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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 205 -
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Smolka 203 Smolka ster habe er die Autonomie verfochten. Dr. Smolka redete so der politischen Manteldreherei das Wort. Zweitens ver> leugnete S. seine Vergangenheit, seine Kampfe und Leiden für das demokratische Princip, indem er dem judenfrefferischen Mob aller Stande in der galizischeu 3an> des-Hauptstadt dadurch schmeicheln zu muffen glaubte, daß er fich gegen die Erweiterung der Besitzfähigkeit der Juden aussprach. Spater, selbst Mitglied des Landtages, verstand es S. durch sein Auftreten, die ihm längst hergebrachten Sympathien wieder zu gewinnen, und am meisten gelang ihm dieß in der Sitzung vom 30. September 1868, in welcher bei der Berathung der Juden» frage: er in hinreißender Rede die Sache der Freiheit und der Gleichberechtigung gegenüber der religiösen Intoleranz ver» theidigte und sie schließlich einem glän» zenden Siege zuführte, wobei er vor» nehmlich den Abgeordneten Torosie» wicz, einen Angehörigen des vor Jahr» Hunderten nach Polen eingewanderten armenischen Stammes, widerlegte. Im Jahre 1869 ließ S. zwei Serien „Polni- scher Briefe" erscheinen, welche, wenn auch ungleich in ihrem Inhalte — denn die zweite Serie fallt gegen die erste stark ab — doch nicht uninteressante Einzelheiten zur Geschichte der letzten Jahre, nament« lich wo S. selbst thätig mitgewirkt, ent« halten. Im nämlichen Jahre aber traf den bereits vielfach Geprüften ein neuer, erschütternder Schlag: seine Tochter, ein blühend schönes Mädchen, war am Schlüsse einer Dilettanten-Vorstellung, in welcher sie selbst mitgewirkt, vom Wahnsinne befallen worden. Im Jahre 1870. als Potocki die Leitung des Ministeriums übernahm, war Dr. S. wieder in den Reichstag gegangen, um der Zerfahrenheit der Föderalisten gegen die Bestrebungen des Centralismus zu Hilfe zu kommen. Dr. S. war damals mit Minister Potocki nach Prag ge- reist, und die Unterhandlungen mit den öechen schienen bereits dem Ziele nahe gekommen zu sein, als sie Graf Potocki, der an einem Postulate der öechen Anstoß genommen, plötzlich abbrach. Dr. S. gab aber seine Hoffnung nicht auf. Als auf Potocki Graf Hohenwar t folgte, behielt S. sein Mandat im ReichSrathe, denn jetzt hatte er mehr denn je auf Er« füllung seiner förderalistischen Bestrebun» gen gehofft. Als er auch jetzt sick getäuscht sah und Graf Hohenwart sein Porte« feuille niedergelegt, hatte S. für Nicht» beschickung des Reichstages gestimmt, war aber von der Majorität beredet worden, in den Reichsrath zu gehen, jedoch nur, um für den Wiederaustritt der Polen wirken zu können, was er auch wirklich gethan. Als die Polen damals ihre Re» solutions'Politik in die Scene setzten, war Dr. S. der einzige Pole, der jetzt nicht mitthat, sich der Einbringung der Reso» lution widersehte und den betreffen- den Antrag nicht mitunterzeichnete. Es ist bekannt, daß das Ergebniß der Reso- lution die Ernennung des Abgeordneten Ziemiatkowski zum Portefeuille- Minister war, worin Dr. S. doch auch eine Errungenschaft erblickte, da. wenn ein solcher auch nicht den Wirkungskreis und die Befugnisse eines Fachminifters, noch weniger jene ein»s Kanzlers habe, er doch Vieles, dem Lande Erwünschtes durchzusetzen, er bei der Kenntniß der Bedürfnisse und Zustände des Landes, die Aufmerksamkeit der Regierung auf dieselbe zu richten, im Stande sei. Im Jahre 1879 erregte ein Schreiben S.'s, das er während seines Aufenthaltes in Wien an einen Freund gerichtet und das somit einen ganz privaten Charakter an
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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