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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 206 -
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Seite - 206 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35

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Smolka 206 Smolka sich trug, nachdem es in den Spalten des Parteiblattes „Das Vaterland" sonder- barer Weise veröffentlicht worden, in den betheiligten Kreisen nicht gewöhnliches Auffehen. Es war gegen den Fürsten Czartoryski gerichtet, der als Mit- glied des ungarischen Herrenhauses für eine Allianz der Polen mit den Deut» schen sprach. I n diesem Schreiben trat Smolka als Parteigänger an die Seite der öechen, möchte mit ihnen vereint Oesterreich — das bereits anderen Stur« men Widerstand geleistet — aus den - Angeln heben und aus dem ihm ohnehin aufgedrungenen Dualismus in den Fö» deralismus hinüberführen. Er ruft dem ein Bündniß der Polen mit den Deutschen befürwortenden Fürsten zu: „daß er sich am Geiste des polnischen Volkes versün» digt habe; daß er die heiligsten Gefühle und „Rechte des böhmischen Volkes" nicht verhöhnen durfte, da dieses durch den Mund seiner legalen Vertreter und seiner besten Söhne nur die Anerkennung seiner „unverjährten Rechte" fordere; daß er die Polen nicht beschimpfen (sie) durfte, indem er es wagte, ste zu einer Allianz mit den Deutschen behufs Unterdrückung ihrer Stammesbrüder aufzufordern (!); daß er wissen mußte, daß die Polen nur im Interesse der Freiheit und behufs Be« freiung der Unterdrückten mit anderen Nationen sich verbünden (?); daß er im Namen der Polen die föderalistische Idee nicht verdammen durfte, da diese die einzige politische Idee sci, welche geeignet ist, die verfeindeten Völker zu versöhnen und kraft ihrer inneren Wahr« heit und Moralität nicht nur die staat« lichcn Zustände Oesterreichs, sondern die« jenigen der ganzen civilisirten Welt zu ordnen". Dieser Briefauszug, der ja ein Stück Programm ist. enthält das poli- tische Glaudensbekenntniß Smolk a's im Hinblick auf Oesterreich. Er hat später nichts gethan, was auf eine Aenderung seiner politischen Ansichten schließen ließe. DaS Bündniß mit den öechen, welche durch ihre neuesten Briefe und Adressen an Aksa kow und die Moskauer ein Ge« biet betteten haben, worüber dem Staats« anwalt eigene Gedanken erwachsen tonn- ten, beweist, daß S. jedes Mittel, ob schlecht, ob recht, passe, wenn er damit seine Ziele, die ihm freilich noch immer fernab genug liegen, zu erreichen glaubt. Immerhin aber zählt S.. seine politische Pacteistellung bei Seite gesetzt, zu jenen öffentlichen Charakteren im Kaisecstaate, welche Beachtung verdienen und ihre Bahn kaum schon völlig durchlausen haben möchten. Ob er staatSmännisches Können besitze, darüber ist jetzt nicht möglich, Urtheil zu fällen. Als Politiker hat er im Laufe der Jahre an Objectivi» tät ab-, hingegen an Bitterkeit zugenom- men, wenn auch seine äußere Ruhe und Mäßigung heut dieselbe ist, welche vor dreißig Jahren ihm sehr zu statten kam. AlS Redner wnkt er gewinnend, er spricht mit Ruhe, mit tiefer, aber wohlklmgen. der Stimme; seine Rede entbehrt schla» gender Phrasen, ist aber wohl durchdacht, ohne Fanatismus, alle Persönlichkeiten sorgfältig vermeidend und als rein sach« lich um so eindringlicher. Seine impo» sante Erscheinung, sein auödruckvoller Kopf mit dem historischen Bart erhöhen nicht wenig die Wirkung seines VortragS. Wahrend sein stattlicher Körper in fast steinerner Ruhe verharrt, drücken nur die Mienen die Bewegung des Innern aus. Als die Ehrenbürger-Verleihungen ein« zelner Gemeinden in Böhmen an der Tagesordnung waren, war auch S. das Opfer zahlreicher solcher Diplome aus böhmischen und selbst crocuischen Ge» meinden; im Jahre 1361 hatte ihm auch
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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