des
constitutionellen Reichstages, namentlich
mit Rücksicht auf den gewählten Zeit»
punct schon an und für sich — noch mehr
aber die Art der Ausführung desselben
gleich im ersten Augenblicke als ein un>
heilvolles Ereigniß angesehen, er nun um»
soweniger an Arbeiten sich betheiligen
dürfe, als dieß auf die Gutheißung jenes
Ereignisses schließen lassen könnte, wobei
er sich überdieß gegen jede erceptio»
nelle, zum Nachtheile Galiziens aus«
schlagende Behandlung verwahren zu
müssen glaube. Alsdann kehrte S. nack
Z^mberg zurück und lebte während der
nun folgenden zehnjährigen ReactionS»
Periode einzig und allein seinem Berufe
als Advocat.dennmittlerwcilewaren ihm
sein Doctortitel und das Recht zur Aus»
Übung der Advocatur zurückerstattet wor-
den. I n Lemberg stand und steht noch S.'
als Vertrauensmann, namentlich in Geld-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon