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Soave, Franz 218 Soave, Franz
S. 232^j, einen Mäcen fand, der, di
Tüchtigkeit Soave's sofort erkennend
denselben auch alsbald an den rechte
Platz stellte. Er übertrug ihm näm
lich die Lehrkanzel der Moral-Philo
sophie, Logik und Metaphysik an de
Vrkra. Für seine Zöglinge übersetzte
nun Soave auch Winne's AbHand
lung über den Verstand, und Locke's
„Versuche über den menschlichen Ver
stand"', schrieb dann seine Grundsätze de'
Logik, Metaphysik und Ethik, welche au
allen Schulen Italiens als Lehrbüchei
eingeführt wurden. Als dann von Parma
sein früherer College Amoret t i sBd. I
S. 3^ gleichfalls nach Mailand über-
siedelte, begann er mit ihm gemeinschaft-
lich die Herausgabe des noch heut!
in Italien geschätzten Sammelwerkes:
arti", welches GrafFi rmian und der
Wiener Hof unterstützten und förderten,
und worin Abhandlungen über die wich
tigsten Entdeckungen, Erfindungen und
Fortschritte auf den Gebieten der Wissen,
schaften und Künste enthalten sind. Diese
Sammlung, welche sofort zu erscheinen
begann und bis 1807, also ein Jahr
nach Soave's Tode, fortgesetzt wurde,
umfaßte 27 Bände. An den letzten
drei Banden hatte S. nicht mehr mit«
gearbeitet, hingegen für die anderen aus
dem Englischen, Französischen. Deutschen
und Spanischen eine ansehnliche Folge
von Artikeln theils bearbeitet, theils über»
setzt, aber auch einige Original«Arbeiten
geliefert, wie z. B.:
di ätnäl
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äi un .Aurora.
LUiig. L0033Ä
s" ^ in welch' letzterer er der
Entdeckung von John Wa l fh , welche dieser im Jahre 4774 in den Abhand-
lungen „On ttis eisotrio
und „0n t
ooÄ3t
öffentlichte. zuvorkam. Der brescianische
Edelmann Karl Graf Bettoni fBd. I,
S. 360^ hatte nun seinerseits, um für eine
bessere Erziehung der Jugend zu wirken,
einen Preis von 100 Ducaten ausgefetzt
für 23 sittliche Erzählungen, in welchen
die mannigfachen Pflichten des Menschen
in ebenso fesselnder als belehrender Weise
dargestellt würden. Die Akademie von
Padua und die patriotische Gesellschaft
von Mailand sollten Schiedsrichter sein
über die eingelaufenen Arbeiten. Für das
Volk oder für die Jugend zu schreiben,
war nie Brauch in Italien gewesen, in
welchem eine eigentliche Volks« und Iu>
gendliteratur bis zur Stunde fehlt. So
geschah es denn, daß gar Niemand um
Bettoni 's Preis sich bewarb und dieser
sich zuletzt unmittelbar an Soave selbst
wendete und ihn anregte, die Arbeit zu
unternehmen. Soave ließ es sich nicht
umsonst gesagt sein, und so entstanden No>
vellen, welche später auf 34 anwuchsen
und den Preis erhielten. Das sind die
lachmals so berühmt gewordenen, in alle
ebenden Sprachen übersetzten ^Vove/7s
mo?'a??' cli F>tt?lü<°soo Honve", wovon
bereits im Jahre 1787 eine deutsche Neber»
'etzung unter dem Titel: „Moralische No°
)ellen für die Jugend" (Leipzig l787,
Sctmeider, 8".) erschien, und dann noch
mehrere, manche mit gegenüberliegendem
rtert und grammatikalischen Anmerkun»
gen folgten. Die Zahl der italienischen
Ausgaben und Nachdrücke ist nicht anzu<
ebcn. Das Werk mag dem Bedürfnisse
er Gegenwart, wo die Anforderungen
es modernen Lebens sine Menge neuer
Gesichtspuncte eröffneten, nicht ganz mehr
enügen, gewiß aber bleibt es unter allen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon