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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 247 -
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Solera 247 Solera unter österreichische Regierung kam. war S. im Jahre 1848 Prätor in Lövere in der Provinz Bergamo. I n dieser Stellung mit einem Male deS Carbona- rismuS angeklagt und in Untersuchung gezogen, wurde er des HochverratheS schuldig befunden und mit richterlichem Spruche vom 18. Mai 1821 zum Tode verurtheilt. Im Wege der kaiserlichen Gnade wurde daS Todesurtheil in zwan» zigjahrige Kerkerhaft umgeändert und S. nach dem Spielberge gebracht, um dort die Strafe zu überstehen. Im Jahre 1827 mit noch anderen zugleich mit ihm Verurtheilten begnadigt, kehrte er in sein Vaterland zurück. Er lebte nun unange« fochten und zurückgezogen in Brescia, als ihm erst im Jahre 1842 die Nachricht von Alexander And ryaneS „Denkwür« digkeiten eines Gefangenen vom Spiel» berg" zukam, welche bereits 1838 in französischer Sprache zu Paris erschienen waren. Andryane, ein seines Charak- ters und seiner Zuverlässigkeit wegen all» gemein hochgeachteter Mann. schildert in seinen Denkwürdigkeiten So le ra , der längere Zeit sein Kerkergenofse war. als einen Verrather, einen Heuchler und einen Spion, der zur gemeinsten Schlechtigkeit und Nichtswürdigkeit herabgesunken sei. Von solchem Manne und in solcher Weise öffentlich beschimpft, beschloß S., gegen diese Angriffe, die er geradezu alsVerleum« düngen bezeichnete, aufzutreten und ver» faßte eine VertheidigungSsckrift. Da er zur Druckbewilligung die Erlaubniß der Censur einholen mußte, begab er sich nach Mailand, und alg seine Schritte daselbst erfolglos geblieben, wendete er sich an die betreffenden Hofstellen nach Wien. Während er aber auf die Erledigung seineS Gesuches von Wien aus harrte, gelang es ihm, durch Hilfe einer Dame, der Frau Bianca M i l esi «Moyon, eine Copie seiner nack Wien abgeschickten Ver- theidigung in die Hände Andryane's zu bringen. Dieser aber würdigte den von ihm gebrandmarkten Autor nie einer Antwort. Und von Wien kam nach wie« derholien Nachfragen Solera'S über den Stand seiner Angelegenheit nach Jahresfrist die Weisung, daß ihm der Druck seiner Vertheidigungsschrift nicht gestattet sei und er sich überhaupt eincs jeden weiteren Schrittes in dieser Sache zu enthalten habe. Erst als im März 1848 in Mailand die Revolution aus» brach, ließ Solera die vorerwähnte Schrift in Druck legen. In derselben Schrift versucht nun S., alle gegen ihn von Andryane erhobenen Beschuldi« gungen zu widerlegen. Doch half ihm das wenig, denn als Felice Foresti seine äki Vsneto äel 1821 6 Lulis vittiws äki 8pi6idei>F0" veröffentlichte, bestä- tigte er darin alle von And ry ane gegen Solera erhobenen Anklagen, nannte ihn offen einen Verräther der Geheim» niffe. wodurch seine Mitverscbwörer dem rächenden Arme der Gerechtigkeit ver« fielen, und fügt hinzu, daß Solera in Folge seines VerratheS sich aller nur denkbaren Rücksichten im Kerker zu er« freuen hatte. Diesen letzten vernichtenden Schlag auf seine Ehre war Solera so glücklich, nicht mehr zu erleben, denn die Angriffe Fo resti'S erschienen erst nach Solera 's Tode. da Solera schon im Juli 1848 im Bade San Pellegrino. wo er Abhilfe für sein Leiden zu finden gehofft, gestorben war. Die erwähnten Erinnerungen Foresti's aber sind von diesem auf Verlangen Giuseppe R io ciardi'S schon im Jahre 1847 nieder« geschrieben, jedoch erst 1860 im Druck er« schienen. Nach allem, waS vorliegt, steht Solera'S Charakter nichts weniger als
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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