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Sniadecki 214 Sniadecki
bis 1823 thätig. Im letztgenannten
Jahre legte er auch diese beiden Aemter
nieder, sich ganz in den Ruhestand zurück«
ziehend, den er zu Iaszun, einer wenige
Meilen von Wilna gelegenen Besitzung
seines Bruders Andreas, verlebte.
Dort in einem Hause, das er sich selbst
erbaut, lebte er, gepstegt von seiner Nichte
Soph ie , Gattin Michael Bali i iski 'S,
noch einige Jahre, bis der Tod die Augen
des 74jährigen Greises schloß. S. war
seit seiner Anstellung an der Krakauer
Hochschule nach verschiedenen Richtungen
schriftstellerisch thätig. Die Titel seiner
Schriften in chronologischer Folge find:
iü?iz O<2öio« (Krakau 1776. 4".), seine
philosophische Habilitationsschrift; —
„H7a?s?zc?tt?'I na?-oH 2 777 i^77<3"> d. i.
Kalender auf das Iahc 1777 und 1778,
der astronomische und literarische Thcil
ist von Z. bearbeitet, und unterscheide!
sich der Kalender wesentlich von den
alteren Krakauer Kalendern; — „Ha-
d< i. Theorie der algebraischen Rech«
nutig, auf krumme Linien angewandt,
2 Theile (Krakau. 1783, 4".). Die in
Warschau bei Orgelb rand herausge»
gibt 1733 als Druckjahr an, was sich,
da Sniadecki erst 1756 das Licht der
Welt erblickte, sofort als Irrthum her»
ausstellt. Das Werk selbst ist auf Grund-
läge von Euler's „Introäuotio in^na-
I^äiin" gearbeitet und sollten noch weitere
zwei Bände folgen, welche die Anwen-
dung der Differenzial- und Integral'
Rechnung auf die Mechanik enthalten
sollten; aber theils amtliche Geschäfte,
theils die späteren Wirren im Lande ver»
eitelten die Vollendung; — „HosL^ana
0 /5oz?6?-mHk") d. i. Abhandlung über Kopemikus (Warschau 1802, Plansten.
Druckerei, 8".), ist auch im 2. Jahrgang
der Schriften der Warschauer Gesellschaft
der Freundeder Wissenschaften abgedruckt.
Sniadecki ist der Erste, welcher den
bisher nur als polnischen Mathematiker
geschätzten Kopernikus in seiner gan>
zen wissenschaftlichen Bedeutung, die ihm
ein Anrecht auf Unsterblichkeit gibt, dar-
stellte. Schon im folgenden Jahre. 1893,,
erschien eine französische Uebersetzung unter
dem Titel.' «Digoonrö 2ui'^iool. Oo^sr-
nio" (Warschau, 8".), da aber dieselbe
an und für sich schlecht und überdieß
voller Fehler war, kam eine neue, ver>
besserte Uebersetzung (ebd. 1818) heraus,
wovon ein neuer Abdruck (Paris 1820,
V. Renaudiöre) veranstaltet wurde.
Außerdem erschienen eine englische Ueber«
tragung (Dublin 4823) und eine italie»
nische (Florenz 1830), diese mit einigen
Zusätzen und dem Bildnisse Köpe rni k's;
5?l6 2i'F^QZ?l6 s/s»«'", d. i. Geogra-
phie oder mathematische und physikalische
Beschreibung der Grdc (Warschau 1804),
von S. während eines Aufenthaltes in
den Karpathen geschrieben; eine zweite
verbesserte Auflage erschien in Wilna
1809 bei Zawadzki. und eine russische,
von K an ie w ieck i ausgeführte Ueber-
setzung im Jahre 1818 zu Charkow; —
(?^ri8 1804, Lü ^sormiuit, 8".), gegen
eine vom Instit^ud 1'ril.n^ik gekrönte
Schrift V i l lerS ' , über den Einfluß der
Reformation Luther's, gerichtet. Ln ia-
decki widerlegt darin die Unrichtigkeiten
und Oberflächlichkeiten, welche sich V i l>
lers in seiner Preisschrift hatte zu schul«
den kommen lassen. Eine polnische Ueber-
setzung dieser Schrift erschien 1804 im.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon