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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 227 -
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Seite - 227 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35

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Sobri 227 Sobri nichts und ich will — Euer Räuber sein. Nennt mich fortan nicht Graf, sondern Schobri" . Graf I o sep h hielt Wort. Er vollführte Streich um Streich; der nächste war immer toller als der voran- gegangene; spielte Professoren oder Col< legen einen Schabernack um den anderen, ließ sich aber nie erwischen, und wenn« gleich Niemand daran zweifelte, daß er der Thäter war. überwiesen konnte er nie werden. Auf diesem Wege weiter« schreitend, hatte er bald die Pferde aus dem Gestüte des Vaters. Er schlich sich des Nachts in dasselbe, fing eines mittelst der Schlinge, ritt es solange, bis es zu- sammenbrach oder lahm wurde, und wenn er eS nicht mehr brauchen konnte, stahl er ein anderes. Der Graf — um, wie es schien, den Jungen los zu werden oder aus dieser Umgebung zu bringen — schickte ihn auf den Preßburger Landtag, dort sollte er als Reichstags-Kanzlist arbeiten. Aber da trieb er es noch toller, und machte zuletzt so schlimme Streiche, daß der Vater, um ferneren Umtrieben ein Ende zu machen, den Jungen zum Militär gab. Damit er aber recht fern von der Heimat sei, schickte er ihn nach Venedig in die Marineschule. Aber das Leben zu Schiff wollte Joseph nicht gefallen, er schrieb dem Vater, er wolle nicht Seemann wer- den, er möge ihn zur Kavallerie geben. Der Vater gab nach und Joseph kam als Cadet in daS 1. Chevauxlegers-Regi» ment. Aber der Cadet verübte auch da einen tollen Streich um den anderen, und so wurde er denn in ein Regiment ver« etzt. daS in einer Festung stationirt war. wo der Dienst mit größter Strenge ge» handhabt wurde und dein unbändigen Burschen keine Gelegenheit zu Ausschrei' tungen gegeben war. Graf Joseph kam somit in das Infanterie-Regiment Franz Ferdinand d'Este Nr. 32 , welches damals, Mitte der Dreißiger-Iahre, in der Festung Peterwardein stationirt war. Im Anbeginn ging alles gut. Graf Joseph sondirie erst das Terrain. Der commandirende General, Feldzeugmeister Freiherr Csoll ich. der mit Joseph's Vater eng befreundet war, zog den jun« gen Grafen in sein Haus. Dieser ver< liebte sich in die Tochter des Generals, welche nun ihrem Verehrer von Seite des Vaters mancherlei Erleichterungen im strengen Dienste, dem auch die Cadetten unterworfen waren, erwirkte. So kam es denn, daß Graf Joseph die Erlaub- niß erhielt. Pferde zu halten. Nun aber war der Wildfang in seinem Elemente, und trieb es bald so arg, daß er sogar dem alten General Verlegenheiten und Unannehmlichkeiten bereitete, worauf ihm dieser alles Reiten und Fahren auföffent» lichen Platzen streng untersagte, und ihn, nachdem er diese Verbote übertrat, mit scharfem Arrest bestrafte. Da nun unter solchen Umständen das Leben für ihn wenig Gemüthliches besaß, verschwand er eiueS schönen TageS und war für an» derthalb Jahre unsichtbar geworden, ohne daß man je in Erfahrung gebracht hätte, wo er sich während dieser Zeit auf- gehalten hatte. Das war eben jene Zeit (1836 und 1837). innerhalb welcher die Räuberei Sobri 'S das ganze Land Un- garn in Aufregung gesetzt und dessen wag- halsige Unternehmen von Mund zu Mund colportirt wurden. Graf Joseph, den man sowohl damals wie später damit aufzog, daß erSäbr i sei, stellte daS gar nicht in Abrede, obschon er sich nie damit gebrüstet, daß er.und der vielgenannte Rauber eine und dieselbe Person gewesen. Wie nun der oben citirte Herr Kaszony berichtet, pflegte später der Graf Joseph manche seiner Abenteuer, die darauf hin« deuten, daß dem Gerüchte doch Wahrheit
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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