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M) Mathias 238 SoMa, Mathias
lange die Beichte ab, oder eilte zu Maria
von Mör l , wo ihm die aufregendsten
Scenen mit der ekstatischen Jungfrau
eben auch keine Erholung bereiteten.
Welch' Auffehen sein obwohl längst er«
lvartetes Ableben in kirchlichen Kreisen
hervorgebracht, dafür spricht die That-
sacke, daß ihm noch vor seinem Ableben
die Nachricht mitgetheilt wurde, Papst
PiusIX. übersende ihm nicht nur feinen
apostolischen Segen, sondern habe am
3. Mai. also einen Tag vor C a p i st r a n's
Hingang, um die neunte Stunde eine
Messe für ihn und Maria von Mö r l in
eigener Person gelesen. Maria vonMörl
überlebte den I>at6r Capistran, der
37 Jahre lang ihr Beichvater gewesen,
um nicht volle drei Jahre.
Tiroler Stimmen (polit. Varteiblatt, 4".)
<i>65, Nr. ll>3 S. 48?: „Aus Kältern, 4. Mai".
— Katholische Blätter aus Tirol
XXIII. Jahrs. (l«65). Nr. l i .
Eojkll. Mathias (böhm. Organist
und Compositeur, geb. zuWil imow
im CzaSlauer Kreise Böhmens 12. Febr.
4740. gest. ebenda 13. März 18l7).
Wenn als Sojka's Geburtsjahr anders«
wo 1730, auch 1733 und als sein Sterbe-
jähr 1820 angegeben werden, so ist daS
ebenso unrichtig, als wenn er hie und da
mit dem Taufnamen Mat thäus er-
scheint, da fein wirklicher Taufnamen
Math ias ist. Auch die Schreibart
Sogka kommt hie und da vor, was
auf die Eigenthümlichkeit der oechischen
Sprache zurückzuführen ist. in welcher
das g nicht selten durch ein j und umge.
kehrt (Gitschin Iicin. Gyrowec Iirowec,
Ierzabek Gerzabek) erseht wird. Sojka
war ein Unterthan der Herrschaft Wili<
mow. welche damals dem Grafen Ignaz
Ernst von Caret to-Mi les imo ge»
horte, von dem fie spater auf den Grafen
Joseph überging, mit welchem das Grafenhaus der M i le Limo 1832 er«
losch. Math ias zeigte früh musikali-
sches Talent, wer aber sein erster Lehrer
in der Musik gewesen, läßt sich nicht mit
Bestimmtheit feststellen, wenn man auch
kaum fehl gehen dürfte, den damaligen
Ortsschullehrer Anton Mag au er dafür
anzunehmen. Als sein damaliger Herr
und Gönner, Graf M i l esi m ö. Soj -
ka'S Mufiktalent erkannte, fchickte ihn
dieser, der ihn auch die lateinischen Schu«
len hatte vollenden lassen, zur ferneren
Ausbildung zu Johann Sebastian Bach.
Bei diesem berühmten Meister lernte S.
Generalbaß und Harmonielehre. Als
aber Bach in kurzer Zeit wegen zu-
nehmender Augenschwache sich außer
Stand erklärte, Sojka's Unterricht fort.
zusetzen, schickte der Graf seinen Schütz»
ling sofort nach Prag. um seine Ausbil.
düng durch den dortigen Domcapellmei«
fter Joseph S eger oder S ege rt, wie
er auch genannt wird, vollenden zu lassen.
Unter solchen Meistern bildete sich S.,
der in der That auch ein ungewöhnliches
Musiktaleut besaß, in tüchtiger Weise auS.
Bald machte die Nachricht von seiner Ge-
schicklichkeit die Runde in weiteren Kreisen
und es fehlte nicht an günstigen Anträgen'.
S. aber. in Dankbarkeit für alles, was
der Graf zu seiner Ausbildung gethan,
lehnte jedeS an ihn gestellte Anerbieten
ab und blieb bei seinem Gönner, dem
Grafen, der ihm mit dem Dienste eineS
Küchenschreibers (oder, wie er allgemein
genannt wurde, KuchlschreiberS) eine Art
Sinecure gegeben hatte. So konnte sich
der Graf einerseits an dem reichen Ta»
lente seines Schützlings erfreuen, wie
andererseits dieser wieder seiner Neigung
nach Herzeuslust sich hingeben konnte.
So jka blieb in den Diensten seines Ma«
cens bis in sein hoheS Alter. Nebenbei
versah er daS Amt des Organisten und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon